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Black Lives Matter

Wie sich E-Commerce- und Digitalfirmen gegen Rassismus engagieren

Veröffentlicht: 12.06.2020 | Autor: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 12.06.2020
Schwarz – Black Lives Matter

Rassismus und Polizeigewalt sind nicht neu, beide Themen erfahren jedoch aktuell weltweit Aufmerksamkeit wie selten zuvor. Der entscheidende Auslöser hierfür ist der Tod von George Floyd am 25. Mai 2020. Der 46-jährige Afroamerikaner wurde in Minneapolis (USA) durch eine gewaltsame Festnahme getötet, an der vier Polizeibeamte beteiligt waren. 

Die Szene wurde von Passanten gefilmt, das Video ging um die Welt. Es zeigt unter anderem, wie ein weißer Beamter mehr als acht Minuten lang auf dem Hals des Schwarzen kniet, während dieser immer wieder sagt, dass er nicht atmen könne. Mehrmals wiederholte Floyd dabei den Satz „I can’t breathe“. Ein Hilferuf, den unter anderem schon der Afroamerikaner Eric Garner im Jahr 2014 in einer ähnlichen Situation äußerte und der infolge von weißer Polizeigewalt verstarb. Worte, die auch zum Slogan der internationalen Bewegung „Black Lives Matter“ wurden, die sich seit ihrer Entstehung im Juli 2013 gegen Rassismus, Racial Profiling und (Polizei-)Gewalt gegen Schwarze bzw. People of Color (PoC) einsetzt und infolge der aktuellen Tat Proteste organisierte. Zunächst gab es – trotz der Corona-Pandemie – in 75 US-Städten Demonstrationen, Anfang Juni auch weltweit, hierzulande etwa am 6. und 7. Juni.

Auch zahlreiche Digital- und E-Commerce-Unternehmen reagierten auf die aktuellen Ereignisse. Ihre Reaktionen reichen von Solidaritätsbekundungen über Spenden bis hin zu konkreten Antidiskriminierungsmaßnahmen. Während viele Aktionen als positiv bzw. Schritt in die richtige Richtung aufgefasst werden, gibt es auch Kritik an der Glaubwürdigkeit des jeweiligen Aktionismus sowie konkrete Rassismusvorwürfe.

Amazon-Chef Bezos: „Du bist die Art Kunde, die ich gern verliere“ 

Amazon unterstützt mit einer Spende von 10 Millionen Dollar einschlägige Organisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen und das Leben von Schwarzen und Afroamerikanern verbessern. Die ausgewählten Empfänger wurden mit Hilfe des Black Employee Network (BEN) von Amazon ausgewählt, darunter die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) und National Urban League, wie Tamebay meldet.

Amazon-Chef Jeff Bezos hatte sich zudem persönlich auf Instagram zu der viel diskutierten Frage geäußert, warum es „Black Lives Matter“ und nicht „All Lives Matter“ heiße: „Ich habe einen 20-jährigen Sohn und ich muss mir keine Sorgen machen, dass er zu Tode erstickt wird, falls er eines Tages festgenommen werden sollte. (...) Schwarze Eltern können das nicht sagen“, veranschaulichte er die ungleiche Behandlung von PoC. Kurz darauf setzte er sich auch öffentlich damit auseinander, dass er mit seiner Unterstützung der BLM-Bewegung Kunden verliere – das tue er allerdings in diesem Fall gern, wie ein weiterer Post von ihm zeigt: 

Jüngst reagierte Amazon zudem auf eine weitere Kritik in diesem Zusammenhang. So steht die hauseigene Gesichtserkennungssoftware „Recognition“, die auch die US-Polizei nutzen soll, schon länger in der Kritik, rassistische und geschlechtsspezifische Vorurteile anzuwenden.

Nun setzte Amazon die Kooperation mit der US-Polizei für ein Jahr aus. „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Regierungen strengere Vorschriften erlassen, um den ethischen Gebrauch der Gesichtserkennungstechnologie zu regeln, und in den letzten Tagen scheint der Kongress bereit zu sein, sich dieser Herausforderung zu stellen“, zitiert der Amazon Watchblog hierzu eine Erklärung des Tech-Konzerns.

