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Drei Kommanditgesellschaften, bitte!

Bäcker drohte 25.000 Euro Bußgeld, weil er KG statt kg für Kilogramm schrieb

Veröffentlicht: 11.09.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 11.09.2019
Bäckerei

Kilogramm wird gemeinhin mit kg abgekürzt. Das große K hingegen kann für Kelvin, das große G für Gauß stehen. Die Abkürzung KG hingegen für die Gesellschaftsform Kommanditgesellschaft. Findet man diese Abkürzung im Bereich der Gastronomie, so wird man sich hier einig sein, dass KG wohl eher für Kilogramm steht, auch wenn dies nicht die physikalisch richtige Abkürzung ist. Das Landesamts für Eich- und Messwesen Berlin-Brandenburg sieht das laut der Berliner Morgenpost allerdings anders und drohte dem Bäcker Karsten Greve ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro an.

Unübliches Vorgehen

Bei einer Kontrolle durch das Landesamt fiel die schwarze Tafel in dem Laden „100 Brote“ im Bötzowviertel in Berlin auf. Dort hatte der Bäcker „KG“ statt kg geschrieben. Als ihm die Kontrolleure mitteilten, dass dies zu einer Irreführung führen könne, da KG ja auch für Kommanditgesellschaft oder Kelvin stehen könne, hielt er dies (berechtigterweise) zunächst für einen Scherz. Nachdem aber klar war, dass dies kein Witz sein soll, zeigte der Bäcker laut der Morgenpost Einsicht: „Die Kontrolleure haben ja recht. Eine richtige Angabe ist gesetzlich vorgeschrieben.“ In der Folge hat er die KGs gegen kgs getauscht. Dies habe er getan, um der angedrohten Strafe zu entgehen und sein Geschäft zu schützen.

Die Senatsverwaltung indes ist über diesen Vorgang verwundert und bezeichnet das Vorgehen, insbesondere das Androhen einer so hohen Geldstrafe, für unüblich. Das ganze werde nun geprüft. 

Die ungeeichte Waage

Bei der Kontrolle fiel außerdem eine alte Waage auf, die eigentlich der Dekoration dient. Diese sei nicht richtig geeicht und so könne es zu Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung kommen. Zum Zwecke der Prüfung haben die Kontrolleure die Seriennummer aufgeschrieben. Im Gegensatz zur Kilogrammangabe möchte er aber an dieser Stelle die Behebung des „Mangel” verweigern. Stattdessen hat er noch eine zweite, historische Waage aufgestellt. 

„Aber jedes Amt hat auch einen Ermessensspielraum. Und welcher Kunde denkt denn ernsthaft, dass ich hier Kommanditgesellschaften verkaufe? Ich bin doch bloß ein kleiner Brotladen“, wird der Bäcker dazu zitiert.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#13 Sebastian Pfister 2019-09-16 10:35
Deutschland schafft sich ab... Das Gewerbeaufsicht samt liebt mich auch besonders. Wenn diese ganze Scheiße noch so weiter geht, schmeiß ich hin. Knapp 30 Arbeitsplätze weg. Braucht ja keiner...
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#12 RHINLE 2019-09-16 08:18
Unglaublich! Der Bäcker verkauft sogar Kiezbrot. Ist mir als Rheinländer untersagt das Brot zu kaufen oder sollte ich meinen Zweitwohnsitz in den Prenzlauer Berg verlegen?
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#11 Heinicke 2019-09-14 12:08
Wir haben in den 90er Jahren mal ein Schreiben des Gewerbeamtes erhalten. Darin wurde uns eine Geldstrafe von 50.000 DM angedroht. Bemängelt wurde das bei dem Schild was auf den Inhaber verweist der Vorname abgekürzt statt ausgeschrieben habe. Ich bin froh, dass es vorbei ist.
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#10 Redaktion 2019-09-13 11:36
Hallo Caroli,

an dieser Stelle ist Ihre Angst unbegründet. Für Liter gilt nämlich als Abkürzung sowohl L als auch l.

