Konjunktur

„Das Schlimmste kommt noch“ – Düstere Aussichten für 2023

Veröffentlicht: 14.11.2022 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 14.11.2022
Uhr 2023

Die deutsche Wirtschaft ist durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise schwer gezeichnet. Auch für das kommende Jahr gibt es kaum Aussicht auf Besserung. Während die Kaufkraft der Deutschen in den ersten Monaten des aktuellen Jahres noch einen kleinen Aufschwung verzeichnete – wohl auch durch die während der Corona-Pandemie zurückgelegten finanziellen Mittel – haben sich die Konsumaussichten nun sehr stark eingetrübt. Durch die hohe Inflation wird sich dies auch in den kommenden Monaten nicht ändern. Das ifo Institut stellt in einer Prognose von Ende September in Aussicht, dass der private Konsum bis Sommer 2023 stark zurückgeht und sich erst in der zweiten Jahreshälfte erholen wird. 

„Der russische Angriff auf die Ukraine und die daraus resultierende Krise auf den Energiemärkten führen zu einem spürbaren Einbruch der deutschen Wirtschaft“, bestätigt Torsten Schmidt, Konjunkturchef des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Sprecher der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose. „Die hohen Energie- und Lebensmittelpreise, die im kommenden Jahr weiter ansteigen dürften, sorgen für deutliche Kaufkraftverluste.“

Inflationsrate von über acht Prozent in 2023

Auch bei der Inflation sehen die Experten keine Entspannung in der nahen Zukunft. Während die Werte mit über zehn Prozent in den vergangenen Wochen dafür gesorgt haben, dass die Inflation im Jahr 2022 mit einer durchschnittlichen Rate von 8,4 Prozent auf einem Höchststand seit Gründung der Bundesrepublik rangiert, werden sich die Teuerungen im kommenden Jahr wohl noch einmal erhöhen. Für 2023 sagen die Experten eine Teuerungsrat im Jahresschnitt von 8,8 Prozent voraus, erst 2024 soll sich die Inflation wieder beruhigen. 

Auch die Herbstprognose von Wirtschaftsminister Habeck lässt wenig Raum für Optimismus. In einem Artikel der Tagesschau aus dem Oktober prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr von 1,4 Prozent, im kommenden Jahr dürfte diese allerdings um 0,4 Prozent schrumpfen. Auch in diesem Bereich macht die Regierung erst im Jahr 2024 Hoffnung auf Besserung. Dann soll es ein erneutes Wachstum von 2,4 Prozent geben. „Wir erleben derzeit eine schwere Energiekrise, die sich immer mehr zu einer Wirtschafts- und Sozialkrise auswächst“, so Habeck. Die schlechten Zahlen „kann man nicht wegreden“. Allerdings sieht der Wirtschaftsminister auch positive Entwicklungen in der aktuellen Krisenpolitik, denn laut Habeck hätten die Zahlen auch „schlechter sein können“.

Die Wirtschaftsweisen blicken allerdings nicht ganz so pessimistisch in die Zukunft. Zwar sagen auch sie eine Rezession voraus, allerdings dürfte diese nach Meinung der Experten mit einem Minus von 0,2 Prozent etwas milder ausfallen als von der Bundesregierung prognostiziert. 

Firmen rechnen mit Wirtschaftseinbruch

Ganz düster blicken deutsche Unternehmen in die Zukunft. Laut einer bundesweiten und branchenübergreifenden IHK-Konjunkturumfrage unter mehr als 24.000 Betrieben rechnen 52 Prozent damit, dass sich ihre Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern werden. „Die Unternehmen befürchten, dass das Schlimmste noch kommt“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben zu den Studienergebnissen bei n-tv. Lediglich acht Prozent gehen im kommenden Jahr von einer Besserung aus, der schlechteste Wert, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag seit Beginn ihrer Erhebungen im Jahr 1985 gemessen hat. „Selbst in den Zeiten von Corona und der Finanzmarktkrise lag der Anteil der Optimisten bei mehr als zehn Prozent“, betont der Geschäftsführer. Konkret erwartet der DIHK für das kommende Jahr einen Konjunktureinbruch von rund drei Prozent. 