Facebook-Chef Zuckerberg: „Wir mussten das alle sehen“  

Seitens der sozialen Netzwerke gab es ebenfalls eindeutige Positionierungen gegen Rassismus – unter anderem wurde über diese Kanäle das Video von George Floyds Tötung geteilt. 

Darauf weist beispielsweise Mark Zuckerberg hin: „Um in diesem Kampf zu helfen, weiß ich, dass Facebook mehr tun muss, um Gleichberechtigung und Sicherheit für die schwarze Gemeinschaft durch unsere Plattformen zu unterstützen. So schwer es auch zu sehen war, ich bin dankbar, dass Darnella Frazier ihr Video von George Floyds Ermordung auf Facebook gepostet hat, denn das mussten wir alle sehen. Wir müssen den Namen von George Floyd wissen. Aber es ist klar, dass Facebook auch noch mehr zu tun hat, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass unsere Systeme keine Voreingenommenheit verstärken.“ Facebook spendete ebenfalls 10 Millionen Dollar an Antidiskriminierungsprojekte, setzt sich aktuell aber auch mit einigen Baustellen in Bezug auf die Redefreiheit auf der eigenen Plattform auseinander. 

Twitter hatte sich in dieser Hinsicht erst kürzlich eindeutiger politisch positioniert und Äußerungen von US-Präsident Donald Trump als gewaltverherrlichenden Inhalt markiert, als Trump Anti-Rassismus-Demonstranten als „Schurken“ bezeichnete und damit drohte, sie vom Militär erschießen zu lassen. Im Zuge der aktuellen Ereignisse erklärte Twitter-Support-Chef Donald Hicks zudem öffentlich: „Ich bin so stolz darauf, in einem Unternehmen zu arbeiten, das hinter #BlackLivesMatter steht! Wir sind hier, um zu helfen, auf jede erdenkliche Art und Weise“ – und auch das Design des eigenen Support-Channels passte das Unternehmen deshalb an.

Reddit-Gründer räumt seinen Posten im Vorstand

Noch einen deutlichen Schritt weiter ging die Aktion des Reddit-Mitgründers Alexis Ohanian. Er trat als Mitglied des Reddit-Vorstands zurück und drängte diesen, seinen Sitz mit einem schwarzen Kandidaten zu besetzen. Zudem will er zukünftige Gewinne aus seinen Aktien spenden, um der schwarzen Gemeinschaft zu dienen und Rassenhass einzudämmen. 

Netflix: Black Lives Matters meint auch, Geschichten von ihrem Leben zu erzählen

Auch Streaming-Anbieter Netflix äußerte bereits Ende Mai eine kurze Solidaritätsbekundung zum Tod von Floyd auf Twitter. Vor wenigen Tagen launchte das Unternehmen nun eine eigene Rubrik, in denen verschiedene Titel gesammelt wurden, „die nur ansatzweise die komplexen und vielschichtigen Geschichten über Rassenungerechtigkeit und Schwarzsein in Amerika erzählen“ würden. 

Unter dem Tweet, in dem Netflix diese neue Kategorie angekündigte, wird diese Art Hervorhebung der Produktionen zwar als ein guter Start angesehen. Diese Sendungen sollten jedoch nicht deshalb abgesetzt werden, weil sie nicht genug Views und damit Geld einbringen würden. Das gelte etwa für Serien wie Astronomy Club, Sense8 oder Anne with an E. Des Weiteren fordern viele Kommentatoren weitere konkrete Schritte von Netflix – etwa, auch deutlich mehr Hauptrollen mit schwarzen Frauen zu besetzen. Netflix räumte hier aber bereits vorab ein, „dass unser Engagement für einen echten, systemischen Wandel einige Zeit in Anspruch nehmen wird“. 

