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Gastbeitrag von Mirko Hüllemann

5 Thesen, wie Payment sich (durch Corona) verändert

Veröffentlicht: 05.05.2020 | Geschrieben von: Gastautor | Letzte Aktualisierung: 05.05.2020
kontaktlos Bezahlen

Die Zahlungsabwicklung entscheidet heute maßgeblich über Wohl und Wehe einer Unternehmung. Laut Baymard Institute brechen immerhin fast drei Viertel aller Kunden ihren Einkauf während des Checkout-Prozesses ab. Mirko Hüllemann ist Gründer und CEO der heidelpay Group. Der Payment-Experte mit mehr als 20 Jahren Erfahrung stellt fünf Thesen auf, in welche Richtung sich die Branche (auch durch Corona) entwickeln wird.

Adieu Bargeld

Deutschland mag es cash. Eigentlich war Deutschland immer Bargeldland. Allerdings verschiebt sich das Ganze jetzt wegen der Hygienevorschriften in Zeiten von Corona vermehrt in Richtung Kartenzahlung. Eine Studie von infas quo zeigt, dass 41 Prozent aller Studienteilnehmer häufiger mit ihrer Girocard bezahlen als noch vor Ausbruch der Pandemie – Kreditkarten addiert, sind es sogar 57 Prozent.

Kunden gewöhnen sich derzeit zunehmend an das bargeldlose Bezahlen. Kaum vorstellbar, dass sich das mit Lockerung beziehungsweise Anpassung der Corona-Schutzmaßnahmen großartig ändern wird. Kontaktloses Bezahlen ist auf lange Sicht zumindest in Sachen Payment-Setup am PoS ein Gewinner der Krise. Das geliebte Bargeld muss sich also erst einmal mit der Reservistenrolle zufriedengeben und auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Go Wearables, go!

Da das kontaktlose Bezahlen mit der Karte und dem Smartphone immer beliebter wird, werden sich damit auch weitere Smart Devices durchsetzen. Lange waren Smartwatches oder Fitness-Armbänder für viele nur Spielereien, mit der Verbreitung des bargeldlosen Bezahlens bekommen diese aber einen deutlichen Mehrwert im Alltag. An der Supermarktkasse nicht mehr nach dem Handy kramen (auch nicht auf den Akkustand desselbigen achten müssen), im Fitnessstudio nicht mehr zum Spind laufen, um Geld für das isotonische Getränk zu holen – diese kleinen Nützlichkeits-Boni summieren sich schnell. Im Grunde ist es hier wie bei der Verbreitung des Smartphones: Die Wearables werden günstiger und immer mehr Menschen erkennen ihren Mehrwert und so steigt dementsprechend die Nutzerzahl. Welche Zahlungsart hier hinterlegt ist, ist übrigens zweitrangig.

Invisible Payments kommen

Ob Smartphone oder -watch: Man hat also immer ein Gerät dabei, mit dem man (auch) bezahlen kann. Die Krönung dieser Entwicklung ist dann aber, wenn man diese zum Bezahlen gar nicht benutzen muss. Klingt kryptisch? Das sind die „Invisible Payments“, also „unsichtbare“ Transaktionen, die nicht direkt vom Sender ausgelöst werden – es ist also kein Gang zur Kasse nötig. Für diesen Zweck werden auf einer entsprechenden Plattform Zahlungsinformationen zur Zahlungsabwicklung hinterlegt. Ein Beispiel: Betritt der Kunde ein Geschäft und entscheidet sich für ein Produkt, könnte er durch einen Scanvorgang am Ausgang „bezahlen“. Der Einkauf wird für Kunden weiter vereinfacht. Es wird nicht mehr lange dauern, bis solch eine Lösung Anwendung findet.

PoS versteht endlich digitales Payment

Pay-later-Zahlungsmethoden werden auch im stationären Handel immer populärer. Warum? Weil Kunden sich an den Service aus ihrem Onlineshopping-Verhalten gewöhnt haben: Erst kaufen, dann bezahlen. Ohne Multi- oder Omnichannel-Strategie wird es für Händler schwierig. Rechnungs- und Ratenkauf müssen Händler und Shopbetreiber demnach nicht nur aus Liquiditätsgründen in ihr Payment-Setup aufnehmen; Kunden verlangen mittlerweile explizit danach. Überhaupt sollten verschiedene Zahlungsoptionen angeboten werden. Denn in Zeiten, wo die Menschen verstärkt online einkaufen, lernen sie auch die Vorzüge der verschiedenen Zahlungsmethoden kennen.

Pro Europa

Alleingänge sind Geschichte. Europa-übergreifende Bezahlmethoden gibt es längst, jedoch eher von amerikanischen Unternehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) bastelt beziehungsweise versucht sich an einem digitalen Euro. Das ist eine gute Nachricht, aber aktuell eher noch ein Gedankenspiel als eine konkrete Blaupause. Allerdings würde eine kontinentale Digitalwährung den europäischen Zahlungsverkehr harmonisieren und so auch den gesamten Wirtschaftsraum stärken. Nationale (auch deutsche!) Alleingänge werden zukünftig so oder so der Vergangenheit angehören. Das haben wir schon mit der PSD2 feststellen können, einem weiteren Schritt, um das europäische Payment zu konsolidieren.


Über den Autor:

Mirko Hüllemann

Mirko Hüllemann ist Gründer und CEO der heidelpay Group, eines der innovativsten und am stärksten wachsenden Fintech-Unternehmen in Europa.

Kommentare  

#1 Günther Kroll 2020-05-28 16:24
Adieu Bargeld? Fake!!! An der Supermarktkasse beobachte ich gerade in letzter Zeit mehr Bezahlvorgänge mit Bargeld, geschätzt von 10 Kunden bezahlen höchstens 2 Kunden mit Karte - und stoppen dazu noch zusätzlich einen flüssigen Kassiervorgang.
Mit jeder Kartentransakti on wird das eigene Konto zusätzlich mit einer "Gebühr" belastet (Infos von TV- und Printmedien). So kann z. B. ein Brötchen für EUR 0,34 schon mal mehr als das Doppelte kosten. Das Beispiel lieferte ein ahnungsloser Käufer zusätzlich zu seinem Ärger mit wartenden Käufern, weil sein ergebnisloses Gefummel mit der Karte schließlich doch zum Griff in die Geldbörse führte.
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