Core Web Vitals & Nutzererfahrung

Google: Mehrheit der deutschen Webseiten erfüllt neue Anforderungen nicht

Veröffentlicht: 30.04.2021 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 11.05.2021
Google Suche auf Smartphone

Smartphones begleiten uns konstant im Alltag, immer öfter auch beim Shopping im Netz – die Corona-Pandemie hat dies noch zusätzlich befördert. Allerdings kaufen sieben von zehn potenziellen Kunden, die per Handy oder Tablet mit der Produktsuche beginnen, letztlich kein Produkt, zeigt etwa die Google-Studie „Mobile pains & incremental gains“. Die Gründe seien, so Google,  „beim überwältigenden Großteil“ der User eine schlechte mobile Nutzererfahrung. 

Um Webseiten, die eine vergleichsweise reibungslose Nutzung ermöglichen, verstärkt auch in der Google-Suche anzuzeigen, gehen mit dem sogenannten Page Experience Update spätestens ab Juni neue Faktoren ins Google-Ranking ein: Die sogenannten Core Web Vitals – drei Metriken, die messen, wie schnell die Webseite lädt (Largest Contentful Paint, LCP) oder auf Interaktionen reagiert (First Input Delay, FID) oder inwieweit sich das Layout verschiebt (Cumulative Layout Shift, CLS). 

Allerdings würden aktuell mehr als 97 Prozent der Websites in der deutschen Desktop-Suche und mehr als 85 Prozent in der mobilen Suche die drei Core Web Vitals Scores nicht erfüllen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Search- und Content-Marketing-Plattform Searchmetrics, für die zwei Millionen Websites in den Top 20 der Google-Suchergebnisse in Deutschland, den USA und Großbritannien analysiert wurden. Diese Seiten riskieren, dass ihre Rankings ab Juni negativ beeinflusst werden, lautet die Warnung der Suchmaschinenmarketing-Experten.

Gute Nutzererfahrung ist auch gut fürs Geschäft

Searchmetrics zufolge konnten lediglich jene Websites, die in den Suchergebnissen auf Platz zwei oder drei ranken, die erforderliche „gute“ Bewertung in den Core-Web-Vitals-Metriken erzielen. Dabei ergab die Analyse auch, dass Google bereits jene Webseiten belohnt, die gute Werte aufweisen, indem diese höher gerankt werden. Sobald das Update ausgerollt ist, könnten die Faktoren also noch mehr Einfluss auf das Seiten-Ranking haben, prognostizieren die SEO-Profis. 

„Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass es für die meisten Websites noch viel zu tun gibt, um ihre Usability auf Vordermann zu bringen“, führt Marcus Tober, Gründer und Chief Evangelist bei Searchmetrics aus, betont aber auch die Relevanz einer guten Nutzererfahrung: „Natürlich müssen sich E-Commerce- und andere Unternehmen darüber im Klaren sein, dass eine gute User Experience nicht nur ihre Google Rankings beeinflusst, sondern sich auch positiv auf ihr Geschäft auswirkt. Sie kann dazu beitragen, die Conversions zu steigern und die Besucher dazu bringen, länger auf der Website zu bleiben, mit ihr zu interagieren und wiederzukommen.“ 

Darum schneiden Websites noch schlecht ab

Die meisten Webseiten hätten vor allem Probleme mit den plötzlichen Layout-Veränderungen (CLS). So führen derzeit vor allem dynamische Inhalte wie Anzeigen, Pop-Outs und Newsletter-Opt-In-Boxen bei fehlerhafter Implementierung dazu, dass sich Inhalte stetig verschieben. Google erwartet hier einen Wert unter 0,1 – als „verbesserungswürdig“ werden Werte von 0,25 eingestuft, alles darüber hinaus werde negativ bewertet. Der Durchschnittswert der Top-20-Ergebnisse liegt derzeit bei 0,32. 

In Bezug auf die Reaktionszeit (FID) seien die untersuchten Webseiten im Schnitt 43,5 Prozent langsamer als gewünscht. Lediglich Websites, die in die Top-2-Rankings fallen, würden durchgehend gute Werte haben. In Sachen Ladezeit (LCP) zeigt sich ein besseres Bild: Bis das größte Element (Bild, Textblock etc.) der Seite sichtbar ist, dauert es bei den Top-20-Websites im Schnitt 2,47 Sekunden – das ist sogar unter dem von Google gewünschten Wert von 2,5 Sekunden.

Als weitere Ursache für eine schlechte User Experience weist Searchmetrics außerdem auf „Code Bloat“ bzw. unnötige Codes auf Websites hin, die mit Vorlagen aus CMS-Plattformen oder Website-Baukasten-Systemen wie WordPress und Wix erstellt werden. Auch zusätzlicher Code in Web-Plugins könne Seiten verlangsamen.

Google: Ein Drittel der Deutschen Unternehmenswebsites schneidet gut ab

Auch Google selbst hat erhoben, wie Webseiten aktuell hinsichtlich der neuen Metriken performen. Messungen des Konzerns zufolge würden hierzulande aber bereits etwa ein Drittel aller Webseiten (32 Prozent) bei allen drei Core Web Vitals gut abschneiden. Auch hat Google ermittelt, welche Seiten im E-Commerce bereits sehr gut performen: Neben Amazon und Ebay konnten beispielsweise H&M und MyToys sehr gute Werte erzielen. Um herauszufinden, wie der eigene Shop aktuell aufgestellt ist, empfiehlt Google das hauseigene Tool Pagespeed Insights.

Aktuellen Informationen zufolge soll das Page Experience Update zudem nicht wie zunächst angekündigt im Mai ausgerollt werden, sondern erst Mitte Juni. Final sollen dann ab Ende August die neuen Kriterien ins Ranking einfließen. „Dennoch bleibt die Nutzerfreundlichkeit nur einer von vielen Faktoren, die unsere Systeme berücksichtigen. Daher solltet ihr für eure Websites keine drastischen Änderungen erwarten. Durch die schrittweise Einführung haben wir außerdem die Möglichkeit, unerwartete Probleme zu beobachten“, kündigt Google an.

Über die Autorin

Hanna Behn
Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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