Freundliche Grüße,
die Redaktion
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#9 Silvia Schmidt 2019-09-12 13:03
Na, habt einsehen,wenn ihr keine anderen Probleme habt.Sorry ,da sag ich nur ,wer suchet ,der findet. Der arme Bäcker. Armes Deutschland
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#8 Peter 2019-09-11 16:14
Na, die nächste Kontrolle bei diesem Bäcker ist sicher jemand, der durchzählt, ob er tatsächlich 100 Brote im Angebot hat. Dann muss er Strafe zahlen oder seinen Namen ändern.
Wegen Irreführung.
Der Verbraucher könne schließlich erwarten, dass er mindestens 100 Brote zur Auswahl hat. Oder?
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#7 Michael 2019-09-11 11:37
Ich hab noch einen wichtigen Nachtrag, denn man sollte hier die Ermittlungsbehö rden einschalten:
Ist noch nicht aufgefallen, dass der Bäcker Karsten Greve als Initialen KG hat und er 1 KG Brot verkauft?

Wurde schon überprüft, ob in der Inhaltsstofflis te des Brotes auch der genaue Anteil des Karsten Greve an der richtigen Stelle mit angegeben wurde?
Wurde das Brot auch entsprechend mit "enthält Fleisch" angepriesen? Nicht, dass Vegetarier oder Vegenerr aus Versehen dieses Brot kaufen und verzehren?

Ich fühle mich dennoch als Verbraucher sehr gut geschützt und kann ruhig schlafen, dank dem Landesamt für Mess- und Eichwesen.
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#6 Michael 2019-09-11 11:30
Also, wenn ich nicht wüsste, dass heute der 11. September ist, hätte ich gedacht, es sei der 01. April.
(Habe ich mich jetzt gesetzeskonform verhalten, oder ist der Punkt nach der Zahl vor dem Monat verwirrend, weil man denken könne, der Satz wäre zu Ende??? Nicht, dass das Landesamt für Rechtschreibung mich jetzt abmahnt?!)

Aber jetzt mal ganz im Ernst: Für solch einen Unsinn und "fähige" Beamten zahlen wir Steuergelder???

Es zeigt eines: Amerika ist bei uns angekommen. Haben wir uns vor Jahren noch lustig drüber gemacht, dass Verbraucher darüber in der Bedienungsanlei tung aufgeklärt werden mussten, dass sie ihren Hamster zum Trocknen nicht in die Mikrowelle stecken dürfen, so muss man den deutschen Michel unbedingt davor schützen, dass er nicht ein Kelvin-Gauß Brot kauft.

Aber das Schöne ist ja, dass man damit zusätzliche Gelder generieren kann. Was "Scheinanwälte" können, kann doch das Landratsamt doch schon lange.

Mann, Mann, wann fällt bei einer Kontrolle im Landesamt (und anderen Ämtern) endlich mal auf, dass da nur Hohlnieten sitzen, die für falsche Abrechnungen bei gerechtem Arbeitslohn sorgen und die Steuerlast unnötigerweise aufquellen.
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#5 Jens 2019-09-11 09:18
traurige Realität..
Der Bäcker kann froh sein, dass es nur angedroht wurde.
Der Onlinehändler wird sofort kostenpflichtig abgemahnt - wo bitte ist da die Gerechtigkeit?
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#4 Caroli 2019-09-11 08:57
Hallo,

In diesem Zusammenhang frage ich mich, wie es sich denn diesbezüglich bei der Liter-Angabe verhält?
Denn laut Händlerbund Hinweis-Blätter n ist als Beispiel ein kleines "l" angegeben, hinterlegt man jedoch einen Grundpreis im von Ebay dafür vorgesehenem Feld, so schreibt Ebay diesen mit einem großen "L". Könnte einem nicht auch diese darsus resultierende, unterschiedlich e Schreibweise angekreidet/zur Last gelegt werden...?
Man ist ja schon total verängstigt..

Freundliche Grüße
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