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Kolumne: It’s the economy, stupid

Veröffentlicht: 27.02.2015 | Autor: Giuseppe Paletta | Letzte Aktualisierung: 27.02.2015

Es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht eine Studie vom Ladensterben in deutschen Innenstädten spricht. Schuld soll dabei oft der Online-Handel sein, mal spricht man dann vom „Zalando-Effekt“, von „Online-Angreifern“ oder gar vom „Laden-Killer“. Eine aktuelle Studie, die nur der WirtschaftWoche exklusiv vorliegen soll, hat nun sogar 25 Städte ermittelt, die besonders vom Online-Handel bedroht sein sollen. Allein nur, wie so oft, greift die Studie zu kurz.

Die ewige Mär vom „bösen“ Online-Handel

Dabei handelt es sich allerdings nur um Städte zwischen 20.000 und 100.000 Einwohner. Größere Städte wurden von der Studie nicht beachtet, wohl da sie vom Online-Handel nicht „bedroht“ sein sollen. Der Autor der Studie, Jörg Funder, der selbst mal im Einzelhandel gearbeitet haben soll, damals u.a. für Arcandor, hatte 2009 schon vorausgesagt, dass die meisten Kaufhaus- und Kaufhof-Warenhäuser in Deutschland schließen würden. Damals sah Funder allerdings den Übeltäter noch nicht im Online-Handel, sondern in „Spezialisten“ und „Billiganbieter“.

Und wenn es leider auch tatsächlich stimmen mag, dass einzelne Läden in Städten wie Meiningen, Wilhelmshafen, oder auch Pirmasens schließen müssen: Die ewige Mär vom bösen Online-Handel, der deutsche Innenstädte leerfegt, ist wie oft gesagt wurde, zu kurz gegriffen.

Auch kleine Einzelhändler können online

Denn auf der anderen Seite gibt es Erhebungen, zum Beispiel vom Einzelhandelsverband HDE, die belegen, dass viele Einzelhändler leider auch den digitalen Wandel nicht erkennen. In einer Umfrage hat der HDE beispielsweise herausgefunden, dass 70 Prozent der Einzelhändler auf das Internet als Vertriebsweg prinzipiell verzichten würden.

Und das, obwohl zum Beispiel das Bundeswirtschaftsministerium mit der Digitalen Agenda versucht, den digitalen Wandel auch in der Wirtschaft zu fördern. Nicht zu vergessen, dass sich insgesamt die Handelsumsätze weg vom Einzelhandel, hin zum Online-Handel hin verschieben, ganz einfach deshalb, weil immer mehr Produkte bequem online gekauft werden können.

Es gilt dies zu erkennen, entweder als einzelner Händler, oder zum Beispiel im Rahmen einer Förderung durch die Stadt selbst, wie es gerade die Stadt Wuppertal vormacht. Dort werden Einzelhändler, die auch das Internet als Vertriebsweg ausprobieren möchten gefördert, und es scheint sich auch für die kleinen Geschäfte zu lohnen. Erste Händler berichten schon von steigenden Umsätzen.

Kommentare  

#4 Redaktion 2015-03-06 13:45
Hallo Herr Budig,

vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen. Sicherlich ist dieser Spagat eine riesige Herausforderung und wir verstehen, dass nicht nur Sie, sondern auch viele andere damit Probleme haben. Vor allem, wenn Sie alles alleine schaffen müssen. Wir danken Ihnen für diese Einblicke und wünschen Ihnen trotz allem alles Gute für die Zukunft.


Die Redaktion
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#3 Robert Budig 2015-03-06 13:07
Sehr geehrter Herr Paletta,

stationären Einzelhandel und Online-Handel gleichzeitig zu betreiben, ist wirklich eine kräfteraubende Angelegenheit. Ich praktiziere das jetzt seit über 10 Jahren mit zunehmender Tendenz zum Onlinehandel.
Es ist zeitlich sehr schwierig, jeden einzelnen Artikel für die Online-Vertrieb swege zu fotografieren und zu beschreiben und gleichzeitig die Kunden im Einzelhandel zufriedenstelle nd zu betreuen. Auch ich werde in naher Zukunft die Entscheidung treffen müssen, ob ich zweigleisig weitermachen kann. Ich halte jetzt schon an 2 Tagen das Geschäft geschlossen um das Versandaufkomme n bewältigen zu können, eventuell werden weitere Tage folgen bis ich den Laden für Publikumsverkeh r gar nicht mehr aufmachen werde. Dann kann ich die Werbeschilder abmachen und die Schaufenster verhängen, beim Arbeiten muss mir dann auch keiner mehr zusehen. Ladengeschäfte, die nur dazu dienen, dass sich Interessierte vor Ort kostenlos informieren und beraten lassen können, um dann doch online beim günstigten Mitbewerber zu kaufen, sind wirtschaftlich nicht zu halten. Und somit kommen wir doch zur Verödung der Innenstädte und zwar nicht nur der kleinen. Aber Friseure, Imbissbuden, Spielhallen und Wettbüros machen das Straßenbild ja auch bunt.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Budig
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#2 Redaktion 2015-03-04 16:42
Hallo Herr Heimes,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Da dies eine Kolumne ist, ist der Inhalt rein subjektiv und präsentiert die Meinung eines Einzelnen. Dass Sie vielleicht anderer Ansicht sind als unser Autor, respektieren wir. Und lassen Sie uns gerne an Ihrer Ansicht teilhaben und berichten, welche Erfahrungen Sie machen.

Die Redaktion
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#1 Heimes 2015-03-04 15:28
Hallo,

genauso oberflächlich wie die Studie, ist dieser Kommentar.
Ohne fundiertes Wissen in Einkauf, Verkauf, Logistik, Gesetzeskenntni sse u.s.w., ist eine Beurteilung ob ein Einzelhändler Onlinehändler werden kann nicht möglich.
Fragen Sie mich mal. Ich habe seit über 20 Jahren beides.

Udo Heimes
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