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Europäische Zentralbank warnt vor Dominanz von PayPal und Co.

Veröffentlicht: 04.09.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 04.09.2018

Sind die hiesigen Märkte zu stark von US-amerikanischen Zahlungsdiensten wie PayPal und Co. abhängig? Geht es nach der Europäischen Zentralbank, dürfte die Antwort wohl „ja!“ heißen. Denn sie sieht in der Dominanz der US-Payment-Dienste eine Gefahr.

PayPal-Logo auf einem Smartphone
© I AM NIKOM / Shutterstock.com

Studien belegen immer wieder, dass PayPal auf dem hiesigen Markt zu den wichtigsten und beliebtesten Zahlungsarten im Online-Handel gehört. Weil die Kunden gern und häufig auf PayPal zurückgreifen, wird die Zahlungsoption in zahlreichen Online-Shops angeboten. Allein im Rahmen der jüngsten Händlerbund Payment-Studie wurde deutlich, dass PayPal aktuell quasi das Maß aller Dinge ist: Insgesamt 92 Prozent der befragten Händler gaben an, PayPal anzubieten.

EZB: Europäische Banken haben einen zu engen Fokus

Doch die Dominanz von PayPal und anderen US-amerikanischen Zahlungsdiensten habe auch eine Schattenseite – zumindest, wenn man der Europäischen Zentralbank glaubt: Indem entsprechende Dienste immer weiter in den europäischen Markt vordringen, entstünde eine zu große Abhängigkeit, meint EZB-Direktor Yves Mersch nach Angaben des Manager Magazins.

„In der Tat haben große außereuropäische Firmen inzwischen eine erhebliche Bedeutung für das Bereitstellen von Bezahldiensten in Europa, während europäische Banken sich ausschließlich auf die Bedienung ihrer nationalen Märkte konzentrieren“, wird Yves Mersch zitiert. Während europäische Fahrzeuge in der Automobilbranche Standards setzen, sieht dies im Payment-Bereich ganz anders aus: „Es gibt keinen Grund, warum sich dieser Erfolg nicht im Bereich der Bezahldienste oder generell Finanzdienstleistungen wiederholen lässt.“

Nicht nur PayPal sei eine Gefahr

Grundsätzlich fordere Mersch eine größere Unabhängigkeit des europäischen Marktes von ausländischen Bezahldienstleistern. Um dies zu erreichen seien natürlich auch die hiesigen Banken selbst gefragt, die sich stärker internationalisieren und somit neue Märkte und neue Kunden generieren müssten.

Im Rahmen der Warnung ließ Mersch den Blick jedoch nicht nur auf PayPal wandern. Auch andere US-amerikanische Konzerne – wie etwa Google, Apple oder Amazon – könnten mittlerweile bereits mit hauseigenen Zahlungsangeboten aufwarten. Nicht zu vergessen seien dabei Unternehmen wie Alibaba und Tencent, die vom asiatischen Raum aus stetig expandieren und dabei auch Europa zunehmend in den Fokus rücken. „Nach Einschätzung des EZB-Direktors besteht die Gefahr, dass die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bei Neuerungen im Zahlungsverkehr künftig noch weiter zunehme“, schreibt das Manager Magazin weiter.

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