Teilen Teilen Kommentare Drucken

Wenn Amazon Vendor zum Problem wird … – Ein Händler berichtet

Veröffentlicht: 27.01.2017 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 27.01.2017

Amazon weiß sein Vendor-Programm gut anzupreisen und wird gewiss nicht müde, die vielen potenziellen Vorteile für Online-Händler aufzuzeigen. Doch es zeigt sich: Nicht alle Händler gehen mit wohligem und zufriedenem Gefühl aus dieser Erfahrung heraus. Ein Händler berichtet – über die guten Seiten und schließlich aber den Abbruch des Vendor-Versuchs…

Amazon Paket mit einem traurigen Mund
Amazon Logo mit einem traurigen Mund © Tina Plewinski

Mit Vendor hat Amazon ein Programm ins Leben gerufen, das Händlern eine Alternative zum normalen Handelsalltag bietet. Im Zuge von Vendor werden Anbieter bekanntermaßen selbst zum Lieferanten von Amazon und beliefern das Unternehmen mit den eigenen Produkten. Die vielen potenziellen Vorteile des Vendor-Programms hat Amazon auf seiner Website recht übersichtlich zusammengefasst: Diese sollen von erhöhten Konversionsraten über verbessertes Marketing bis hin zu detaillierteren Analysen oder einer vereinfachten Auftragsabwicklung reichen.

 

Amazon Vendor: Vorteile
Amazon Vendor: Vorteile, Screenshot © Amazon

Der Start mit Amazon Vendor ließ großes erhoffen

Dass eine solche Beziehung zu Amazon aber nicht nur ihre positiven Seiten hat, zeigt die Erfahrung eines Händlers, der sich an OnlinehändlerNews gewandt hat. Zunächst, so der Unternehmer, war die Vendor-Erfahrung sehr angenehm: „Es bestand schon seit Jahren eine Zusammenarbeit mit Amazon in kleinem Rahmen. Auf Anfrage von Amazon sollte diese Zusammenarbeit Anfang 2016 weiter ausgebaut werden – man war daran interessiert, alle Artikel die wir im Sortiment führen ins Programm aufzunehmen“, so der Mitarbeiter eines europaweit agierenden Großhändlers.

Um den Ausbau der Zusammenarbeit zunächst anzutesten, entschied man sich dafür, erst einen Teil der Artikel ins Vendor-Programm aufzunehmen. „Dadurch erhofften wir uns Umsatzsteigerungen unserer Eigenmarken im Endkundengeschäft.“  Und die Zusammenarbeit funktionierte zu Beginn auch zufriedenstellend: „Es wurden sämtliche Artikel online bei Amazon angelegt, wobei Amazon uns jederzeit unterstützt hat und bei Problemen sofort zur Stelle war. Es gab für uns zwei direkte Ansprechpartner, die ihren Sitz jeweils in Luxemburg und in Indien hatten. Beliefert haben wir Amazon Warenhäuser in Deutschland, Tschechien und Polen.“

Lieferung, Verpackung und Co.: Die Probleme häuften sich

Doch so gut der Start war, so schnell hätten sich auch Probleme eingeschlichen: Nach einigen Monaten habe Amazon beispielsweise Strafen für angeblich zu späte, beziehungsweise angebliche nicht-gelieferte Sendungen erhoben. „Natürlich gibt Amazon ein zeitliches Lieferfenster vor, jedoch liegt die pünktliche Zustellung auch in der Hand des jeweiligen Spediteurs. Deshalb waren diese Strafen für uns nicht immer nachvollziehbar“, so der Händler. Auch hatte man mit Strafen für nicht eingehaltene Verpackungsrichtlinien zu kämpfen: „Das Ganze hat erheblichen Gesprächsbedarf mit Amazon notwendig gemacht, da wir die Richtlinien so gut es uns möglich war eingehalten haben und dennoch unberechtigterweise mit Strafen belegt wurden.“

Auch die Kontaktaufnahme mit Amazon sei immer schwieriger geworden: „War man in der Anfangszeit noch jederzeit bereit, uns bei Problemen zu Seite zu stehen, fühlten unsere Vendor Manager sich nach einigen Monaten oft nicht mehr dazu bereit, uns zu helfen und verwiesen uns an die verschiedenen Amazon-Teams, die man über die Online Plattform kontaktieren kann.“ Durch mangelnde Sprachkenntnisse und Verständigungsprobleme sei es häufig nicht möglich gewesen, bestehende Probleme zu lösen. Teilweise werde man von Mitarbeitern aus Indien kontaktiert, berichtet der Händler. Am Ende habe es oft keine Problemlösung gegeben oder diese erst nach einem langen Hin und Her erreicht.

