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EBA veröffentlicht Position

PSD2: Starke Kundenauthentifizierung bei Online-Zahlungen soll Ende 2020 bereit sein

Veröffentlicht: 17.10.2019 | Autor: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 17.10.2019
Internetzahlung mit Smartphone und Kreditkarte

Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat sich endlich geäußert: Die Frist für die Umsetzung der Starken Kundenauthentifizierung (SCA) für Kreditkartenzahlungen im Internet soll auf den 31. Dezember 2020 verschoben werden. So äußerte sich die EBA in einer am 16. Oktober veröffentlichten Meinung. 

Die Einführung der SCA war eigentlich für den 14. September vorgesehen, wurde aber kurzfristig verschoben. Die Regelung entspringt der europäischen PSD2-Richtlinie, die die Zahlungsbranche in der EU innovativer und sicherer machen soll. Doch bei der Umsetzung gab es Probleme: Schlechte Kommunikation von allen Seiten, unklare technische Anforderungen, uninformierte Kunden. Das hat sich bisher auch nicht geändert, wie eine aktuelle Studie belegt, die vom Software-Unternehmen Riskified europaweit durchgeführt wurde. Demnach wussten 73 Prozent der befragten Verbraucher nicht, dass es die PSD2 gibt oder welche Änderungen darunter auf sie zukommen würden. Schlimmer noch: 35 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Online-Käufe wohl abbrechen würden, sollten sie nach zusätzlichen Identifizierungsnachweisen gefragt werden. Das aber ist genau, was durch die SCA bald auf Kreditkartenzahler im Internet zukommen soll (weitere wichtige Fragen zu PSD2 und SCA haben wir hier beantwortet).

Heiße Phase der Umsetzung fällt ins Weihnachtsgeschäft 2020

Aus Sicht der E-Commerce-Branche ist die Wahl des Fristendes unglücklich. Zahlreiche Verbände aus der Digitalindustrie hatten gemeinsam eine 18-monatige Verlängerung der Frist bis März 2021 gefordert. Die jetzt von der EBA präferierte Verschiebung um bloß 15 Monate bringt die Unsicherheit, ob die neuen Regelungen Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft im Online-Handel haben werden. Denn in diesen Zeitraum würde dann die Testphase für die SCA fallen. Sollten Verbraucher bis dahin ähnlich schlecht informiert sein wie aktuell, drohen Kaufabbrüche aus Verunsicherung und Umsatzeinbußen in der eigentlich umsatzstärksten Zeit des Jahres im Online-Handel. 

Bitte weitersagen 

Nach der EBA müssen sich jetzt die nationalen Finanzaufsichtsbehörden auf Umsetzungsfristen festlegen. Die deutsche BaFin hatte bereits im Vorfeld angekündigt, sich an die Empfehlung der EBA halten zu wollen. Unbedingt zu vermeiden ist, dass die nationalen Behörden Alleingänge starten und unterschiedliche Fristen einrichten. Denn die PSD2-Richtlinie soll Zahlungen und Online-Banking in Europa harmonisieren. Das aber würden unterschiedliche Fristen in verschiedenen europäischen Staaten torpedieren. 

Neben der technischen Umsetzung der Vorgaben ist die Hauptaufgabe der Banken, Behörden, Zahlungdienstleister und Kreditkarteninstituten aber vor allem eins: Endlich muss verständlich und einfach kommuniziert werden, welche Änderungen sich künftig für Händler und Kunden ergeben. Hier sind alle Marktteilnehmer in der Pflicht. Nur wenn die Kunden wissen, was auf sie zukommt, lassen sich Einbrüche in den Conversion-Raten vermeiden.

Über den Autor

Patrick Schwalger Experte für EU- und Bundespolitik

Patrick ist seit Mitte 2019 im OHN-Team und hat die wirtschaftspolitischen Entwicklungen rund um den E-Commerce fest im Blick. Auf seinen bisherigen Stationen in Köln, Maastricht und Brüssel war er in die politische Arbeit eines Bundesministeriums, zweier NGOs und innerhalb der EU involviert. Jetzt konzentriert er sich in unserem Leipziger Büro voll auf die Aufbereitung politischer Trends und Zusammenhänge.   

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