Google: Spenden, Schweigeminute und ein veränderter Sprachgebrauch in der IT  

Google- und Alphabet-CEO Sundar Pichai erklärte in einem Blogpost, dass er sich angesichts des aktuellen Leids der schwarzen Gemeinschaft mit einigen schwarzen Führungspersönlichkeiten des Konzerns ausgetauscht habe. Gemeinsam suchten sie nach Wegen, um „solidarisch mit den Menschen zu sein, die wir lieben“. Unter anderem rief Pichai hier dazu auf, gemeinsam für eine Dauer von 8 Minuten und 46 Sekunden all jenen Schwarzen zu gedenken, die ihr Leben verloren haben. „Die Länge der Schweigeminute steht für die Zeit, die George Floyd erlitt, bevor er getötet wurde. Sie soll als eine tiefe Erinnerung an das Unrecht dienen, das Mr. Floyd und so vielen anderen zugefügt wurde“, so Pichai. Darüber hinaus spendete Google 12 Millionen Dollar sowie zusätzlich garantierte Werbeplätze im Wert von 25 Millionen Dollar an Organisationen, die sich gegen rassistische Ungerechtigkeit einsetzen. Hier wolle Google auch technische Unterstützung leisten.  

Der Tech-Gigant hat das Thema Rassismus aber schon länger auf dem Schirm und vor mehreren Monaten eine Initiative angestoßen, die sich gegen die Nutzung alltagsrassistischer Begriffe in der IT- bzw. Software-Sprache wendet. Darauf verweist aktuell der GoogleWatchblog. Auch wenn bestimmte Bezeichnungen in der Fachwelt gängig wären, so erhalten diese angesichts aktueller Ereignisse und im Zuge der Aufklärung über Alltagsrassismus eine neue Gewichtung. Dies gelte etwa für „Blacklist“ und „Whitelist“ – Termini, die Google im Zuge des eigenen Browsers nutze. Ersterer steht für blockierte und zweiterer für zugelassene Inhalte. Um der Assoziation schwarz = schlecht und weiß = gut hier nicht weiter Raum zu geben, seien Entwickler künftig angehalten, von einer „Blocklist“ und einer „Allowlist“ zu sprechen.

Nike ändert seinen Slogan: Tu es nicht  

Sporthersteller Nike änderte kurzerhand seinen bekanntesten Werbeslogan „Just do it“. In einem einminütigen Video heißt es hier unter anderem: „Tu es ausnahmsweise einmal nicht“ („For once, Don’t Do It“). Anschließend wird die Forderung noch konkretisiert, unter anderem mit Aussagen wie „Gib nicht vor, dass es in Amerika kein Problem gibt. Dreh Rassismus nicht den Rücken zu.“ Das Unternehmen steckte hierfür auch direkt Kritik ein: So gebe es keine Schwarzen im eigenen Führungsteam, obwohl das Unternehmen „Milliarden mit schwarzen Sportlern und Verbrauchern gemacht hat“, bemängelt eine Twitter-Userin.

Doch inwieweit dies wirklich an Nikes Glaubwürdigkeit kratzt, darf zumindest auch infrage gestellt werden. So hatte Nike im Jahr 2018 Colin Kaepernik mit einem Werbespot supportet. Der NFL-Spieler war während der US-Nationalhymne niedergekniet, um offen die US-Polizeigewalt gegen Schwarze anzuprangern. Dadurch hatte er sich nicht nur dem Zorn konservativer Weißer ausgesetzt, sondern auch seine Karriere aufgegeben, war hierzu damals unter anderem im Spiegel zu lesen. Kein Verein der NFL wollte Kaepernik nach seinem friedlichen Protest mehr verpflichten. 

Adidas will mehr Schwarze beschäftigen

Clever und überzeugend auf den Post von Nike reagierte übrigens Konkurrent Adidas – und teilte diesen, getreu der darin enthaltenen Aufforderung „Let’s all be part of the change“ sogar selbst im eigenen Twitter-Feed mit den Worten „Gemeinsam kommen wir voran. Gemeinsam können wir Veränderungen herbeiführen.“

Auch Adidas war wie Nike für zu wenig Präsenz schwarzer Beschäftigter bzw. auch Schwarzen in Führungspositionen kritisiert worden. Jetzt erklärte der Sportartikelkonzern laut Welt, künftig mindestens 30 Prozent aller neuen Stellen bei Adidas und Reebok in den USA mit Schwarzen bzw. Beschäftigten mit lateinamerikanischen Wurzeln besetzen und sie stärker in Entscheidungsprozesse im Unternehmen einbinden zu wollen.  

