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Kommentar: Amazon vs. Ebay – Wenn zwei Riesen sich streiten, freut sich der Kunde?

Veröffentlicht: 24.10.2018 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 24.10.2018

Wenn Riesen in Märchen und Mythen miteinander ringen, ist oft nicht ganz klar, was mit dem beteiligten Mensch passiert. Wird er zertreten – oder überlebt er und ist am Ende obenauf? Bei den Online-Giganten Amazon und Ebay, die seit ihrem Bestehen ihre Kräfte messen, ist die Sache klar: So lange der Kampf andauert, ist das für den Menschen gut.

Kampf
© rangizzz / shutterstock.com

Es war der jüngste Schlag von Amazon gegen Ebay – und er ging unter die Gürtellinie. Amazon soll versucht haben, Topseller von Ebay abzuwerben. Amazon-Mitarbeiter mit gefälschten Accounts sollen seit 2015 Kontakt zu Ebay-Verkäufern aufgenommen und versucht haben, sie auf die Konkurrenz-Plattform zu holen. Damit der laut Ebay-Richtlinien verbotene Nachrichtenverkehr nicht auffällt, wurde Amazon dabei  „AMZ”, „A.M.Z.N” oder „a-m-a-z-o-n” genannt. Spionage-Feeling im E-Commerce. Ebay fordert nun Schadensersatz und eine Unterlassung. 

Amazon und Ebay kämpfen um die Macht im Online-Handel

Die beiden Online-Riesen Amazon und Ebay kämpfen seit ihrer Gründung Mitte der 90er Jahre darum, wer die bessere Verkaufsplattform im Web ist –   mittlerweile ist dabei egal, ob Geschäfts- oder Privatverkäufer oder Neu- oder Gebrauchtware. Ein wichtiger Unterschied in der Anfangszeit der beiden Online-Marktplätze: Bei Amazon legt der Verkäufer den Preis fest, bei Ebay konnte der Verkäufer eine Auktion laufen und die Nutzer mitbieten lassen. Im Idealfall kommt es bei einer gelungenen Auktion zu einer Win-Win-Situation zwischen Händler und Käufer: Der Händler erhält aus einer Vielzahl Bietender die beste Option, der jeweilige Käufer bekommt seine Ware zwar nicht zum allergünstigsten, aber – je nach Bietverhalten – zu einem für ihn guten Preis. Mittlerweile bietet der Großteil der Händler aber auch auf Ebay seine Waren als Festpreis-Angebot an.

Noch gibt es auch im E-Commerce einen Interessenausgleich, denn der Online-Handel ist derzeit im Wesentlichen ein Oligopol: Viele Nachfrager stehen wenigen Anbietern gegenüber. Zwar gibt es kleinere Online-Händler und -Marktplätze, im Großen und Ganzen dominieren aber Amazon und Co, ergab jüngst auch eine EHI-Studie. Amazon, das gerade seinen 20. Geburtstag gefeiert hat, und dessen Gründer Jeff Bezos erreichen dabei immer wieder Superlative, die deren Übermacht veranschaulichen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 775 Milliarden US-Dollar ist Amazon nach Apple das zweitwertvollste Unternehmen der USA. Bei Amazon suchen mehr Menschen nach Produkten als bei Google und Bezos ist nicht nur reichster Mensch der Welt, sondern vielleicht auch bald des Mondes, den er besiedeln will. Das Wachsen und nicht nur sinnbildliche Streben des Unternehmens nach den Sternen scheint kaum ein Ende zu haben. 

In einem Monopol gibt es kein Win-Win

Und genau das könnte ein Problem werden – aus einem Oligopol wird schleichend ein Monopol. „Bei Amazon stehen die Kunden im Mittelpunkt. Ziel ist es, ihr Leben zu vereinfachen und zu ihrem Erfolg beizutragen”, verspricht der Riese auf seiner Seite. Doch in einem Monopol gibt es keine Win-Win-Situation – wer den Markt beherrscht, bestimmt den Preis. Und der Kunde zahlt oder verzichtet. 

Noch dauert der Kampf der Riesen an. Und Ebay kann dabei auch immer wieder punkten. So kam etwa in einer Umfrage unter 1.025 deutschen Online-Händlern von 2016 raus: Die deutschen E-Commercer fanden Ebay in den Kategorien Usability, Support und Fairness besser. Beim Umsatz lag jedoch Amazon vorn. So lange beide Unternehmen also weiterhin miteinander um Reichweite und Marktmacht konkurrieren und Ebay als mögliches Gegengewicht zu Amazon mithalten kann, kann der Mensch dem Schlagabtausch noch relativ entspannt zusehen – sollte dabei aber überlegen, wo er das nächste Mal im Web kauft und klickt. Erst wenn einer der Riesen fällt, wird es ein Beben geben. 

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