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Kommentar

Tische und Stühle zur Miete: Ikea möbelt Unternehmen auf

Veröffentlicht: 26.06.2019 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 26.06.2019
Fliegende Möbel

Ikea hat einen neuen Service am Start: Der schwedische Möbelriese vermietet in der Schweiz künftig auch Möbel an Unternehmen. Dass der neue Dienst in der benachbarten Alpenrepublik und nicht etwa in Deutschland seine Anfänge nimmt, sei reiner Zufall. „Wir waren einfach ein bisschen schneller“, zitiert die Süddeutsche Zeitung einen Sprecher des Möbelriesen. Auch in anderen Märkten stünde man demnach kurz davor, ein solches Mietkonzept anzubieten.

Allerdings handele es sich dabei explizit auch um einen Test. Die Zielgruppe sei spezieller: „Studenten etwa, junge Berufstätige, oder, wie in der Schweiz: Firmenkunden“, heißt es weiter. Und gerade für junge Unternehmen könnte ein solches Angebot durchaus attraktiv sein: Wenn noch nicht sicher ist, wie schnell ein StartUp expandiert, wie viele Mitarbeiter in den kommenden Monaten tatsächlich benötigt werden oder wie massiv gewisse Standorte ausgebaut werden sollen, kann die vorübergehende Anmietung von Möbeln eine kostensparende Alternative sein. Dabei müssten sich Unternehmen dann auch weniger Sorgen darum machen, sich durch die Büroausstattung selbst zu übernehmen.

Otto, Tchibo und Media Markt legen vor, Ikea zieht nach

Zwar dürfte der neue Mietservice von Ikea in der Branche durchaus für Aufsehen sorgen, dennoch ist das Konzept weder innovativ noch außergewöhnlich. Vielmehr reiht sich Ikea in eine Riege von Unternehmen ein, die in den vergangenen Jahren ähnliche Konzepte im Online-Handel gestartet haben. Mittlerweile setzen nämlich nicht nur junge StartUps auf das Mietprinzip und damit auf eine Strategie der Nachhaltigkeit. Auch Traditionsunternehmen haben das Potenzial längst erkannt und entsprechende Strategien für die eigenen Kunden auf den Weg gebracht.

Beispiele gibt es einige: Das Traditionshaus Otto hatte Ende 2016 seinen Dienst „Otto Now“ gegründet, mit dem es Kunden möglich wird, Waschmaschinen, Smartphones oder Spielekonsolen zu mieten. Etwa ein Jahr später, Anfang 2018, wurde „Tchibo Share“ gestartet. Im Mittelpunkt stehen dabei Bekleidung, Accessoires oder auch Kinderspielzeug, die der Kaffeeröster an seine Kunden vermietet. Und auch die Tech-Größen Media Markt und Grover vermieten allerlei technologische Gerätschaften.

Miet-Services sind gut für die Umwelt und die PR!

Das Sprießen neuer Mietdienste aus dem Online-Boden kommt dabei nicht von ungefähr. Es kann kaum Zufall sein, dass so viele Unternehmen mit ähnlichen Konzepten aufwarten, ohne dabei auf sich verändernde Kundenbedürfnisse einzugehen. Der Ruf nach mehr Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit wird nämlich – zumindest gefühlt – immer lauter. Aktuelle Phänomene bewegen die Massen und sind Ausdruck dieses Trends: Man erinnere sich beispielsweise an die Tausende Menschen, die wochenlang gegen die Rodung des Hambacher Forsts demonstrierten. Oder die wöchentlich stattfindenden „Fridays for Future“, auf denen mittlerweile auch zum globalen Widerstand gegen Umweltverschmutzung aufgerufen wird. Es gibt sogar Forderungen, nach denen die 16-jährige Aktivistin Greta Thunberg als Symbolfigur für Klimaschutz den Friedensnobelpreis erhalten sollte. Die Nominierung steht jedenfalls.

All diese Beispiele zeigen, dass Klima- und Umweltschutz hochaktuelle Themen sind – und daraus ergeben sich auch für den Handel immense Potenziale. Viele stationäre Einzelhändler haben mittlerweile aufgehört, den Kunden umweltschädliche Plastiktüten kostenlos hinterher zu werfen. Viele Online-Unternehmen bieten Kunden auch die Möglichkeit eines „grünen“ (also CO2-neutralen) Versands an. Auch nachhaltige Verpackungskonzepte spielen eine immer wichtigere Rolle. 

Und die aufkeimenden Mietkonzepte sind ebenfalls ein Symptom dieser Entwicklung. Gut ist das nicht nur für den Handel im Allgemeinen, der dadurch vielfältiger wird. Und für die Kunden, die dadurch aus einem größer werdenden Angebot schöpfen können. Auch für die Unternehmen kann ein neues Mietkonzept durchaus positiv sein – einerseits, weil sie eben dem Zeitgeist entsprechen und sich demzufolge auch positiv auf das Image eines Unternehmens auswirken können. Andererseits, weil mit solchen Vermietungen auch die Kunden langfristiger gebunden werden können. Und besonders im B2B-Bereich, der oftmals noch lukrativer ist als der B2C-Sektor, könnte sich dies durchaus lohnen.

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