Neben Adidas und Nike haben weitere Sport- und Outdoormarken öffentlich gegen Rassismus und Diskriminierung Stellung bezogen, darunter Puma, Arc'teryx, Patagonia oder The North Face.

Lego verzichtet auf Bewerbung von Polizei-Sets

Auch Klemmbaustein-Hersteller Lego hat mit einer Spende auf die Ereignisse zur Polizeigewalt reagiert und versprach, mit vier Millionen Dollar Organisationen zu unterstützen, „die sich um Schwarze Kinder kümmern und alle Kinder über Gleichheit aufklären“. Außerdem hatten sie aus Respekt vor dem #BlackoutTuesday – eine Protestaktion gegen Rassismus, bei der Nutzer statt sonst buntem Content schlicht gänzlich schwarze Bilder in sozialen Netzwerken posteten – spontan bei sich und Partnern auf ein Bewerben von Sets mit Polizeibezug verzichtet, wie BusinessPunk meldet

Ehemaliger Mitarbeiter wirft Zalando bei Model-Auswahl Rassismus vor  

Die weltweiten Proteste gegen Rassismus und Antidiskriminierung ermutigten jüngst auch den ehemaligen Zalando-Mitarbeiter und Art Director Fernando Torres, sich über Missstände bei dem Online-Modehändler zu äußern. Er war zu Zalando gekommen, um die Männerabteilung der Webseite „internationaler und diverser zu machen“, sei dann aber bei der Buchung schwarzer Models eingeschränkt worden, schreibt Business Insider zu dem Fall. In einem Instagram-Post hatte Torres entsprechende Vorkommnisse geschildert, etwa über eine rassistische Kollegin: „Eine Bookerin hat mir gesagt, dass viel zu viele Schwarze auf der Seite sind. Dann hat sie angefangen, deren Hautfarbe zu vergleichen.“ Sie hätte zudem nicht-weiße Kollegen ignoriert und rassistische Witze gemacht.  

Dies sei dem Bericht nach jedoch kein Einzelfall, auch die Studioführung und das Einkaufsteam seien durch Diskriminierung aufgefallen, Torres habe sich für die Buchung nicht-weißer Models rechtfertigen müssen. Die ehemalige Chefin des Zalando-Premium-Bereichs erklärte etwa auch, dass Retuscheure angehalten wurden, Bilder schwarzer Models zu bearbeiten und deren Haut aufzuhellen.

Zalando bedauerte den Vorfall, suchte das Gespräch mit Torres und erklärte später öffentlich, dass es eine interne Untersuchung der Vorfälle geben werde. Gegenüber Business Insider bekräftigte der Online-Händler: „Rassismus hat bei Zalando keinen Platz [...]. Vielfalt und Inklusion sind bei Zalando fest in der Unternehmenskultur verankert. Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem sich alle Menschen gleichwertig geschätzt, gehört und befähigt fühlen. Dies ist in unserem Ethikkodex, der für alle Mitarbeiter verbindlich ist, fest verankert.“

Statements gegen Rassismus: Zwischen PR-Aktion und Glaubwürdigkeit

Wie sollten Firmen öffentlich zu Rassismus Stellung beziehen? Keine einfache Frage. Auf den Punkt bringt die Schwierigkeit beispielsweise der Berliner Verlag Ein guter Plan und schreibt dazu auf Instagram unter anderem: „Einerseits: Als Firma politische Meinung äußern? Oft geheuchelt, flach und peinlich. Andererseits: Antirassismus ist keine Meinung, sondern Grundsatz der Menschenwürde.“

 
 
 
 
