Ama-Zone

Trinkgeld-Klau bei Amazon – einfach nur beschämend!

Veröffentlicht: 03.11.2021 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 10.11.2021
Lange Nase: Riese lockt kleine Leute mit Lügen

In der Reihe „Ama-Zone“ grübelt Tina Plewinski über die vielfältige Welt von Amazon: über Vor- und Nachteile des Online-Riesen, neue Entwicklungen, trendige Hypes, die unablässigen Machtbestrebungen des Konzerns und – im aktuellen Teil dieser Reihe – über das würdelose Verhalten von Amazon bei Trinkgeldern.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber Trinkgelder gehören für mich zu einem guten Service einfach dazu. Egal ob im Café, in der Werkstatt, bei einer Reparatur in der Wohnung oder wenn mir nach einem harten Arbeitstag jemand eine Pizza liefert – wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme und mich gut umsorgt fühle, gebe ich Trinkgeld. So dürfte es auch vielen Kunden gegangen sein, die den Lieferanten von Amazon Flex Trinkgelder gegeben haben. Sie wollten die gute Arbeit der Angestellten belohnen. Allerdings landete das Geld schließlich gar nicht als Obolus bei den Kurieren.

Amazon prellt Flex-Kuriere um Millionen

Während Amazon seinen US-amerikanischen Flex-Fahrern zunächst 100 Prozent der Trinkgelder versprochen hatte – und zwar zusätzlich zum Stundenlohn von 18 bis 25 Dollar –, änderte der Konzern 2016 heimlich seine Abrechnungsweise. Im Rahmen einer Untersuchung fand die Bundesbehörde „Federal Trade Commission“ (FTC) schließlich heraus, dass Amazon den Lohn der Kuriere kürzte und dann mit den Trinkgeldern aufstockte, berichtet Heise.

Mittlerweile hat Amazon die korrekten Auszahlungen der Trinkgelder wieder aufgenommen und zudem mit der FTC einen Vergleich geschlossen: Demnach muss der Konzern satte 62 Millionen Dollar an unterschlagenen Trinkgeldern doch noch auszahlen. So weit, so gut für die geprellten Kuriere. Doch es darf durchaus die Frage gestellt werden: Wie dreist kann man eigentlich sein? Und eine weitere, nicht weniger relevante Frage:

Wo bleibt die Würde?

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Trinkgelder für jene, die sie erhalten, in vielen Fällen nicht nur ein netter Obolus sind, sondern sogar notwendiger Bestandteil ihres Einkommens. Gerade in solchen Berufen, die gemeinhin als eher weniger gut bezahlt gelten, sind die Menschen oft auf den Bonus durch Trinkgelder angewiesen. Ob Fahrradkurier*innen, Kellner*innen, Reinigungskräfte, Wach- oder Service-Personal … die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Über den absolut notwendigen Einkommensfaktor hinaus ist Trinkgeld in meinen Augen jedoch noch etwa anderes: nämlich Dank und Wertschätzung. Wertschätzung der Arbeit, die man selbst nicht ausrichtet. Wertschätzung von Freundlichkeit, Schnelligkeit, guter Umsetzung oder einer Kombination aus allem.

Die Unterschlagung des Trinkgeldes durch Amazon ist somit nicht nur ein Eingriff in die finanzielle Entlohnung der Kuriere, sondern ein Angriff auf die Würde der Fahrer*innen. Für ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen wie Amazon, das sich als Wunsch-Erfüller und Alltagsstütze präsentiert, einfach nur peinlich und ein echtes Armutszeugnis! Fröhliches Shopping!

Über die Autorin

Tina Plewinski
Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Tina Plewinski

Kommentare  

#1 Händler u. Konsument 2021-11-06 10:39
Über Amazon die Frage nach der Würde zu stellen, ist das beste was ich seit langem gehört habe. Ich bin vor ca. 5 Jahren als Onlinhändler aus diesem System ausgestiegen. Wer das System kennt und trotzdem mitmacht ist sein Elend einfach selber Schuld. Ob Käufer oder Händler. Hier wirst du in ein Hamsterrad gesteckt und mußt rennen bis das du platt bist. Jeffi hat nie genug, nie. Übriglassen wird er dir auch nichts. Siehe Trinkgeld.
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