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„Es ist Platz für viele Gewinner“

Interview mit Markus Schöberl, Amazon Director Seller Services

Veröffentlicht: 26.11.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 25.11.2019
Markus Schöberl

Amazon agiert sowohl als Online-Händler als auch als Plattform für Drittanbieter. Das Unternehmen muss damit einen Balance-Akt zwischen dem eigenen Geschäft und der Stärkung der Händler meistern. Mit dafür verantwortlich ist Dr. Markus Schöberl, Director Seller Services Germany bei Amazon. Wir haben mit dem Manager über den Amazon Marketplace, die Rolle des Unternehmens und der Kritik, der sich das Unternehmen ausgesetzt sieht, gesprochen.

OnlinehändlerNews: Herr Schöberl, Sie sind bereits seit 2011 bei Amazon Deutschland. Wie war damals der Einstieg bei dem größten Online-Händler Deutschlands und wie hat sich das Unternehmen in Ihren Augen in den vergangenen Jahren verändert?

Markus Schöberl: Der hundertprozentige Fokus auf die Kunden hat mich immer fasziniert. Täglich fragen wir uns, ob wir unserem Anspruch einen Schritt nähergekommen sind: das kundenorientierteste Unternehmen der Welt zu sein. Und in meiner Rolle darf ich das gleichzeitig für zwei verschiedenen Kundengruppen machen – Endkunden und Verkaufspartner auf dem Amazon Marktplatz. Abgesehen von dieser Mission haben sich seit 2011 aber einige Dinge verändert. Damals hatten wir zum Beispiel viel weniger Mitarbeiter, heute sind wir mehr als 18.000 Festangestellte in Deutschland. Und 2011 kamen nur ca. 38% der weltweit auf Amazon verkauften Produkte von anderen Anbietern, heute sind es weit mehr als die Hälfte. Seit meinem Start bei Amazon haben wir für unsere Partner und Kunden auch viele neue Programme gestartet wie Amazon Handmade, speziell für Kunsthandwerker, Amazon Launchpad für StartUps, Amazon Business für gewerbliche Anbieter, Prime durch Verkäufer, das Verkaufspartner ermöglicht, ihr Sortiment im Eigenversand als Teil von Amazon Prime anzubieten, und insbesondere auch sehr viele Investitionen getätigt, um das Verkaufen bei Amazon zu internationalisieren und damit auch kleinen Anbietern ein Schaufenster in die ganze Welt zu bieten.

„Wir bieten Händlern die Möglichkeit, über uns Millionen Kunden zu erreichen“

Wie schwierig ist es, die Balance zwischen dem Marktplatz, auf dem die Händler aktiv sind, und Amazon als Online-Händler selbst zu halten?

Am Ende profitiert der Kunde und das ist das Allerwichtigste. Selbst Online Händler zu sein hilft dabei, ständig an Verbesserungen zu arbeiten und auch kostspielige Innovationen auszuprobieren, die sich die Verkaufspartner selbst vielleicht nicht leisten können würden – dann am Ende aber davon profitieren (z.B. auch bei Amazon in Australien, Japan oder der Türkei zu verkaufen). Gleichzeitig „treten die Verkaufspartner unserem Handelsgeschäft kräftig in den Hintern“ – wie Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos kürzlich in seinem Brief an die Aktionäre schrieb – und Kunden profitieren von dem großen Sortiment, der Vielfalt und günstigen Preisen. Weltweit stammen mehr als 50 Prozent der bei Amazon verkauften Produkte von kleinen und mittleren Unternehmen. Dabei wächst der Umsatz von Drittanbietern schneller als Amazons eigenes Handelsgeschäft.

Der Erfolg anderer Verkäufer auf Amazon ist für uns sehr wichtig, denn nur so können wir ein möglichst breites Angebot gewährleisten. Wir hingegen bieten Händlern die Möglichkeit, über uns Millionen Kunden zu erreichen. Für die Händler hat das Internet Grenzen gesprengt: Einst lokale Läden verkaufen heute in alle Welt, wie etwa das älteste Spielwarengeschäft Deutschlands, Carl Loebner aus Torgau in Sachsen: Der Laden stand kurz vor dem Aus, bevor er in den Online-Handel einstieg und zu neuem Leben erwachte. Heute macht das Geschäft fast seinen ganzen Umsatz online (98%). Auch dem Unterwäschen-Produzent HERMKO aus der Schwäbischen Alb drohte das Ende. Vor fast zehn Jahren (2010) experimentierte das Unternehmen daher erstmals mit dem Verkauf über Amazon. Mittlerweile versendet HERMKO pro Tag zwei Lkw-Ladungen. Diese Geschichten illustrieren, wie Amazon und die Verkaufspartner gemeinsam erfolgreich sein können.