Über die Autorin

Corinna Flemming
Corinna Flemming Expertin für: Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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Kommentare  

#8 Ingo 2022-11-19 09:27
Liebe Leute,
in dieser Zeit ist es nicht einfach die richtigen Worte zu finden oder zu schreiben.
Egal wie man sich äußert man wird immer irgendwie anecken.
Aber mal dazu einen ganz anderen Gedankengang.
Für mich sind die Medien (vor allen Dingen TV) der größte negativ Stimmungsverbre iter die es gibt.
Ich habe lange darüber nachgedacht und muss doch zu dem Entschluss kommen: Wir jammern auf hohen Niveau!
Nicht das man mich falsch versteht, ich kämpfe auch um meine Existenz im Einzelhandel, aber deshalb, weil Millionen von Menschen sich runter ziehen lassen.
Das es, wie in der Vergangenheit nicht weiter gehen kann, sollte jedem endlich mal klar sein.
Die Spirale nach immer mehr, schneller, Hektik, keine Zeit für wichtigere Dinge ist schnell eine Teufelsspirale geworden die irgendwann wie in einer Hyperventilieru ng enden musste.
Ich möchte mal einen mal folgende Gedanken ins Spiel bringen:
Waren unsere Eltern damals unglücklich weil Sie nur 1 mal im Jahr in den Urlaub gefahren / geflogen sind? Heute ist es so, dass der Wochenendtripp für 49,- Euro nach London dazu sein muss.
Früher haben unsere Eltern auf Fernseher, Waschmaschinen ect sparen müssen.
Eine Familie mit 2 Kindern geht 1 mal im Monat ins Kino. Da bist Du fast 100,- € los. Oder 2 mal im Monat wird noch ins Fastfood Restaurant gegangen mit Tüte + Menü und schon sind 40-50,- € für ein Besuch weg. Dann sind ja noch die schönen Theater, Musical oder auch Konzerte. Vor allen dingen die Preise dafür. Auch die Reichen Stars wollen immer mehr Gage, so das ich für eine Konzertkarte schon bis 150,- € und mehr zahlen muss.Und nun erhöht sich mit der Energiewende der Strom, Heizung, Benzin, Transport und die damit verbundenen Lebensmittel und alles sind gleich am Boden zerstört und haben das Gefühl: Nicht geht mehr, alles nur noch Scheiße.
Ich denke wir sollten alle mal etwas in uns gehen und mal darüber nachdenken ob wir nicht alles etwas bedachter und mache Dinge etwas gelassener angehen sollten.
Das wir auch gewisse Dinge einfach wieder viel mehr zu schätzen wissen.
Denn alles zu haben macht nicht nur glücklich sondern krank. Weil das Streben nach immer mehr, eine gefährlich Teufelsspirale ist.
Vielleicht kann der ein oder andere auch etwas positives daraus ziehen.
Aber ein Verzicht auf manche Dinge kann auch wieder eine Chance auf ein glücklicheres Leben sein.
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#7 Karl Ranseier 2022-11-19 08:48
Ziemlich viel von dem Elend, das gerade auf den Russlandkrieg geschoben wird, kommt noch aus Corona. Schon 2020 bekam ich von meinem Hersteller die Ansage, das gerade alle Rohstoffe mindestens 30% teurer geworden sind. Dann das Transportfiasko mit verzehnfachung des Containerpreise s dazu und schon haben wir 1,5 bis 2 fache Preise im Vergleich zu präCorona.
Sprit ist nicht wegen dem Ölpreis so teuer, sondern weil Öl in Dollar gehandelt wird. Und wer mal den Wechselkurs anschaut, der sieht schnell, dass die europäische Lira im letzten Jahr gut ein fünftel an Wert verloren hat. Es hat eben doch Effekte auf die Kaufkraft, wenn eine Währung von lauter Pleitestaaten aufgebaut wird. Binnen zwanzig Jahren ist der Euro von 1,50 auf 1,00 Dollar gefallen. Inflation haben die Amis übrigens auch, aber eben keine Lira als Währung, wie wir hier ertragen müssen.
Die Gaspreise sind da nur noch die Kirsche auf dem Eisbecher. Die ist nur deshalb wichtig, weil man da schön auf einen bösen anderen zeigen kann, während der Eisbecher von der Politik zu großen Teilen selber verbockt wurde.
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#6 lux 2022-11-17 13:07
@eddy: "Da macht es doch Sinn, wenn man Cannabis legalisiert, als hätten wie im Moment keine anderen Probleme."

