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Eine DaWanda-Händlerin berichtet: „Wir waren alle in Schockstarre.“

Veröffentlicht: 02.07.2018 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 02.07.2018

Der deutsche Handmade-Marktplatz DaWanda hat verkündet, sein Geschäft zum 30. August 2018 einstellen zu müssen. Das sorgt für ein Beben im deutschen E-Commerce-Markt. Anne Heisig ist Händlerin auf DaWanda und wurde – wie viele andere auch – von dem Ende des Marktplatzes überrascht.

Anne Heisig in ihrem Atelier
Anne Heisig in ihrem Atelier (© Anne Heisig / Anne Svea)

Das plötzliche Ende des deutschen Handmade-Marktplatzes DaWanda hat für ein wahres Beben in der E-Commerce-Landschaft gesorgt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Nachricht über die baldige Schließung der Plattform überraschend und früher als geplant verkündet werden musste – eigentlich wollte das DaWanda-Team am Montag über die Schließung informieren, doch durchgesickerte Gerüchte zwangen das Unternehmen dazu, sich bereits am Samstag zu äußern.

Anne Heisig, die seit zehn Jahren mit ihrem Shop Anne Svea auf DaWanda aktiv ist und auf dem Marktplatz Accessoires und saisonale Geschenkartikel verkauft, wurde von dem plötzlichen Ende der Plattform ebenso überrascht. „Ja, die Schließung von DaWanda hat uns als Händler leider absolut überrascht“, erklärt sie im Gespräch mit OnlinehändlerNews. „Dass es DaWanda zwischenzeitlich nicht gut ging, wussten wir ja aus den Medien. Aber wir wussten nicht, wie schlecht es zur aktuellen Stunde um die Plattform steht.“ DaWanda hatte im Januar 2017 rund ein Viertel der Belegschaft entlassen müssen – doch zuletzt standen die Zeichen eigentlich wieder auf Wachstum.

„Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll“

Für die Händler-Community ist das plötzliche Aus ein Schock. „Sehr viele Seller und Käufer waren am Wochenende in Schockstarre“, berichtet Heisig. Sie habe mit einigen Händlern aus ihrem Bekanntenkreis telefoniert und sich ausgesprochen. „Viele wussten nicht, wie es weitergehen soll, am Wochenende haben wir quasi durchtelefoniert und versucht, den Kopf erstmal klarzukriegen.“ Auf Facebook rief sie die Community zum Zusammenhalt auf und schrieb sich den Schock von der Seele. Sie verkauft selbst seit zehn Jahren Accessoires und Geschenkartikel auf DaWanda, der Marktplatz ist ihr Hauptgeschäft. „Ich bin schon auf Amazon und Handmade at Amazon vertreten, wollte aber nicht von DaWanda weg – dort habe ich schließlich einen festen Kundenstamm und mache den Hauptteil meines Umsatzes. Das Ende des Marktplatzes trifft mich also hart.“

Hart ist es für Heisig auch, weil sie ihren Shop nicht allein betreibt: Zwei Angestellte arbeiten für sie – und auch deren Zukunft hängt nun davon ab, wie der Umzug zu Etsy gelingt. Den will Anne Heisig „auf jeden Fall“ mitmachen. DaWanda und Etsy haben eine Vereinbarung geschlossen, durch die DaWanda-Händler ihre Shops samt Angeboten und Rezensionen kostenfrei zu Etsy umziehen können. „Man wäre ja bescheuert, wenn man das nicht macht“, meint Heisig.

Doch eine Angst bleibt: Die DaWanda-Händlerin fürchtet, auf Etsy nicht gut gefunden zu werden. Vor ein paar Jahren habe sie versucht, den Marktplatz als Absatzkanal zu erschließen, habe nach einem halben Jahr das Experiment aber abgebrochen – zu schlecht war der Umsatz in dieser Zeit. „Nun muss ich schauen, wie ich mein Produktsortiment bei Etsy zum Laufen kriege. Vor allem die internationale Ausrichtung bei Etsy ist eine Herausforderung, da meine Produkte auf den deutschen Markt ausgerichtet sind und vor allem in Hessen gut gehen.“

„Für das Team tut es mir wahnsinnig leid“

Besonders leid täten der DaWanda-Händlerin aber auch die Mitarbeiter des Marktplatzes, die das Ende der Plattform nicht in der Form kommunizieren konnten, wie sie es geplant hatten. „Ich fand das Team immer super und für sie tut es mir wahnsinnig leid. Sie haben die Kommunikation vorbereitet und mussten dann überstürzt auf Gerüchte reagieren. Ich fühle mich, als hätte ich meine Entlassung nicht von meinem Arbeitgeber erfahren, sondern aus den Medien. Aber daran trägt das DaWanda-Team keine Schuld und dass es so gelaufen ist, haben sie auch nicht verdient.“

Nun hängt die Hoffnung von Anne Heisig an Etsy. „Ich bin seit zehn Jahren selbstständig und auf jeden Cent durch die Verkäufe angewiesen. Ich habe keinen anderen Arbeitgeber, der Handel mit meinen Produkten ist mein Job und der muss funktionieren“, sagt sie.

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