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Kolumne

Bewertungsfälscher haben kein Mitleid verdient

Veröffentlicht: 07.06.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 07.06.2019
Finger auf Löschen-Button

Amazon hat offenbar mehrere Händler-Konten und Accounts von Bewertungsvermittlern gesperrt, um gegen gefälschte Bewertungen vorzugehen. Zwar will sich das Unternehmen zu diesen Berichten nicht äußern, unterstreicht aber den Aufwand, den es betreibt, um unseriöse Rezensionen von seiner Plattform zu tilgen. „Erhebliche Summen“ investiert Amazon nach eigenen Angaben in diesen Kampf gegen den Bewertungsbetrug.

Wie hoch die Summe tatsächlich ist, sagt der Konzern zwar nicht, trotzdem kann man davon ausgehen, dass einiges an Geld in die Hand genommen wird. Denn unseriöse Kundenbewertungen sind der Tod des Online-Handels: Da die Kunden die Produkte nicht selbst in die Hand nehmen und beurteilen können, sind sie auf Produktbilder und eben Bewertungen von anderen Kunden angewiesen.

Keine Macht dem Bewertungsbetrug

Daraus ergibt sich schließlich auch die Motivation der Bewertungsfälscher: Je besser die Bewertung, desto höher die Kaufbereitschaft der Kunden. Mit gefälschten Bewertungen könnte sich also ein neues Produkt schnell zum Bestseller katapultieren lassen oder aber ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz gewonnen werden. Doch gefälschte Bewertungen sorgen dafür, dass die Kunden den Rezensionen – ob nun authentisch oder nicht – nicht mehr glauben. Das System bricht in sich zusammen.

Damit schaden die Bewertungsfälscher auf verschiedenen Wegen den Händlern, die keine gefälschten Bewertungen nutzen: Direkt durch die schlechtere Position im Wettbewerb, indirekt durch die Zerstörung des allgemeinen Kundenvertrauens in den Online-Handel. Dass Amazon entschieden gegen solche Machenschaften vorgeht, ist also durchaus lobenswert. Bewertungsbetrug hat im Online-Handel nichts verloren, die Akteure haben kein Mitleid verdient.

Im Zweifel für den Angeklagten

Doch so ganz ohne Haken ist die Sache nicht: Amazon setzt Prüfteams und automatisierte Systeme ein, um gefälschte Bewertungen zu entdecken und zu überprüfen. Ist dieses System nicht hundertprozentig genau, könnten auch Händler, die seriös agieren, fälschlicherweise belangt werden. Der US-Konzern braucht also ein sicheres Händchen in seinem Kampf gegen Fake-Bewertungen, sonst sind die Händler den Entscheidungen schutzlos ausgeliefert. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt schließlich – und deshalb sollte Amazon sich mehr als sicher sein, wenn Schritte gegen mutmaßliche Bewertungsfälscher ergriffen werden.

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