 
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Einerseits: Als Firma politische Meinung äußern? Oft geheuchelt, flach und peinlich. Andererseits: Antirassismus ist keine Meinung, sondern Grundsatz der Menschenwürde. . Einerseits: Wie viel Awareness braucht es auf Instagram? Wann ist der Punkt gekommen, an dem alle nur etwas zu Rassismus posten, weil er aktuell sichtbarer ist? Das Thema ist schließlich keineswegs neu. Es gibt Rassismus nicht erst seit dieser Woche. Wie viel Awareness-Schaffung führt dazu, dass darüber hinaus nichts mehr passiert? Stichwort Feel-Good-Aktivismus bzw. Slacktivism. Und wie viel Awareness wird nur in immer dieselbe antirassistische Bubble geschrien? Andererseits: Unsere Follower*innenzahl ist so groß, da erreichen wir eine große Bandbreite an Menschen, die sich mit der Thematik sonst gar nicht beschäftigen. . Einerseits: Ist jeder Bekundung von Antirassismus von kommerziellen Firmen nicht grundlegend eine Kommerzialisierung von sozialpolitischen Themen und damit kontraproduktiv? Andererseits: Bezugspunkte zu Rassismus und mentale Gesundheit gibt es genug, so dass wir doch glaubwürdig und mit echtem Mehrwert kommunizieren könnten? Schließlich kann man die eigenen Privilegien und den eigenen Alltagsrassismus nur durch ehrliche Selbstreflexion erkennen, eines unserer Schlüsselthemen . Einerseits: Wie können wir als sehr undiverse Firma uns herausnehmen, andere anzuleiten über Rassismus zu reflektieren? Andererseits: Dafür gibt es ja Expert*innen. Wir werden diese Woche als Team also ein Aufklärungsseminar Rassismus absolvieren und uns mit unseren eigenen Glaubenssätzen und Verhaltensweisen kritisch beschäftigen. Bitte habt Verständnis, dass es in dieser Zeit keine weiteren Postings von uns geben wird. Das ist für viele von euch sicher zu wenig, aber Rassismus ist ein stetiges Problem und wir wollen uns die Zeit nehmen, uns ausführlich und ganzheitlich damit zu beschäftigen. . Da das ganz schön viel Geschwurbel für ein Thema ist, das eigentlich keine Sprachlosigkeit haben darf: Als Teil des Netzwerkes "Verlage gegen Rechts" positionieren wir uns deutlich gegen Rassismus und finanzieren die Aufklärung über Rassismus in der Verlagsbranche.

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Vodafone hat auf Twitter ebenfalls einen Spot samt Stellungnahme zum Thema Rassismus in den sozialen Netzwerken gepostet – und scheut hier beispielsweise auch nicht die Auseinandersetzung mit den Usern, die dies als PR-Aktion kritisieren.

Nur wenige Unternehmen erfüllen selbst Antidiskriminierungsauflagen 

Der kritische Umgang zahlreicher Nutzer in sozialen Medien mit den Posts und Maßnahmen von Unternehmen rund um das Thema Rassismus zeigt klar, wie relevant für viele nicht nur eine eindeutige Positionierung zu gesellschaftlichen Themen, sondern auch entsprechende Taten sind. So reiche es oft nicht, dass nur die eigene Solidarität bekundet und Statements zum Thema abgegeben werden. Nicht selten gab es konkrete Aufforderungen, zu spenden oder selbst Antidiskriminierungsmaßnahmen umzusetzen. 

Diesbezüglich hätten auch deutsche Unternehmen offenbar noch Nachholbedarf, so die Auffassung eines Unternehmensberaters, der seit 15 Jahren Firmen zum Umgang mit Rassismus coacht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt der Coach Jürgen Schlicher, es gebe „eine ganze Reihe von Unternehmen, die seit Jahren beispielsweise über die Charta der Vielfalt angefangen haben zu sagen, wir brauchen so etwas wie diversity management. Und ein ganz kleiner Teil von denen, die das sagen, sagt auch: Und wir brauchen Antidiskriminierungsmaßnahmen bei uns im Unternehmen.“ So seien aus seiner Sicht eigentlich alle Firmen verpflichtet, Antidiskriminierungsbeauftragte zu haben und Mitarbeiter zu schulen – doch: „das ist tatsächlich nur ein ganz, ganz kleiner Teil, der diese Auflagen erstens erfüllt und das zweitens tatsächlich ernst meint“. 

Über den Autor

Hanna Behn Experte für Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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