Wir wurden gefragt

Kann Cannabis nach der Legalisierung im Online-Shop verkauft werden?

Veröffentlicht: 22.11.2021 | Geschrieben von: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 22.11.2021
Frau raucht Cannabis

Seit dem 18. November scheint die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken in greifbarer Nähe. Da wurde erstmals durch die Funke Mediengruppe darüber berichtet, dass sich im Ergebnispapier der Koalitions-Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege folgender Satz findet: „Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein.“ 

Nun fragen sich zahlreiche Online-Händler, ob sie nach einer Legalisierung auch Cannabis im Online-Shop verkaufen können und wie man zu einem lizenzierten Geschäft wird. 

Die Legalisierung ist noch nicht beschlossen

Zuerst muss festgehalten werden, dass die Cannabis-Legalisierung noch nicht zu 100 Prozent sicher ist. Auch wenn sich der besagte Passus im Ergebnispapier findet, handelt es sich hierbei noch nicht um eine offizielle Version. Es sind immer noch Änderungen denkbar und es ist auch noch nicht gesichert, dass sich die Cannabis-Legalisierung im Koalitionsvertrag wiederfindet. 

Aber: Die Zeichen, die derzeit aus den Verhandlungen der Ampel-Koalition nach außen gesendet werden, deuten stark auf eine kommende Legalisierung der berauschenden Pflanze hin. Zumal die FDP und die Grünen dies schon lange fordern. Sie erhoffen sich durch den regulierten Verkauf der Droge höhere Steuereinnahmen, mehr Qualitätskontrolle, eine Zurückdrängung des Schwarzmarktes und nicht zuletzt eine Entkriminalisierung der vielen Cannabiskonsumenten in Deutschland.

Was ist ein lizenziertes Geschäft? 

Doch wer im Falle der Legalisierung auch Cannabis-Händler werden darf, ist noch offen. Im Ergebnispapier aus den Koalitionsverhandlungen fehlt eine Erklärung dessen, was ein lizenziertes Geschäft ist. Es gibt mehrere denkbare Möglichkeiten für einen regulierten Cannabis-Handel. 

So wurde bereits öffentlich diskutiert, ob der Verkauf von Cannabis alleine bei den Apotheken liegen sollte. Diese verkaufen aktuell auch schon Cannabis zu medizinischen Zwecken, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hat schon angekündigt, im Falle einer Legalisierung bereit zu sein, um das Cannabis auszugeben. Es könnten nur die Apotheken sein, die ein Höchstmaß an Sicherheit für die Konsumenten gewährleisten könnten, sagte ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Andererseits kommen auch viele andere Verkaufsformen infrage, etwa lizenzierte Coffeeshops nach niederländischem Vorbild, die aber nur kleine Mengen (bis zu 5g) verkaufen oder ein legalisierter Verkauf in stationären Geschäften und in Online-Shops, wie es bereits mit CBD-Produkten geschieht. 

Vielleicht ermöglicht der Koalitionsvertrag, der noch Ende November erwartet wird, mehr Einsicht in die Zukunft des Verkaufs von Cannabis. Noch müssen viele Fragen beantwortet werden.

Über den Autor

Patrick Schwalger
Patrick Schwalger Experte für: EU- und Bundespolitik

Patrick ist Politik-Experte beim Händlerbund und schreibt regelmäßig als Gastautor auf OHN. Er hat in verschiedenen politischen Kontexten in Brüssel und Köln gearbeitet und kennt die Politik von allen Seiten. Für den Händlerbund bearbeitet er die politischen Entwicklungen, die den Online-Handel bewegen und informiert darüber auf OHN.

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