Amazon prangert unvollständige Lieferungen an

Doch der Unternehmer berichtet nicht nur von sprachlichen Hürden und mangelnder Hilfe. „Das größte Problem war, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt Lieferungen angeblich nicht vollständig eingetroffen sind. Wir konnten bei uns immer einwandfrei nachvollziehen, dass die Ware vollständig versendet wurde. Teilweise habe ich sogar persönlich noch die Lieferungen kontrolliert, bevor Sie unser Lager verlassen haben“, so unsere Quelle. Diese Problematik sei irgendwann kein Einzelfall mehr gewesen, sondern zur Regelmäßigkeit geworden. „Schlussendlich hatte Amazon bei uns aufgrund der Artikel, die angeblich nie angekommen sind, eine Summe von etwa 5000 € offen. Deshalb, aufgrund der komplizierten Zusammenarbeit und keiner Aussicht auf Besserung, haben wir uns dazu entschieden, die Belieferung einzustellen bis diese Zahlungen bei uns eingetroffen sind.“ Bisher konnte man schon einen Teil der Nachzahlungen von Amazon verzeichnen.

Hinzu sei allerdings gekommen, dass Amazon regelmäßig Waren retourniert habe, ohne den Händler über die Vorgehensweisen oder Gründe zu informieren: „95 Prozent aller Retouren, die wir von Amazon erhielten, waren einwandfrei und konnten durch uns wieder verkauft werden. Auf Nachfrage gab es hierzu keine Informationen von Amazon. Das erzeugt einen großen Aufwand im Unternehmen, um das ganze nachzuvollziehen und zu verbuchen.“ Falsche Zuordnungen von Produkten und EAN-Nummern habe die Arbeit weiter erschwert.

Angst um eigenen Status: Amazon wendet sich an Lieferanten der Lieferanten

Ein weiterer gravierender Fakt sei nach Angaben des Händlers, dass Amazon versuche, sich über die Bezugsquellen der Vendor-Partner zu informieren. Im vorliegenden Fall habe Amazon beispielsweise Kontakt zu dessen Lieferanten aufgenommen und versucht, bestimmt Produkte direkt zu beziehen: „Unter Umständen wird man von Amazon nur ‚benutzt‘, um Informationen und Know-how zu liefern und sobald Amazon eine andere Quelle findet, wird man als Lieferant ‚abgesägt‘“. Es bestehe also demnach durchaus die Gefahr, dass die Verkaufsgrundlage des eigenen Geschäfts sozusagen wegbricht.

Das Fazit des ehemaligen Vendor-Partners fällt nicht umsonst ernüchternd aus: „Die Zusammenarbeit mit Amazon kann sehr rentabel sein, aber sobald man in gewisse Größenordnungen vorstößt macht die Belieferung viele Probleme, wie das Beispiel unseres Unternehmens zeigt. Die Strafen und Abzüge, die Amazon vornimmt, und die insgesamt damit verbundene Arbeit, erzeugen intern fast mehr Kosten, als durch den möglichen Profit zu rechtfertigen wäre. Mahnungen und Schreiben sowohl unserer Buchhaltung als auch direkt von der Geschäftsführung an Amazon (u. a. auch an unseren Gebietsleiter) wurden nie beantwortet. Deshalb ist unser Standpunkt klar: Wir stellen die Zusammenarbeit mit Amazon ein!“

Kommentare  

#12 Inga 2019-07-04 13:48
Das Unternehmen in dem ich arbeite macht momentan identische Erfahrungen mit Amazon Vendor Central. Hinzu kommt bei uns noch, dass die Produkte die wir verkaufen als Set (1 ASIN bestehend aus 3 Paketen). Bei den ganzen Retouren kommen so gut wie nie alle Pakete des Sets zurück aber Amazon erstellt die Debit Notes wohl über den kompletten Artikelpreis. Es geht bei den einfach nicht in den Kopf, dass wir dann auch alle Pakete des Sets zurück erwarten. Widersprüche werden nicht verstanden/ ernst genommen oder einfach nie gelöst.
Zitieren
#11 Thomas 2019-01-30 11:04
Ich kann jedem nur Hood.de als Verkaufsplattfo rm ans Herz legen. Seit ich mich von Amazon getrennt habe und zu Hood.de gewechselt bin ist alles in bester Ordnung.