Diese Denke ist absurd! Sicher kann ein einzelner Mensch sich nicht um alles gleichzeitig kümmern. Aber die Politik sollte nicht aufhören, an anderen Projekten zu arbeiten, nur weil es gerade ein sehr wichtiges Thema gibt. Würde man immer nur am tagespolitisch wichtigsten arbeiten gäbe es keine Weiterentwicklu ng. So eine Politik will ich zumindest nicht haben. Es ist ja auch nicht so, dass die gesundheitspoli tischen Fachleute, die an diesem Thema arbeiten, die Energiekriese "bearbeiten" können ...
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#5 Dirk Hainich 2022-11-15 19:01
Auch der Journalismus von Onlinehändler-N ews macht vor Halbwahrheiten nicht halt! Schon der erste Satz des Textes ist ideologisch richtungsweisen d und nicht neutral ausgerichtet und manipulativ geprägt wie der Rest etablierter Medien in Deutschland und Europa: "Die deutsche Wirtschaft ist durch den Ukraine-Krieg und die Energiekrise schwer gezeichnet."
Korrekt wäre: "Die deutsche Wirtschaft ist durch die selbst etablierten Sanktionen des Westens aufgrund des militärischen Einsatzes Russlands in der Ukraine und die aus den Sanktionen resultierende Energiekrise schwer gezeichnet!"
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#4 Eddy 2022-11-15 15:11
Hallo zusammen,
leider ist das was wir jetzt Erfahren das Ergebnis der wählenden Bevölkerung.
Unsere Politiker vergessen von wem das Geld kommt, welches Sie gedankenlos verteilen.
Nach dem Motte Deutschland hilft jedem, nur nicht sich selbst. Da macht es doch Sinn, wenn man Cannabis legalisiert, als hätten wie im Moment keine anderen Probleme.
Die Großen werden mit Staatshilfen über die Runden kommen.
Wo wir als Klein und Mittelständler bleiben interessiert ja sowieso niemanden.
Erst wenn der letzte Klein- und Mittelständer das Handtuch geworfen hat, wird man merken welche tragende Rolle diese Schicht hatte.
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#3 Timo 2022-11-15 11:52
Alles auf die Ukraine zu schieben ist doch eine Farce. Hausgemachte Dummen Politik und der Deutsche friert für den Frieden. Herzlichen Glückwunsch.

[Anmerkung der Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich.]
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#2 lux 2022-11-15 09:59
@gunnar:
Ein großer Teil des Restes bleibt bei denen die das Gas zu den hohen Preisen in die EU liefern.
Und natürlich müßen Unternehmen die Preise ihrer Artikel erhöhen. Durch die krassen Preissprünge bei den Kraftstoffen und Rohstoffen, müssen sie die Preise so anpassen, dass sie noch wirtschaftlich arbeiten, auch wenn die Stoffe gerade besonders teuer ist, man will/kann ja nicht wöchentlich die Preise ändern. Falls es dann Zwischendurch doch etwas sein sollte, und die günstigeren Preise auch bei den Unternehmen ankommen, bleibt auch ihnen ein mehr an Marge. Das wird aber in vielen Fällen auch wieder von einem weniger an Umsatz kaputt gemacht. Dann kommen noch die steigenden Löhne, die ja auch nicht wieder sinken werden, und schon hat sich das System preislich dauerhaft nach oben geschraubt.
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#1 gunnar 2022-11-15 08:27
wer macht die inflation.!?
von den bauern bekommt keiner 70% mehr für seine kartoffeln.
für die milch nicht 120% mehr.
für speiseöl nicht 100% mehr für die saaten.
das öl ist nur bedingt teurer wie vor 1-2 jahren. im gegenteil, es war schon bei 160.- je fass.
und wenn ich mir die preise gestern anschaue, müßte das öl je faß um 30.- sprünge machen.
selbst von hier bis in 40km entfernung über 20cent preisunterschie d. das sind 4000.- unterschied für den transport von 40km. ???? und näher an der raffenerie sind die auch noch :-((
ein teil der preiserhöhungen liegt vielleicht wirklich an den gaspreisen, aber nicht um soviel.
jetzt kommen für nächstes jahr natürlich die lohnerhöhungen hinzu, die ja ein bisschen besser ausgefallen sind.
aber sonst räumen viele firmen einfach die sparbücher der bürger leer.
leidende sind handwerksbetrie be, kleine firmen, kleine verarbeitungsbe triebe, die ihre grundstoffe von den großen marktbeherrsche nden firmen kaufen müssen, die meist kaum wirklich steuern zahlen müssen.
aber der staat freut sich über zig milliarden mehr an umsatzsteuer, die so reinkommen und zum teil dann als ,, rettungspaket ,, zurück verkauft werden.
wo bleibt der rest .????
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