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Tipps vom E-Commerce-Grinch für weniger Umsätze

So vergraulen Händler ihre Kunden effektiv zu Weihnachten

Veröffentlicht: 16.10.2019 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 16.10.2019
Frau mit Weihnachtsmütze, die schreit

Leises Schneerieseln und heimelige Deko sind nichts für Sie? Weihnachtliche Feststimmung treibt Sie in den Wahnsinn? Wenn Sie noch einmal „Last Christmas“ hören müssen, rammen Sie sich einen Löffel in die Ohren? Und überhaupt: Sie hassen Weihnachten und pfeifen auf weihnachtliche Umsätze rund um die Festtage? 

Das ist gar kein Problem! Wir haben nämlich den grummelnden Grinch gefragt, wie man kauffreudigen Kunden über die Weihnachtszeit mal so richtig eins auswischen kann. Herausgekommen sind zehn handfeste Tipps für Online-Händler, mit denen diese garantiert auch die bestgelaunten Kunden vergraulen können. 

(– Achtung! Nur zum Nachahmen geeignet, wenn Sie auch WIRKLICH keine Lust auf steigende Umsätze haben und Abmahnungen durch andere nicht abgeneigt sind!)

1. Ein Schlag gegen die Weihnachtsstimmung

Festliche Banner und dekorative Designelemente sind nur was für Weihnachts-Luschen. Das haben Sie gar nicht nötig! Halten Sie Ihren Online-Shop einfach ganz clean, ohne Schnick-Schnack und Deko. So kommen Ihre Kunden auch wirklich nicht in weihnachtliche Stimmung und erst recht nicht in einen saisonalen Kaufrausch.

Sie fürchten, dass ein schmuckloses Design womöglich die Kunden nicht aufhält und diese vielleicht trotzdem ihre Weihnachtseinkäufe bei Ihnen tätigen? Dann haben wir hier noch drei etwas radikalere Tipps für Sie:

Pro-Tipp 1: Der Weihnachts-Overload

Weihnachtliche Stimmung kann Kunden nicht nur vorenthalten, sondern auch ausgetrieben werden – durch Penetranz und Überfülle. Geben Sie Gas und überfluten Sie Ihren Shop mit weihnachtlichen Abartigkeiten: Überbordende Weihnachtsdeko und blinkende Bilder können dabei ein Anfang sein. 

Erinnern Sie sich vielleicht noch an die absurden Designs aus den Anfangszeiten des Online-Handels? An fallenden Schnee, der ohne Unterlass über die Bildschirme rieselte und die User in einen digitalen Grau-... äh… Weißschleier hüllte? – Genau das könnte Sie auch vor nervigen Weihnachtskunden bewahren! Grundsätzlich können Sie an dieser Stelle Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Albtraumhaft schnulzig wäre doch vielleicht auch ein kleines Rentier als Mauszeiger. Oder eine selbststartende Weihnachtsmusik im Hintergrund! Und eines sollten Sie nicht vergessen: Halbgare Billig-Designs dürften hier natürlich mehr Wirkung zeigen als professionelle Stock-Grafiken.

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Pro-Tipp 2: Sommer statt Winter 

Eine kleine Abwandlung der völligen Ausblendung von Weihnachten ist die Setzung eines anderen Fokus: Wie wäre es beispielsweise, wenn Sie konträre saisonale Designs nutzen, um gegen die penetrante Weihnachtsstimmung vorzugehen? – Frühlingshafte Krokusse, österliche Hasen oder sommerliche Szenerien verwirren die User und halten diese eventuell vom Weihnachtsirrsinn ab.

Pro-Tipp 3: Wir sehen uns nach Neujahr

Die radikalste Variante, sich vor weihnachtsliebenden Shoppern zu schützen, ist wahrscheinlich die Schließung des eigenen Online-Shops. Seien Sie ein Vorreiter und zeigen Sie der stressgeplagten Konkurrenz, wie man das sogenannte „Fest der Liebe“ ganz stressfrei übersteht: durch Abwesenheit. Nur Mut!

2. Unkonkrete Lieferangaben

Nichts verunsichert Kunden in der Vorweihnachtszeit mehr als unkonkrete Lieferangaben. Nicht umsonst hatte Amazon in den vergangenen Jahren eine Neuerung eingeführt und bei Produkten externer Händler teils die Anmerkung „Lieferung eventuell nach Weihnachten“ hinterlegt – ganz zum Verdruss der gebrandmarkten Händler. Drehen Sie dieses Mal den Spieß doch einfach um und markieren Sie die Angebote im eigenen Shop selbst mit einem entsprechenden Verweis. Dann dürfte den Kunden die Shopping-Laune ordentlich vergehen.