1. Hood hat nur 4-6 % Beteiligung ( Amazon 15 % )
2. Nur Deutscher Support ( Freundlich, sehr hilfsbereit )
3. 10000000x einfacher ein Produkt hochzuladen.

Hoff ich konnte helfen.

MFG
Zitieren
#10 R.C. 2018-11-01 12:12
Das selbe Problem auch hier: Amazon kürzt einfach die Rechnung obwohl die Ware vollständig angeliefert wurde. Zusätzlich wird ein Abliefernachwei s nach dem anderen Abgelehnt. Wir hatten keine Chance hier an unser Geld zu kommen. Haben die Zusammenarbeit gekündigt.
Zitieren
#9 Emmegi 2018-04-23 12:29
Sehr geehrte Damen und Herren!

Auch wir haben unsere Probleme mit Vendor Central. Deshalb wollen wir unser Konto so schnell wie möglich deaktiviere.
In unserem Vertrag steht, dass wir Ende des Jahres schriftlich Kündigen müssen.
Leider finde ich keine E-Mail Adresse oder Adresse wo ich das hinsenden muss.
Vielleicht kann mir jemand weiter helfen.

Vielen Dank im Voraus & eine schöne Woche!!
Zitieren
#8 Daniel schaaf 2018-03-29 19:33
Wir haben die gleichen Probleme mit den Zahlungskürzung en. 5-10 Pro Woche!
Ein Amazon Mitarbeiter hat uns daraufhin geschrieben:

"Bestandsberichtigungen (oder Zahlungskürzung en wie Sie sie nennen) treten im Rahmen der normalen Lagerhaltung Ihrer Bestände auf. Von Zeit zu Zeit wird bei unserer periodischen Bestandsaufnahm e festgestellt, dass Artikel nicht am erwarteten Ort vorhanden oder beschädigt sind ("verloren gegangen") oder an einem unerwarteten Ort gefunden werden ("gefunden"). Am Monatsende stimmen wir diese Beträge ab und berichtigen Ihr Konto, so dass Ihnen jegliche Nettoverluste (oder Nettogewinne) auf Ihrem Konto für den betreffenden Monat erstattet (oder belastet) werden.
Beispiel für eine Korrektur (gefunden/verlo ren gegangen): Sie liefern uns 10 Artikel und durch unsere Lagerhaltung werden diese 10 Artikel auf zwei Regale verteilt, so dass jeweils 5 Stück pro Regal lagern sollten. Der Lagermitarbeite r verteilt jedoch unplanmäßig in ein Regal 4 Stück und in das andere Regal 6 Stück. Wenn wir nun unsere Inventur durchführen, stellt der Mitarbeiter fest, dass in dem einen Regal 6 Stück stehen, obwohl hier nur 5 Stück stehen sollten.

Somit erhalten Sie in Ihrem Verkaufsbericht eine Korrektur von +1 Stück, da der Titel an diesem Ort unerwartet aufgefunden wird. Das bedeutet jedoch auch, dass bei der Inventur des Regals mit den 4 Stück festgestellt wird, dass hier 1 Exemplar fehlt, daher wird es hier wieder eine - Korrektur in Ihrem Verkaufsbericht geben. Die Korrekturen können in unterschiedlich en Monaten vorkommen. "

Auf meine Antwort hin merkte er dann, was er gemacht hatte:
Er hatte beschrieben, dass Amazon systematisch betrügt. Nach BGB ist der Gefahrenübergan g nach Übergabe durch den Spediteur.

Zumal der Fall "Gefunden und dann Ihrem Konto gutgeschrieben" in 2 Jahren noch nie vorkam!

