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Hochrechnung von Crif Bürgel

Coronakrise könnte für 29.000 Firmeninsolvenzen in diesem Jahr sorgen

Veröffentlicht: 18.05.2020 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 18.05.2020
Insolvenz-Schriftzug auf Finanzplanung

Nachdem die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland zehn Jahre rückläufig war, dürfte sie in diesem Jahr durch die Coronakrise wieder steigen. Das zeigen zumindest Hochrechnungen des Informationsdienstleisters Crif Bürgel, nach denen in diesem Jahr sogar über 29.000 Firmenpleiten erwartet werden. Die Werte aus dem Jahr 2019 würden damit deutlich übertroffen: Im vergangenen Jahr mussten insgesamt 19.005 Unternehmen Insolvenz anmelden. 

„Unter der Voraussetzung, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft genauso stark sind, wie in der Finanzkrise 2008, rechnen wir in diesem Jahr mit über 29.000 Firmeninsolvenzen“, erklärt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von Crif Bürgel. Vor der Corona-Pandemie hatte der Dienstleister noch mit 19.500 Insolvenzen für 2020 gerechnet.

54 Prozent mehr Insolvenzen als 2019

Für die Hochrechnung hat Crif Bürgel die gesamtwirtschaftliche Lage der Unternehmen in Deutschland und die Firmeninsolvenzen aus dem Jahr 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, mit der Situation im Jahr 2019 verglichen. Der durch diese Berechnung generierte Faktor zeige, dass es in diesem Jahr 54 Prozent mehr Insolvenzen als 2019 geben könne.

In die Hochrechnung flossen die Effekte von Soforthilfen und KfW-Krediten nicht mit ein – Crif Bürgel verweist aber darauf, dass es sich bei den Hilfen größtenteils um Darlehen handele, die irgendwann zurückgezahlt werden müssen. Wie Unternehmen, die bislang wenig Gewinn erwirtschaftet haben und kaum Rücklagen aufbauen konnten, diese Schulden abbauen könnten, sei unklar.

Mehr Insolvenzmeldungen ab Oktober?

Die genauen Auswirkungen der Coronakrise seien zudem erst im 2. Halbjahr 2020 und im kommenden Jahr ersichtlich. Das liege daran, dass „die Insolvenzstatistik stets die Vergangenheit abbildet, also gewissermaßen ein Blick in den Rückspiegel darstellt“, so Schlein. Die Insolvenz-Welle werde sich demnach noch bis ins Jahr 2021 ziehen. Bei der Finanzkrise 2008 wurde der Höhepunkt der Insolvenzen auch erst im Jahr 2009 erreicht.

Um von der Coronakrise betroffene Unternehmen zu schützen, hat die Bundesregierung unter anderem auch die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Bis zum 30. September 2020 müssen Unternehmen, die nachweisbar durch die Corona-Pandemie in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht sind und Aussicht darauf haben, diese Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen, keinen Insolvenzantrag stellen. Ab Oktober könnte die Zahl der insolventen Unternehmen damit aber sprunghaft steigen. 

In den kürzlich veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts schlägt sich die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zusammen mit der Bearbeitungszeit von Insolvenzanträgen nieder: Demnach sank die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren im März 2020 um 1,6 und im April 2020 sogar um 13,4 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten. Das Statistische Bundesamt nannte diesen Effekt allerdings „wenig überraschend“ angesichts der üblichen Verzögerung und der Regierungsmaßnahmen.

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