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Für einen grüneren E-Commerce

Online-Händler wollen kostenpflichtige Retouren

Veröffentlicht: 11.12.2019 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 11.12.2019
Paket mit Retoure-Stempel

Retouren sind nicht nur für Händler ein Ärgernis: Schließlich gibt es manchen Kunden, der verbraucherschützende Normen zum Schaden des Online-Handels ausnutzt. Allerdings sind sie auch für die Umwelt eine Belastung. Wie diese Belastung reduziert werden kann, hat nun die Universität Bamberg untersucht.

490 Millionen retournierte Artikel

Bereits im Frühjahr veröffentlichte die Forschungsgruppe Retourenmanagement die Ergebnisse ihres „Retourentacho 2018/2019" (wir berichteten). Demnach wurden in Deutschland im letzten Jahr 490 Millionen Artikel retourniert. Das entspricht etwa 280 Millionen Paketen. Nun wurden Online-Händler aller Größen befragt, um herauszufinden, wie diese Zahl gesenkt werden könnte. Besonders ein Verbot kostenloser Rücksendungen ist für kleine Händler eine attraktive Lösung.

Aus Sicht der Praxisvertreter könne bereits eine Rücksendegebühr von 2,95 Euro die Retourenquote um 16,2 Prozent senken. Das wären 80 Millionen Warensendungen weniger, die zurückgesendet werden.  

Kostenpflichtige Retouren machen Produkte günstiger 

Die Forscher konnten aber nicht nur grüne Argumente für ein Verbot sammeln: Auch wirtschaftliche Faktoren sprechen für Rücksendegebühren. Zwar bieten viele Händler diese zur Zeit kostenlos an; am Ende entstehen aber dennoch Kosten, die im Rahmen der Mischkalkulation mit in den Produktpreis eingezogen werden. Vereinfacht gesagt: Bei einem Online-Shop, der die Rücksendung kostenlos anbietet, zahlt unterm Strich jeder Kunde für genau diese Retouren. 

Die Untersuchungen zeigen außerdem, dass gerade kleinere Händler eher auf kostenlose Retouren verzichten würden, es aber wegen befürchteter Nachteile im Wettbewerb nicht tun. Diese Sorge wäre bei einer gesetzlichen Mindestgebühr zumindest ausgeräumt. 

Retouren können vermieden werden

Auf der einen Seite mag der Verbraucher ein Grund für die vielen Retouren sein. Er hat sich mittlerweile daran gewöhnt, Produkte bei Nicht-Gefallen kostenlos zurück schicken zu können. Allerdings könnten laut der Uni Bamberg gerade im Fashion-Bereich gut ein Viertel der Retouren vermieden werden. So wäre eine verbindliche Größenangabe für Hersteller und eine funktionierende Online-Größenberatung hilfreich. Größenangaben im Shop seien heute „bedingt aussagekräftig und zum Teil irreführend.“

Hier sehen die Forscher aber vor allem die Hersteller und die Politik in der Verantwortung: „Dies ist allerdings nicht auf die Händler, sondern auf die (Marken-)Hersteller zurückzuführen. Die Einführung von verbindlichen, genormten Größenangaben können einzelne Marktteilnehmer nicht leisten. Stattdessen würde es eine übergeordnete (ggf. politisch geführte) Koordinationsanstrengung erfordern.“ Durch einheitliche Größen und Innovationen im Bereich der Größenberatung könnten 25 Prozent der Kleidungs-Retouren eingespart werden. Dies entspricht etwa 120 Millionen Artikeln. 

Ganz vermeiden lassen sich Retouren allerdings nicht: Selbst identische Kleidungsstücke der gleichen Größe können voneinander abweichen. Dies liegt daran, dass die Arbeiterinnen in den Fabriken alle ein wenig unterschiedlich arbeiten, was unterm Strich zu Varianzen führt.

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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