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Interview mit Katharina Meran vom Payment-Anbieter Mollie

Trends im Payment: Diese Zahlungsarten sollten Online-Händler anbieten

Veröffentlicht: 09.12.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 09.12.2020
Zahlungsmethoden E-Commerce

Das Zahlen im Webshop kann für Online-Händler nervig sein: Neue Methoden oder gesetzliche Vorgaben wie bei der anstehenden Zahlungsdiensterichtlinie Payment Services Directive 2 (PSD2); dazu Kunden, die eventuell später nicht zahlen können. Payment Service Provider übernehmen die Anbindung von Bezahlmethoden für Online-Shops und sollen das Händlerleben leichter machen. Der Zahlungsdienstleister Mollie wurde 2004 in den Niederlanden gegründet und hat nach eigenen Angaben rund 100.000 Kunden, darunter auch Durstexpress und Unicef. 

Katharina Meran ist Vice President für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Mollie. Im Interview erklärt sie unter anderem, welche Trends beim Payment in Zukunft entscheidend sind und worauf Händler bei der PSD2 und bei der Wahl ihres Shopsystems achten sollten. 

Onlinehändler News: Die Aktionstage Black Friday und Co. sind gerade vorbei, worauf sollten deutsche Online-Händler beim Thema Payment im Weihnachtsgeschäft noch achten, um ihre Umsätze im Shop zu steigern?

Katharina Meran: Wir empfehlen Online-Händlern, die Abbruchrate im Check-out des Shops stets zu analysieren. Hier können Echtzeit-Reportings sehr hilfreich sein. Aktuell kann auch eine kurze Auswertung im Nachgang an Black Friday und Cyber Monday helfen, die Umsätze im Weihnachtsgeschäft noch einmal anzukurbeln. Oft wird unterschätzt, wie wichtig die Zahlungsabwicklung für die Conversion-Rate im Check-out ist. Ein progressives Angebot an zahlreichen Zahlungsmethoden, das den Verbrauchern eine größere Auswahl ermöglicht und damit den gesamten adressierbaren Markt eines E-Commerce-Anbieters erweitert, verringert die Abbruchquote.

In diesem Zusammenhang sollten sich Online-Händler überlegen, ob sie zusätzliche Zahlungsmöglichkeiten anbieten können. Bei Mollie zum Beispiel können Extra-Zahlungsarten in Kürze freigeschaltet werden. Kreditkartenzahlungen sind außerdem ein perfektes Beispiel, wie sich ein bereits gut funktionierendes System weiter verbessern lässt. Etwa, indem Kreditkartenangaben im Bestellprozess gespeichert werden und so die Conversion bei wiederkehrenden Käufern erhöht wird. Prinzipiell sollten E-Commerce-Anbieter schließlich auf eine iFrame-Lösung setzen. (Mit der iFrame-Technik können externe Inhalte in die eigene Webseite eingebunden werden, Anmerkung der Redaktion.) Dies verhindert, dass Kunden weitergeleitet werden und die vertraute Shop-Umgebung verlassen. 

Auf diese Zahlungsmethoden sollten Online-Händler setzen

Wie zahlen deutsche Online-Shopper generell am liebsten beim Einkauf und wie wird sich das künftig verändern?

Wir stellen fest, dass sich die Nutzung von Zahlungsmethoden, die den Kunden bei der Bezahlung eine besonders große zeitliche Flexibilität ermöglichen, in diesem Jahr verdoppelt hat. Das betrifft den Rechnungs- und Ratenkauf, die es Kunden ermöglichen, Waren zu einem späteren Zeitpunkt oder in kleinen Raten über mehrere Monate hinweg zu bezahlen. Obwohl man natürlich sagen muss, dass der Rechnungskauf in Deutschland schon immer beliebt war, sehen wir, dass die Corona-Pandemie die Popularität dieser Zahlungsart intensiviert hat.

Eine jüngste Datenauswertung von mehr als 100.000 Kunden aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich zum diesjährigen Black Friday bestätigen diesen Trend: Wurden die entsprechenden Dienste von Anbietern wie Klarna am Black Friday 2019 von rund 1,0 Prozent der Online-Shopper genutzt, hat sich die Zahl in diesem Jahr an dem Tag mit 2,5 Prozent mehr als verdoppelt. Wir vermuten, dass sich dieser Trend im kommenden Jahr noch viel dynamischer entwickeln wird.

Diese Verhaltensänderung sollte Online-Händler daher ermutigen, 'Pay Later'-Lösungen als Standard einzuführen. Außerdem sehen wir im Konsumentenbereich auch ein Wachstum bei E-Wallets wie Apple Pay. Das heißt, Online-Käufe finden mehr auf dem Smartphone als am Desktop statt: E-Wallets sind dementsprechend immer beliebter vor allem bei jüngeren Generationen. Käufe sind in wenigen Klicks abgeschlossen.

2021 wird das Jahr der neuen viel diskutierten Zahlungsdiensterichtlinie Payment Services Directive 2 (PSD2). Wie ist Mollie darauf vorbereitet und was müssen Webshop-Betreiber noch tun?

