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Darum stockt der Online-Handel mit Lebensmitteln

Veröffentlicht: 25.01.2018 | Autor: David Barthelmann | Letzte Aktualisierung: 25.01.2018

Der Internethandel mit Lebensmitteln hat sich in den letzten Jahren nicht gerade als gewinnbringend erwiesen. Rewe, Edeka aber auch Amazon konnten hier keine weiteren Marktanteile gewinnen. Hinter der Marktentwicklung des Online-Lebensmittelhandels steht also nach wie vor ein großes Fragezeichen.

Lebensmittel, Handy
© non c/ shutterstock

Wer etabliert sich als Erster auf dem Online-Lebensmittelmarkt? Diese Frage steht schon seit einigen Jahren im Raum. Doch anstatt eines erbitterten Wettkampfes um Marktanteile fahren die Lebensmittelhändler ihre Expansionspläne eher zurück. Selbst Amazon konnte mit Amazon Fresh noch nicht für den Durchbruch der Branche sorgen, wie die Badische Zeitung berichtet. Für den gesamten Online-Lebensmittelmarkt besagen die vom IFH veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 einen Anstieg um 21 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Doch gemessen an dem Gesamtmarkt für den Lebensmittelhandel sprechen wir hier immer noch von einem sehr geringen Marktanteil von rund einem Prozent.

Für Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) kommt es beim Thema Online-Lebensmittelmarkt auf das richtige Timing an: „Die Händler stehen vor einem Dilemma: Wer zu früh in den Onlinehandel einsteigt, verliert Geld. Wer zu spät kommt, verliert Marktanteile. Die Kunst ist es, bereit zu sein, um auf den Zug aufzuspringen, wenn er losfährt. Aber nicht vorher.“ Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann der Startschuss fällt, um in den Markt einzusteigen, ohne zu große Verluste einstecken zu müssen.

Amazon könnte der Player sein, der die Verluste in Kauf nehmen könnte um sich hier frühe Marktanteile zu sichern. Denn wie die Vergangenheit bewiesen hat, kann der Online-Händler über einen längeren Zeitraum auf Profite verzichten.

„Der Online-Anteil beim Verkauf von Lebensmitteln kann in den nächsten zehn Jahren zehn Prozent erreichen. Wie es heute aussieht, wird sich Amazon mindestens 50 Prozent davon sichern. Wenn Rewe und Edeka nicht bald wieder Gas geben, könnten es sogar 80 Prozent werden“, meint E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Lebensmittelhändler: Wer geht den nächsten Schritt im Online-Bereich?

Wer die Tätigkeiten der Lebensmittelhändler genauer verfolgt hat, konnte eines feststellen: Viel passiert ist hier nicht. Ganz im Gegenteil. Laut der badischen Zeitung hat sich der Vorreiter Rewe seit Jahren nicht weiterentwickelt. Noch immer deckt Rewe 75 Regionen mit seinem Online-Geschäft ab. Diese Zahl stagniert hier schon seit Jahren. Doch anstatt mehr Regionen zu erschließen, testet das Unternehmen in gut 50 Läden neue Click & Collect-Servicestationen, in denen Kunden ihre im Internet bestellte Ware abholen können. Auch Edeka ist mit seinem Lieferdienst weiterhin allein auf den Märkten in München und Berlin unterwegs. Lidl und Kaufland haben ihre Expansionspläne im Online-Geschäft gänzlich auf Eis gelegt. Und Aldi setzt eher auf den Ausbau und die Verschönerung seiner Läden anstatt sich auf das Parkett der Online-Händler zu wagen.

Selbst Amazon schaltet wie erwähnt mit seinem Projekt Amazon Fresh einen Gang runter. Bisher ist der Online-Händler noch weiterhin auf den Märkten in Berlin, Hamburg und München unterwegs. Zwar hat Amazon die Zahl seiner angebotenen Artikel von 85.000 auf 300.000 Artikel beträchtlich erhöht. Eine Erschließung von weiteren Regionen lässt jedoch auch hier auf sich warten.

Wer das Eis bei den durch die große Ladendichte verwöhnten Deutschen also brechen wird, bleibt abzuwarten. Die Prognosen zeigen jedoch, dass Amazon letztendlich wohl das größte Potenzial hat, den hiesigen Markt zu erobern.

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