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Amazon soll Neuware in riesigen Mengen vernichten – Kritik auch aus der Politik

Veröffentlicht: 11.06.2018 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 11.06.2018

Amazon steht derzeit im Kreuzfeuer der Kritik: Das Unternehmen wird beschuldigt, tonnenweise Produkte – und darunter auch Neuwaren – zu vernichten. Das Bundesumweltministerium zeigt sich empört und fordert mit Blick auf diesen „riesengroßen Skandal“ Aufklärung.

Amazon-Pakete in einem Regal
© Jonathan Weiss / Shutterstock.com

Tag für Tag soll Amazon retournierte Artikel und Neuware in großem Stil vernichten. Dies hätten Recherchen des politischen ZDF-Fernsehmagazins Frontal21 ergeben. Wie das ZDF auf seiner Website berichtet, basieren die Berichte nicht nur auf Produktlisten des Online-Riesen, sondern auch auf Fotos sowie Aussagen diverser Amazon-Mitarbeiter.

Mitarbeiter kritisieren Amazon für massenhafte Vernichtung

Die tonnenweise Vernichtung von Produkten soll dabei nicht spezielle Produktkategorien betreffen. Vielmehr seien „Güter aller Art in den deutschen Logistiklagern entsorgt“ worden, schreibt das ZDF. Es ist von Artikeln wie etwa Möbeln und Matratzen, aber auch von Handys und Tablets und sogar elektrischen Großgeräten wie etwa Kühlschränken, Spül- oder Waschmaschinen die Rede.

Eine Mitarbeiterin von Amazon habe sich im Rahmen der Recherchen beispielsweise geäußert, „dass sie jeden Tag Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet habe“. Kritik, dass sich unter den betroffenen Waren eben nicht nur defekte oder unbrauchbare Artikel befänden, sondern auch „funktionstüchtige, teilweise sogar neue Produkte“, kämen dabei auch aus den Reihen der Angestellten.

Bundesumweltministerium zeigt sich empört

Missbilligende Töne für diese Vernichtungspraxis von Amazon kommen jedoch nicht nur von hauseigenen Mitarbeitern. Auch aus der Politik wurden mittlerweile empörte Stimmen laut. Wie es weiter heißt, sprach das Umweltministerium in Form von Staatssekretär Jochen Flasbarth von einem „riesengroßen Skandal“. Weil man dadurch massiv auf Ressourcen zurückgreife und mit solchen Praktiken auch „Problemen insgesamt auf der Welt“ Vorschub leiste. „Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden“, kommentiert Flasbarth weiter.

„Als ich es hörte, habe ich es nicht geglaubt. Das kann doch nicht wahr sein“, äußerte sich der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer. „Das sind alles Dinge, die knappe Ressourcen nutzen.“ Eine solche Wegwerfgesellschaft könne man sich einfach nicht mehr leisten – auch mit Blick auf eine Weltbevölkerung, die auf die 9 Milliarden-Grenze zusteuert. 

Amazon will Prozesse verbessern

Auch Amazon habe sich bereits zu Wort gemeldet. Das Unternehmen kommentierte: „Wenn Produkte nicht verkauft, weiterverkauft oder gespendet werden können, arbeiten wir mit Aufkäufern von Restbeständen zusammen, die diese Waren weiterverwenden.“ Darüber hinaus arbeite man stets daran, die hauseigenen Prozesse zu verbessern.

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