Hat schon jemand mal dran gedacht, Amazon wegen solchen Verhaltens abzumahnen?
Oder einen gerichtlichen Mahnbescheid zuzustellen?
Zitieren
#7 Monika 2018-02-16 16:18
ich kann alles nur bestätigen!.
AMAZON - Business - 4,5 Monate konnte ich kein Produkt hochladen , die Support MA -nett jedoch mit schwachem Deutsch. Die Mitarbeiter aus München melden sich am Anfang zwar, jedoch ich kann ja nicht jedes Mal um die Hilfe bitten, weil das System meine Daten nicht annimmt. Als Info - die Produkte können nicht manuell platziert werden , sondern nur über die Excel -Datei ( inkl Fotos!).

AMAZON -VENDOR - Grotten schlecht - das System übernimmt willkürlich die Textbausteine und kreiert einen eigenen Produkttitel zB
"Tasse c532- 09825 3 teil,10x12 keine Warhinweise,kei ne Batterien "

Jedes Mal musste ich Support anschreiben und um die Änderung bitten.
Nach 4 Tagen sind die 4 ( vier !!!) Produkte immer noch nicht 100% beschrieben worden und vor allem nicht aktiviert worden = " Derzeit nicht verfügbar" steht in dem Text.
Schulungen von VENDOR - Online - die Lektorin mit einem so starken Akzent , der verhindert hat den Inhalt zu verstehen.

FAZIT - die ganze AMAZON - Story ist mir diesen Ärger absolut nicht wert!.
Zitieren
#6 jürgen 2017-08-21 11:18
Ich finde den Bericht sehr treffend ,da er das widerspiegelt was z.Z. bei uns los ist.
Wir sind leider noch schlimmer betroffen, da andere LEH Ketten eine Zusammenarbeit abgelehnt haben, weil wir bei Amazon mehrere Bestseller Artikel haben und somit ist Amazon unser einziger Kunde. Bei uns werden nicht nur Ausgleichszahlu ngen in nicht nachvollziehbar er Höhe erhoben, sondern Rückstellungen von unseren Forderungen gebildet in 6stelliger Höhe. Lieferungen zu einem Wert von bis zu 25000,00 werden als nicht geliefert abgezogen, aber fleißig verkauft. Damit droht sogar Insolvenz und Amazon nimmt sich nichts von dem Thema an.
Zitieren
#5 Milo 2017-08-08 16:31
Hallo Tina,

ich bin auf deinen interessanten Artikel gestoßen. Finde ihn sehr hilfreich. Vor allem aber wie du das Problem schilderst wenn man in gewissen Größenordnungen vorstößt, finde ich mehr als gelungen und sehr empfehlenswert. Danke dafür. Hat mich echt inspiriert.

Liebe Grüße
Milo
Mila
Zitieren
#4 Katharina Fiedler 2017-02-01 16:06
Auch wir hatten erhebliche Probleme mit Amazon und Amazon Vendor hat sich wie bei den anderen Betroffenen als wenig Hilfreich herausgestellt. Auf der Suche nach einer Lösung sind wir über ein befreundetes Unternehmen auf die Metoda GmbH aufmerksam geworden. Diese ermöglichte uns ganz neue Einsichten in unsere Produktlinien, die uns bei den Verhandlungen mit Amazon Vendor nach vorne brachten.
Zitieren
#3 Lilly 2017-02-01 11:57
Ich kann den Artikel und die beiden vorherigen Kommentare bestätigen. Genau die gleichen Erfahrungen. Das schlimme an der ganzen Sache ist, dass der Verwaltungsaufw and mit Amazon so gewaltig ist, dass sich die Kosten überhaupt nicht mehr deckeln lassen. Angefangen von der Kommissionieren , Buchhaltung, Rücksendungen usw. Wir hatten uns viel erhofft von einer Partnerschaft mit dem größten Onlinehändler und die gesamte Mannschaft ist nur noch gefrustet, wenn sie "Amazon" hört. Jeder versucht einen Bogen zu machen, sobald irgendetwas mit "Amazon" in unser Unternehmen gelangt.
Schade eigentlich, aber nach der nun mal bekannten Bestätigung werden wir auch unsere Verträge kündigen. Gott sei Dank sind wir der Hersteller selber und so kann man uns nur durch Konkurrenz ersetzen. Dafür tun uns unsere Händler leid, die dieses Theater durchmachen müssen. Da ist es bei Ebay tausendfach einfacher.
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.

Meistgelesene Artikel