Wir stellen in der Tat fest, dass sich viele Händler derzeit fragen, ob sie PSD2-konform sein müssen. Dabei ist Folgendes zu beachten: Die Dienstleister, die Payments anbieten, sind dafür verantwortlich, dass die neuen Regelungen eingehalten werden. Da die Zahlungen bei der überwiegenden Mehrheit der Online-Händler über einen Payment Service Provider (PSP) wie Mollie abgewickelt werden, der sicherstellt, rechtskonform zu sein, besteht hier meist gar kein Handlungsbedarf. Unsere Kunden können darauf vertrauen, dass die Mollie-Plattform startbereit ist und vollständig den neuen SCA-Anforderungen (Strong-Customer-Authentication) entspricht.

Katharina Meran, Mollie

Zudem erfordern viele Zahlungsmethoden wie Apple Pay bereits eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und wir unterstützen zudem das 3D-Secure-Protokoll für Visa-, Mastercard, Maestro- und American-Express-Karten. Falls sich Händler dennoch fragen, was sie tun können, dann empfehlen wir immer, bei Unsicherheiten direkt mit dem Payment-Anbieter zu sprechen. Es ist wichtig, dass sie einen Zahlungsdienstleister haben, der SCA unterstützt und gleichzeitig die bestmögliche Kundenerfahrung bietet. E-Commerce-Anbieter sollten außerdem ihre Kunden über die bevorstehenden Änderungen informieren und die neuen SCA-Regeln offen kommunizieren. Im Online-Handel sind die Veränderungen im Check-out in den letzten Monaten schon sichtbar gewesen, da im Payment-Prozess zusätzliche Schritte angefallen sind. 

So finden Online-Händler das passende System für ihren Webshop

Sie haben in diesem Jahr auch den Shopsystem Guide 2020 gelauncht, der Händler bei der Wahl ihres (neuen) Shopsystems helfen soll.  Können Sie generell zu einem Anbieter raten? Nach welchen Faktoren sollten sich Online-Händler richten?

Hier kann man keine allgemeingültige Aussage zu treffen, denn das 'beste Shopsystem‘ gibt es nicht. Ein Händler sollte sich eher die Frage stellen: Welcher Webshop-Anbieter stellt die passende Lösung für die eigenen Bedürfnisse bereit? Für kleine Online-Shops mit einer überschaubaren Produktpalette eignet sich ein anderes Shopsystem als für große Shops mit einer immensen Anzahl an Produkten. Darüber hinaus spielt beispielsweise der Zeit- und Kostenfaktor, aber auch die Branche und das technische Know-how eine große Rolle bei der Anschaffung eines Shopsystems. Mit wenigen Schritten lässt sich so herausfinden, welche Art von Shopsystem passend ist.

Mollie selbst hat im September bei der Unternehmensbewertung die 1-Milliarde-Euro-Hürde übersprungen und zählt damit jetzt zu den sogenannten Einhörnern. Wie wollen Sie das Geschäft hierzulande weiter ausbauen und welche Rolle spielt Deutschland für das niederländische Unternehmen? 

Deutschland ist für Mollie der wichtigste Markt und wir planen, in den nächsten Jahren einer der größten Payment-Service-Provider hierzulande zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir unser Produkt für den KMU-Sektor im E-Commerce verbessern und natürlich unseren Bekanntheitsgrad steigern. Aus diesem Grund wollen wir unsere Standorte in München und Kiel im kommenden Jahr weiter ausbauen: Konkret planen wir, das Team zu verdoppeln. 

Jeder noch so spannende, neue Produkt-Launch, wie zum Beispiel neue Zahlungsmethoden, ist nicht viel Wert, wenn die Plattform nicht stabil ist.

Ausfallsicherheit: „Online-Händler müssen sich auf den Zahlungsanbieter verlassen können“

Für Online-Händler ist in Sachen Payment das Thema Ausfallsicherheit ein wichtiger Punkt. Was kann Mollie hier anbieten?

Das ist auch für uns eines der wichtigsten Themen. Zahlungen müssen einfach funktionieren und auf den Zahlungsanbieter müssen sich Online-Händler verlassen können. Deswegen haben wir in diesem Jahr einen sehr starken Fokus auf die Stabilisierung unserer Plattform gesetzt. Jeder noch so spannende, neue Produkt-Launch, wie zum Beispiel neue Zahlungsmethoden, ist nicht viel Wert, wenn die Plattform nicht stabil ist. Mollie ist in den letzten zwei Jahren massiv gewachsen – unter anderem sorgt jetzt ein neues Buchführungssystem dafür, dass die Ausfallsicherheit und eine Uptime von 99,9 Prozent (Mit Uptime wird die Rate bezeichnet, in der ein Computersystem betriebsfähig läuft, Anmerkung der Redaktion), trotz massiven Wachstums, weiterhin gewährleistet ist!

Zu guter Letzt: Was bedeutet eigentlich der Firmenname Mollie?

Der Name hat seinen Ursprung im Spitznamen des Firmengründers Adriaan Mol. Dieser wird von Freunden „Mollie“ gerufen – und daher hat auch das Unternehmen seinen Namen. 

Vielen Dank für das Interview! 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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