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Kolumne: Warum Händler das Internetgeschäft verlassen

Veröffentlicht: 04.10.2013 | Autor: Giuseppe Paletta | Letzte Aktualisierung: 04.10.2013 | Gelesen: 4059 mal

Das Internet funktioniert im Moment so: Wir haben einen Händler, wie Bernd Kullmann, der meint das Netz bringe nichts und versaue sein Geschäft. Deshalb zieht er sich mit seiner Rucksackfirma Deuter aus dem Online-Handel zurück. Er vermisst, wie viele andere, im Internet das Vertrauen.

Damit ist er nicht allein. Teil des Internets ist nämlich auch Mark Zuckerberg, in gewisser Weise ist er sogar Geschäftsführer des Internets. Denn allein in Deutschland ist ja bekanntlich jeder zweite Nutzer Kunde von Facebook. Zuckerberg, ein zugegeben nicht immer glaubwürdiger Geschäftsführer, hat ein ähnliches Problem wie Bernd Kullmann. Auch er vermisst im Internet das Vertrauen.

Der Facebook-Chef schiebt aber die Schuld für den Vertrauensverlust in Internet und Online-Handel auf die Geheimdienste und deren Datenskandale der vergangenen Wochen, die auch Teil des Netzes sind. Gut.

Aber, was Bernd Kullmann vielleicht weiß und Mark Zuckerberg bewusst verschweigt: Facebook hat selbst, ohne seine Nutzer (die im Übrigen die gleichen Nutzer sind, die im Internet bei Händlern wie Bernd Kullmann einkaufen sollten) zu fragen, deren Daten an Geheimdienste weitergegeben. Und wenn der Geheimdienst die Daten nicht will, dann verkauft Facebook Daten seiner Nutzer (ohne sie zu fragen, das wäre ja zu viel Aufwand) an Firmen wie Acxiom, Unternehmen, die für persönliche Informationen sogar bezahlen und nicht nur drohen, wie mancher Geheimdienst.

Und dann wären da noch drei Protagonisten, für die das Internet auch ohne Vertrauen auskommen könnte: eBay, Amazon und Google. Wäre der Online-Handel eine Stadt, dann würden diese Drei zusammen nicht nur den Bürgermeister stellen, nein, jeder von ihnen hätte eine passende Aufgabe: eBay würde alle Läden kontrollieren und bei den kleinsten Änderungen im Schaufenster damit drohen, den Laden zu schließen. Amazon würde jenen Verbrauchern den Konsum verbieten, die ihre Waren zu oft zurückgegeben hätten. Und Google? Google würde hinter jeder Hauswand Videokameras anbringen und alle Einwohner verwanzen, um ihnen später passende Werbeschilder vor die Nase halten zu können.

Als Letztes haben wir den Nutzer als eigentlich wichtigsten Teil von Internet und Online-Handel. Er steht gewissermaßen zwischen Händlern wie Bernd Kullmann und Firmen wie Facebook, eBay, Amazon oder Google. Er wird auf lange Sicht, das ist meine These, lieber Menschen wie Kullmann in den stationären Handel folgen, als sich von den Internetriesen durchweg manipulieren zu lassen. Wie man ihn davon abhalten kann? Der Online-Handel sollte den großen Monopolisten zunehmend kritisch gegenüberstehen und anfangen sich eigene Räume im Internet zu schaffen. So könnte das Vertrauen der Konsumenten langfristig gewonnen werden.

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Kommentare  

#2 Dirk 10.10.2013, 00:00 Uhr
Überspitzt - aber sehr realistisch aufgezeigt. Vielen Dank. Es sollte mehr Kritische Stimmen wie diese da sein. Inbesondere wenn es um das Fratzenbuch geht.
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#1 Claudia Fischer 04.10.2013, 15:38 Uhr
Vielen Dank für den interessanten Artikel. Das sind schon einige Wahrheiten enthalten.
Ich persönlich glaube jedoch nicht, dass der Wendepunkt im Online-Handel schon erreicht ist. Dazu überwiegen die Vorteile - schnelle Information, Preisübersichte n, Komfort - einfach zu sehr. Solange Kunden ihre Ware online günstiger und bequemer bekommen als im Laden, werden Sie das Angebot auch nutzen.
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