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Amazon soll Mitarbeiter mit Videos gefeuerter Kollegen einschüchtern

Veröffentlicht: 09.03.2016 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 29.03.2016

Wer im Logistiklager von Amazon arbeitet, sollte sich natürlich nicht an den dort gelagerten Waren vergreifen. Um das noch einmal zu verdeutlichen, soll Amazon den Mitarbeitern aber Videos von Kollegen zeigen, die wegen Diebstahls gefeuert wurden.

Überwachungskamera

(Bildquelle Überwachungskamera: martin33 via Shutterstock)

Amazon soll Mitarbeitern in seinen US-Logistikzentren Videos von entlassenen Kollegen zeigen, die beim Diebstahl von Waren erwischt wurden. Wie Bloomberg unter Berufung auf elf ehemalige und aktuelle Packer des Unternehmens berichtet, habe Amazon dazu extra Monitore aufgestellt, die Beispiele von Diebstählen im Logistikzentrum zeigen.

„Die vermeintlichen Täter werden dabei nicht namentlich genannt. Sie werden durch eine schwarze Silhouette dargestellt, die mit dem Wort „entlassen“ markiert ist“, schreibt Bloomberg. Dazu gebe Amazon Details zu dem Diebstahl: Was gestohlen wurde, wann es gestohlen wurde, wie viel es wert war und wie die Mitarbeiter gefasst wurden.

Von DVDs bis Mikrowellen

So sollen einige Mitarbeiter die Lieferadresse auf dem Paket geändert oder sich Produkte in die Socken gestopft haben. Einige der Silhouetten in den Videos seien auch mit dem Wort „verhaftet“ beschriftet. Die Mitarbeiter, mit denen Bloomberg gesprochen hatte, betonten, dass die Art der gestohlenen Produkte so vielfältig wie der Katalog von Amazon selbst sei: Von DVDs über Make-Up bis hin zu Mikrowellen sei alles dabei, was sich einige Kollegen unter den Nagel gerissen hätten.

Diebstahl ist ein großes Problem für Amazon, berichtet Bloomberg weiter. Das liege vor allem an den niedrigen Löhnen und der hohen Fluktuation in der Belegschaft. Zudem finden sich in den Logistiklagern viele kleine, aber wertvolle Produkte. Mit den Videos scheint Amazon die Mitarbeiter abschrecken zu wollen – in Logistiklagern, in denen keine Monitore vorhanden sind, sollen die Geschichten über die klauenden Kollegen auf Papier ausgedruckt und an das schwarze Brett gehängt werden.

„Es ist eine komische Art, Leute einzuschüchtern“

Viele der Mitarbeiter scheinen sich an den Videos allerdings wenig zu stören. Für sie seien die niedrigen Löhne und das Arbeitspensum größere Kritikpunkte, doch es gibt auch andere Stimmen. „Es ist eine komische Art, Leute einzuschüchtern“, meint etwa James McCracken, der im Logistikzentrum San Bernardino gearbeitet hat. „Ich finde es abstoßend.“

Sicherheitsexperten betrachten die Videos allerdings lediglich als Erweiterung der bisherigen Methoden, um Diebstahl einzuschränken. Dazu gehört auch das Durchsuchen der Mitarbeiter nach ihrer Schicht. „Es gibt Menschen, die niemals stehlen werden. Und es gibt Menschen, die immer stehlen werden“, meint Pat Murphy, Präsident von LPT Security Consulting. „Man versucht immer, die Mittelgruppe anzusprechen, indem man sie daran erinnert, dass sie erwischt werden. Und wenn sie erwischt werden, gibt es Konsequenzen.“

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