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Gegen Angststörung und Tinnitus

Deutsche Patienten erhalten erstmals Apps auf Rezept

Veröffentlicht: 07.10.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 07.10.2020
Smartphone mit Medizin-Symbolen

Bisher ging man nach Arztbesuchen mit einem Rezept zur Apotheke – jetzt kann man auch sein Smartphone zücken, denn in Deutschland wurden die ersten Gesundheits-Apps zugelassen, wie Zeit Online berichtet. Die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten.

Spahn: Apps auf Rezept – „Weltneuheit“ aus Deutschland

Die ersten beiden Apps sollen jeweils Patienten mit Tinnitus und Angststörungen helfen. Das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die ersten verschreibungsfähigen Apps in das neue Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) aufgenommen. BfArM-Präsident Karl Broich nannte den App-Start „einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Gesundheitsversorgung“, Gesundheitsminister Jens Spahn sieht sogar eine „Weltneuheit“. Deutschland sei das erste Land, in dem es Apps auf Rezept gibt.

Und beim BfArM sitzt bereits eine Vielzahl weiterer Gesundheits-Apps im Wartezimmer: 21 werden derzeit geprüft, bei 75 Apps berät sich das Institut mit den jeweiligen Herstellern. Alle Apps müssen als Medizinprodukt CE-zertifiziert und zusätzlich in einem sogenannten Fast-Track-Verfahren geprüft werden. Das dauert im Schnitt drei Monate. Das Institut checkt die vorgeschriebenen Anforderungen an Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Datenschutz, Informationssicherheit und Qualität. 

Gesundheits-Apps: Was sind die Chancen und Risiken für Patienten?

Die Unternehmensberatung McKinsey hat das Thema Apps auf Rezept bereits analysiert und sieht für alle beteiligten Akteure viele Chancen, aber auch Risiken. Patienten, vor allem mit chronischen und psychischen Erkrankungen, könnten ihre Gesundheit so verbessern – auch durch die weitere Nutzung und Auswertung der gesammelten Daten. Durch die App könnten sie den Gesundheitszustand „aktiv selbst managen“.

Doch das Sammeln der Daten sei gleichzeitig auch eines der größten Risiken – wenn diese illegal genutzt würden oder verloren gehen. Weitere Gefahren seien vor allem eine falsche Selbstbehandlung, die mögliche Überforderung der Patienten mit der Technik sowie das Auftreten technischer Fehlfunktionen.

Erfolg bei Medizin-Apps durch frühe Positionierung und Kooperation

McKinsey sieht für einen wirtschaftlichen Erfolg der Gesundheits-Apps zwei Erfolgsfaktoren: App-Entwickler und Pharma-/Medizintechnik-Unternehmen müssten sich frühzeitig positionieren. „Je früher die eigene App auf dem Markt und in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, sie als Standardanwendung zu etablieren. (...) Die Chancen für deutsche Unternehmen und lokale App-Entwickler sind dabei groß“, heißt es in der Analyse.

Wichtig sei auch eine strategische Kooperation aller Akteure. „Entwickler können innovative digitale Lösungen beisteuern, Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen ihre Stärken in Vertrieb und Marktpositionierung von Angeboten im regulatorischen Rahmen. Krankenkassen wiederum bringen ihr Know-how ein bei Finanzierung und Vergütung sowie der Steuerung von Patienten und Ärzten.“

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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