In der Vergangenheit haben sich auch Marktplatz-Händler gemeldet, die sich von Amazon ungerecht behandelt fühlten. Vorwürfe wurden laut, dass Amazon beliebte Produkte von Marketplace-Händlern kopiert und selbst zu Kampfpreisen anbietet. Auch Kontosperrungen sind ein leidiges Thema unter den Händlern. Riskiert Amazon es, seine Marketplace-Händler zu verprellen?

Zunächst mal: Unsere Richtlinien verbieten es, Daten von Händlern zu nutzen, um eigene Produkte zu entwickeln. 

Was die Frage nach gesperrten Konten angeht: Das passiert nur aus sehr gutem Grund. Wir bieten unseren Partnern viel, verlangen dafür aber auch, dass sich alle an dieselben hohen Standards halten. Unser Ziel ist ein „Level Playing Field“ auf Amazon für alle Händler: Also gleiche Regeln, die für alle gelten. Wer die Regeln bricht, verhält sich zunächst einmal unfair gegenüber der großen Mehrheit der Händler, die das nicht tut. Und darauf reagieren wir natürlich.

Wie reagiert Amazon auf Kritik?

Amazon wurde in der Vergangenheit immer wieder wegen vermeintlich schlechter Arbeitsbedingungen kritisiert. Wie hat das Unternehmen auf diese Kritik reagiert?

Indem wir konsequent klarstellen, dass wir ein sehr guter, verantwortungsvoller Arbeitgeber sind. Die Vorwürfe sind schlicht und ergreifend falsch und werden durch Wiederholung nicht richtiger. Wir bezahlen am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist. Nehmen Sie etwa das Gehalt für Versandmitarbeiter: Das beträgt im Einstieg je nach Region fast 11 Euro die Stunde (10,78 Euro brutto). Dazu kommen diverse Zusatzleistungen. Und wir fördern eine offene Kultur auf Augenhöhe und behandeln jeden mit Respekt. Ich kann Sie nur einladen, sich selbst ein Bild zu machen. Jeder kann an einer kostenlosen Besucherführung teilnehmen, die wir aktuell in vier deutschen Logistikzentren zweimal am Tag anbieten.

Mit Amazon Smile haben Sie ein Programm gestartet, um gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Was ist die gesellschaftliche Verantwortung, die Amazon Ihrer Meinung nach hat?

Wir bei Amazon haben eine Mission: Wir möchten das Leben unserer Kunden vereinfachen, und das auf ganz unterschiedliche Weise – auch wenn es um die Hilfe für andere geht. Deshalb bieten wir unseren Kunden zum Beispiel mit Amazon Smile die Möglichkeit, einer sozialen Organisation ihrer Wahl ganz unkompliziert und ohne Aufwand oder Kosten etwas Gutes zu tun.

Darüber hinaus engagieren wir uns vielfältig lokal und unterstützen die „Tafeln“ oder kooperieren mit Innatura. Wir stellen zudem unsere Erfahrungen und unser technologisches Know-how auch der Zivilgesellschaft und Unternehmern zur Verfügung, etwa durch unsere Förderprogramme „digital.engagiert“ oder „Unternehmerinnen der Zukunft“.

Vielen Dank für das Gespräch!


OHM Q4 alle titelthemen Artikelbild 700x467 1

Dies ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe Q4/2019 des Onlinehändler Magazins. Im weiteren Verlauf des Interviews geht es auch um die stationären Bemühungen von Amazon und der Umgang des Unternehmens mit seinen Händlern.

Auf 150 Seiten gibt es außerdem viele weitere spannende Artikel rund um die Themen Online-Betrug, Retouren und Abmahnungen. Die aktuelle Ausgabe des Magazins hält zusätzlich ein großes Amazon-Special bereit mit allem, was Händler über den Verkauf auf dem Marktplatz wissen müssen.

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Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Michael Pohlgeers

Kommentare  

#1 ein Amazon-Händler 2019-12-07 07:30
Die beste der Lügen, die hier erzählt werden, ist "Wir behandeln jeden mit Respekt."
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