3. Pfeifen Sie auf extraschnelle Lieferservices

Um auch wirklich ganz sicher zu gehen, dass Kunden nicht von Ihnen erwarten, in schweißtreibenden, saisonalen Stress zu verfallen, verzichten Sie auf extraschnelle Lieferungen. Machen Sie das bekannte Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ zu Ihrem weihnachtlichen Mantra, das Sie sich immer vorsagen können, wenn die verflixte Weihnachtszeit Ihnen den Puls hochzutreiben droht. Dazu ein Tässchen Tee und immer mal ein Schläfchen zwischendurch, dann sieht die Welt schon wieder ganz weniger abschreckend und strapaziös aus. 

Um ganz sicher zu gehen, verweisen Sie von Anfang an auf potenzielle Zustellprobleme in der Logistikszene, die durch das hohe Paketvolumen gegen Ende des Jahres aufkommen. Ein wenig subtiles Schildkröten- oder Schnecken-Bild wird zu guter Letzt auch dem naivsten Kunden noch deutlich vor Augen führen, wohin er sich seine übersteigerten Zustell-Erwartungen stecken kann ... 

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4. Verlängertes Widerrufsrecht? – Von wegen!

Der vierte Grinch-Tipp schließt sich nahtlos an den dritten an, denn auch hier geht es um die überkandidelten Kundenwünsche zur Weihnachtszeit. Manche Unternehmen bieten den Kunden über die festliche Zeit nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsfrist, sondern erweitern den Zeitraum für mögliche Retouren sogar bis Ende Januar. Doch die einzige „Erweiterung“, die Kunden von Ihnen erwarten sollten, ist Ihr wachsendes Unverständnis über die Unverschämtheit weihnachtlich verträumter Kundenwünsche.

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5. Ein Kanal ist mehr als genug

Einen eigenen Online-Shop, Marktplatz-Shops, Facebook- und Instagram-Kanäle und und und. Die Anforderungen an Online-Händler sind heutzutage lächerlich hoch – und zwar auch ohne übersteigerte Weihnachtserwartungen. Um für die Kunden immer und überall erreichbar zu sein, müssten Sie sich schon diverse Scheiben von sich abschneiden und eigene Klone züchten. Und da man aus alten SciFi-Filmen bereits weiß, welche skurrilen Dinge mit Klon-Armeen geschehen können, lassen Sie davon am besten tunlichst die Finger und beschränken sich auf einen Kanal.

6. Keine Rabatte, keine Anreize

Wie kommen Weihnachts-Shopper erst so richtig in Fahrt? Richtig: durch satte Rabatte und saisonale Angebote. Doch wenn die Kunden glauben, dass Sie sich mit solchen unrentablen Strategien ins Unglück stürzen, haben sie sich geirrt! Vielleicht sollten Sie die Preise sogar deutlich höher schrauben, um noch exklusiver zu wirken. Damit hätten Sie auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Einen Versuch wäre es wert.

Pro-Tipp für Kamikaze-Händler:

Wenn Ihnen rechtssicheres Handeln und potenzielle Abmahnungen egal sind, dann werben Sie doch mit ausgedachten Streichpreisen. „Gestern noch 19,99 Euro, heute nur 18,49 Euro“ klingt ja wahrlich nicht sonderlich aufregend. Überlegen Sie sich einfach horrende Mondpreise: „Gestern noch 99 Euro, heute nur 19 Euro“ ist doch viel dramatischer. Und das Ganze hat noch einen weiteren Vorteil: Auf diese Weise kommen Sie nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit in den Geschmack, sich intensiver mit Juristen und Gerichten zu befassen. Da lernen Sie vielleicht noch Neues!

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7. Ja nicht inspirieren!

Manche Kunden haben einfach keine Ahnung, was sie ihren Liebsten zu Weihnachten schenken sollen. Manche Händler setzen daher auf Inspiration. Das bringt allerdings oft nur Ärger und weitere Anfragen oder Wünsche mit sich. Verzichten Sie daher auf alle Inhalte, die die Kunden zum Kaufen anregen oder inspirieren könnten. Geschenkefinder? Produktfilter? Nicht mit Ihnen! 

Pro-Tipp: Versteck-Spiel:

Auch die Usability kann Ihnen dabei helfen, kauffreudige Kunden loszuwerden. Verstecken Sie einfach die Kaufen-Button – entweder durch unscheinbare Farben oder Abstinenz. So machen Sie das Shopping zu einer echten Herausforderung.

