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Kommentar

Galeria Karstadt Kaufhof: Der faule Kompromiss

Veröffentlicht: 20.03.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 25.03.2019
Karstadt-Filiale

Vom Friedensnobelpreisträger Aristide Briand stammt der Satz: „Ein Kompromiß ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind.“ Die aktuellen Neuigkeiten zum Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof lassen darauf schließen, dass das Zitat auf wirklich alle Beteiligten (und Unbeteiligten) dieser Tage zutrifft. Denn die Vermutung liegt nahe, dass man sich hinter den Kulissen derart uneins war, dass es keine bessere Möglichkeit gab, als den Weg des geringsten Widerstands zu gehen – auch wenn dieser eine gewisse Komik in sich trägt.

Wenn beide Seiten keinen Fuß breit aufeinander zugehen wollen, dann fusioniert man den Unternehmensnamen eben wunderbar klanglos in Galeria Karstadt Kaufhof. So sind doch alle glücklich, schließlich muss niemand auf seinen Namen verzichten. Und wenn es gilt, eine Corporate Identity zu bewahren, dann nimmt man seine eigenen Unternehmensfarben gleich noch mit ins neue Logo. Das gibt es zwar bislang noch nicht, man hat sich aber darauf „geeinigt“, dass das Karstadt-Blau und das Kaufhof-Grün unter einem großen Galeria-Dach nebeneinander bestehen bleiben. Das Logo-Monster, das Design-Abteilungen das Wut-Rot ins Gesicht treiben wird, mag man sich gar nicht ausmalen.

Das war schließlich schon immer so

Man wird es aber bald – nach und nach – in den hiesigen Innenstädten bewundern dürfen, denn, wenn man sich schon nicht auf neue Namen und Farben einigen kann, warum dann überhaupt eine Zukunftsstrategie planen? Die Signa-Holding des Karstadt-Eigners René Benko hält 50,01 Prozent am Joint-Venture, die Kaufhof-Mutter HBC 49,99 Prozent. Das ist zwar nicht ganz fifty-fifty, aber fifty-fifty genug, dass bei allen Entscheidungen mit gehörigem Gegenwind zu rechnen ist.

Dass Galeria Kaufhof frische Ideen braucht, zeigt allein das letzte Weihnachtsgeschäft, dass 2.600 Stellen gestrichen werden, steht bereits fest. Genau wie die Tatsache, dass man von Filial-Schließungen vorerst absehen wird. Das ist für einen Großteil der Beschäftigten zwar eine gute Nachricht, zeugt aber von einer überholten Geschäftsstrategie – deren notwendige Optimierung zusätzlich durch interne Machtkämpfe und Uneinigkeit erschwert wird. Denkt man an E-Commerce, an Omnichannel, an Technologie, dann denkt man nicht an Galeria Karstadt Kaufhof.

Kaufhof und Karstadt haben das Bild der deutschen Innenstädte über Jahrzehnte geprägt, haben die Digitalisierung aber beide verschlafen. Benko selbst hat darauf hingewiesen, dass beide quasi die gleichen Fehler gemacht hätten, spricht dann aber von einer „goldenen Zukunft“ der Innenstädte und zeigt sich vom Prinzip des Warenhauses überzeugt. Vielleicht ist das aber auch der einzige Punkt, auf den sich die lahmen Traditionsdampfer Karstadt und Kaufhof einigen konnten. Die Zukunft des Ungetüms „Galeria Karstadt Kaufhof“ und seines feschen Patchwork-Logos wird es zeigen.

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