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Studie von NGO „Privacy International“

Gesundheitsportale geben Nutzerdaten an Werbeunternehmen weiter

Veröffentlicht: 04.09.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 04.09.2019
Gesundheitszeichen

Gerade erst wurde ein Vorfall des Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes bekannt, da dürfte eine Studie für weiteres Kopfzerbrechen in Sachen Datenschutz und Gesundheit sorgen. Online-Portale, die sich u.a. mit sensiblen Gesundheitsthemen befassen, übermitteln Nutzerdaten zu Werbezwecken an andere Unternehmen. Das zeigt eine Studie der Nichtregierungsorganisation (NGO) Privacy International, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. In der Kritik stehen dabei auch bekannte deutsche Anbieter wie Netdoktor und das Webportal der Apotheken Umschau sowie Webseiten von Krankenhäusern.

Werbe-Tracker können Daten an Facebook, Amazon und Co. liefern

Demnach werden die Nutzerdaten von Seitenbesuchern, die sich z.B. über psychische Erkrankungen informieren oder online einen Depressionstest ausfüllen, über Tracker etwa an Werbenetzwerke und Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook weitergereicht – und das oft ohne, dass die Nutzer dem zugestimmt haben. Dabei wurden zwar nicht die direkten Antworten übermittelt – welche Fragen beantwortet wurden, aber teils schon. Über die Analyse und Verknüpfung der Daten können Unternehmen Rückschlüsse auf den möglichen Gesundheitszustand – etwa eine Depression – ziehen und etwa entsprechende Werbung ausspielen. Von den deutschen Webseiten nutzten fast zwei Drittel derartige Werbe-Tracker, in Frankreich sogar über 90 Prozent.

„Das Ökosystem der Werbevermarkter ist so intransparent, da ist nicht klar, in welche Hände die Daten gelangen“, warnt Frederike Kaltenheuer, Leiterin der Abteilung Datenmissbrauch bei Privacy International. Die Nutzer könnten so die Kontrolle über ihre Daten verlieren.

Netdoktor und Apotheken-Umschau überarbeiten Webseiten

Auch das Webportal Netdoktor und die Onlinepräsenz der Apotheken-Umschau haben laut Studie Daten übermittelt – Netdoktor hat auf seiner Seite sogar die meisten Drittanbieter-Elemente aller untersuchten deutschen Webseiten, so Privacy International. Die Apotheken-Umschau erklärte auf Anfrage, man habe die Daten „entsprechend des Datenschutzes“ verwendet. In einer aktuellen Stellungnahme erklärt der zuständige Verlag jedoch, die entsprechenden Werbeeinblendungen zu überprüfen und solange alle Werbetracking-Tools auf dem Portal zu entfernen. Auch Netdoktor sagt, man halte sich an geltendes Datenschutzrecht. Die Betreiber haben jetzt aber einen zusätzlichen Datenschutzhinweis unten auf der Seite hinzugefügt.

Für die Studie hat Privacy International 136 Webseiten aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien analysiert, davon 44 aus Deutschland.

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