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Pro-Tipp für humorvolle Händler:

Sie haben einen hervorragenden Sinn für Humor und wollten den Produktfilter schon immer mal für Späße nutzen? Dann sollten Sie bei der Einordnung Ihrer Artikel unbedingt kreativ agieren. Was meinen Sie, wie Ihre Kunden staunen, wenn diese im Bereich Lebensmittel auf einmal Toilettenbürsten finden oder im Erwachsenen „Toy“-Bereich auf In-Ear-Kopfhörer treffen?! Verwirrte Kunden kaufen sicher weniger. Überraschen Sie sich und andere!

8. Bloß keine Werbung 

Der achte Tipp baut auf den siebenten Tipp auf. Denn natürlich bieten Werbeanzeigen in den meisten Fällen auch Inspiration und Kaufanreize. Verzichten Sie daher auf jedwede Werbetrommeln. Wer Ihre Produkte zu schätzen weiß, kommt auch von allein!

Pro-Tipp: Wer Wind sät ...

Sie können die Sache natürlich auch von der anderen Seite angehen. Die Kunden wollen Werbung? Sollen Sie kriegen! Ständig aufploppende, übergroße PopUps, die verhindern, dass man reibungslos einkaufen kann; oder haufenweise Newsletter bis spät in die Nacht. So werden sich Ihre Kunden gewiss zweimal überlegen, Sie über Weihnachten mit Besuchen zu behelligen.

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9.  Fehlender Service bringt weniger Kunden

Geschenke einpacken lassen oder Grußkarten hinzufügen: Das sind beliebte Zusatzoptionen, die Kunden rund um die Festlichkeiten gern hinzubuchen. Was einige Händler als Kundenbindungsstrategie für sich nutzen, könnte Ihnen blutige Schnittwunden und deutlich mehr Aufwand bescheren. Lassen Sie lieber die Finger davon.

Pro-Tipp: Das Bobbycar-Prinzip

Für gewitzte, weihnachtshassende Händler gibt es auch eine nachhaltigere Strategie: Bieten Sie einen Einpackservice an und wickeln Sie die Weihnachtspräsente doch einfach in Hasenpapier. Oder Sie packen die Geschenke derart ein, dass es aussieht, als hätte ein Zweijähriger sie verpackt, der anschließend mit seinem Bobbycar drübergefahren wäre. Das wird den Kunden eine Lehre sein, noch einmal von Ihnen Derartiges zu verlangen.

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10.  Sie lassen die Regale leerlaufen 

Noch besser als keine Inspiration, keine Angebote, keine Werbung, keine Extra-Services und keine Weihnachtsstimmung ist nur noch eins: KEINE PRODUKTE. Wer keine Produkte auf Lager hat, wird von Kunden auch nicht belästigt. Problem gelöst!

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Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Tina Plewinski

Kommentare  

#2 Alex 2019-10-18 04:08
Made my day
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#1 Holger Lapp 2019-10-17 10:52
Guten Tag Frau Plewinski,

vielen Dank für ihre Tipps. Auf manche wäre ich nicht gekommen.

Aber mal Spaß beiseite.

Sie reden immer nur von Umsätzen, entscheidend sind aber die Gewinne. Das blenden sie vollkommen aus.
Insofern verzichte ich gerne auf sagenhafte Umsätze, generiert durch Super-Rabatte, wenn der Rohertrag u.U. nicht mal dazu reicht, die Gebühren der Marktplätze bezahlen zu können.

Es ist richtig, ich habe keine Lust auf nur steigende Umsätze, noch tollere Kundenrabatte und das ganze abgerundet mit ewig langen Widerspruchsfristen.

Hat nicht gerade eben dm-Drogerie seine Philosophie bezüglich der Preise geändert.
Von Umsatz alleine hat noch kein Mensch leben können.

Ich habe, aus ihrer Sicht leider, nur Interesse an steigenden Gewinnen.

Ihr vorgeschlagenes Amazon-Prinzip funktioniert, wie man am Beispiel Amazon, Zalando und einigen anderen big Playern des Online-Handels sieht, nämlich nur, wenn man jahrelang treue Geldgeber hat, die über die hunderte von Millionen Verlust, die diese Firmen in den ersten Jahren produziert haben, großzügig hinweg sehen. Deren Wette besteht in aller Regel aus dem irgendwann folgendem Börsengang.
Allen anderen, die über ihre Hausbank finanzieren (müssen), wäre der Geldhahn schnellstens abgedreht worden.
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