Händler-Serie, Teil 2: Verpackung und Logistik

„Hauptsache verkaufen – der notwendige Karton findet sich irgendwie“

Veröffentlicht: 10.11.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 10.11.2021
Frau schaut aus Karton

Der Leverkusener Händler Dirk Carolus hat früher sowohl über sein Ladengeschäft als auch online Artikel für Events wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Co. verkauft. In der Corona-Pandemie musste er sich umstellen, um mit einem neuen Sortiment im E-Commerce noch mal durchzustarten, wie er im ersten Teil unserer Händler-Serie erzählt. Im zweiten Teil dreht sich alles um die richtige Verpackung und den Versand – und wie man es als Händler heutzutage nicht machen sollte.

Verpackungen selber basteln – mit Cuttermesser und Kartons

Dirk Carolus erinnert sich an seine Anfänge im Versand – und wie er die Anforderungen dafür unterschätzt hat. Zu Beginn hat er bei Bestellungen zum Teil die Verpackung aus alten Kartons aus seinem Laden noch selbst zusammengebastelt. „Ich hatte damals sogar Fußmatten mit 60x40cm verkauft und diese einfach in mit dem Cuttermesser vorgeschnittene Papp-Rechtecke gelegt (wie ein Sandwich) und rundum fein säuberlich mit braunem Klebeband versehen. Dass man die auch sorgsam falten oder einfach aufrollen und in Versandhülsen stecken könnte, war mir damals nicht klar“, sagt Carolus. „Auf die Maße oder das Gewicht wurde nicht geachtet. Hauptsache verkaufen – der notwendige Karton findet sich dann schon irgendwie.“ Die häufigsten Händlerfragen zu Verpackung und Versand haben wir in einem Extra-Beitrag zusammengefasst.

Lager in der eigenen Wohnung: „Sechs Wochen Leben in Kartons“

Irgendwann war ihm der Aufwand dann doch zu groß und die Do-it-yourself-Herstellung nicht mehr zu schaffen. Carolus bestellte passende Kartons – und tappte gleich in die nächste Falle. „Da ich ja gewiefter Kaufmann war, bestellte ich gleich 2.000 Stück. An einem verregneten Novembermorgen wurden die Kartons auf zwei mannshohen Paletten an den Bordstein geliefert“, erinnert er sich. Doch der Händler hatte nicht an Austauschpaletten gedacht – und schleppte dann teils im Regen zweitausend Kartons in den dritten Stock. „In unserer Wohnung baute ich einen Korridor vom Bad in Richtung Schlafzimmer und je eine Abzweigung in Richtung Küche und Couch. Nach nur sechs Wochen Leben in Kartons hatte ich meine Frau soweit, dass wir ein eigenes Lager mit Büro für den Online-Handel angemietet haben“, erzählt Carolus mit einem Schuss Ironie.

© Carolus

Denn auch seine „Lager“ waren anfangs noch eher notdürftig – seine eigene Wohnung und drei Garagen ums Eck. Die Abläufe nach einer Bestellung waren damals dementsprechend noch nicht optimal: In seiner Wohnung im dritten Stock druckte er die Lieferscheine und Versand-Label aus, dann suchte er in den Garagen die jeweiligen Artikel zusammen und verpackte alles. Mit einem Einkaufswagen und den großen blauen Ikea-Taschen brachte er die Pakete dann zur Post – und das Ganze teils mehrfach täglich.

Darum sollten Online-Händler ihr Fulfillment auslagern

Das Fulfillment hat Carolus mittlerweile an einen Dienstleister ausgelagert – dabei hatte er zu Beginn starke Bedenken. „Ich hatte damals das externe Fulfillment konsequent abgelehnt. Zu unpersönlich – wenn der ,fremde’ Picker oder Packer was falsch macht, fällt das auf meine Firma zurück“, dachte er damals. „Im Nachhinein – völliger Blödsinn!“ Denn eine Fremdfirma könne das mindestens genauso gut wie man selbst und habe außerdem viele weitere Vorteile.

So übernimmt der Dienstleister die Verantwortung für viele zeitraubende und teils komplexe Dinge wie Versicherungen, Brandschutz, Arbeitsschutzbestimmungen und natürlich für das Personal. „Du musst dir keine Gedanken über Urlaub, Krankheit oder Schichten machen, da es ein anderer für dich erledigt. Und auch deine eigene Arbeitszeit solltest du nicht unter den sprichwörtlichen Scheffel stellen: Was könntest du alles bewerkstelligen und deinem Unternehmen Gutes tun, wenn du nicht picken und packen müsstest...“, rät Carolus. Insgesamt sei das Fulfillment durch einen Dienstleister für ihn preiswerter, als es selbst zu machen. Im Fulfillment Guide des Händlerbundes werden alle wichtigen Infos zu dem Thema, inklusive eines Vergleichs verschiedener Dienstleister, zusammengefasst. Carolus selbst achtet bei der Auswahl seines Dienstleisters auf Preise, persönliche Ansprache und Kompatibilität mit dem eigenen Unternehmen.

Tipps für Logistik und Fulfillment im E-Commerce

Carolus hat seine Erfahrungen dieser frühen Jahre in einigen Tipps zusammengefasst. Das rät er angehenden Online-Händlern:

  • Du musst die Zahlen und Leistungsfähigkeit deiner eigenen Logistik kennen
  • Jeder Handgriff oder Schritt zu viel zwischen einer Bestellung und dem Augenblick der Übergabe an den Versand kostet bares Geld
  • Fulfillment-Dienstleister können all das, was du kannst – nur effizienter und damit günstiger

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#1 Marco B. 2021-11-17 23:16
Fulfillment-Die nstleister ist so eine Sache.
Aktuell könnte ich mich damit anfreunden, da bei mir DPD nur noch sehr unregelmäßig abholt.
Aber ich denke die Qualität leidet darunter.
Da werden doch bestimmt bei kleinen Teilen auch nur einwellige Kartons verwendet, die beim verpacken schon so aussehen, als wenn sie 2x um die Welt gingen.
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