Vom Lebensmittelrecht durch den Kakao gezogen

Die neue Schokolade von Ritter Sport ist keine Schokolade

Veröffentlicht: 02.02.2021 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 02.02.2021
Verschiedene Tafeln Ritter Sport

Die Deutschen sind gemeinhin für ihre Regelungswut bekannt und so mag es den einen oder anderen kaum überraschen, dass selbst Schokolade reguliert ist. Die deutsche Kakao- oder auch Schokoladenverordnung schreibt vor, dass Schokolade aus Kakaoerzeignissen und Zuckerarten zu bestehen hat. Sinn und Zweck solcher Regeln ist natürlich der Verbraucherschutz. Konsumenten sollen davor geschützt werden, minderwertige Produkte untergeschoben zu bekommen. So schreibt die Verordnung sogar vor, wann sich eine Schokolade als „gefüllt“ bezeichnen darf.

Man wagt es kaum zu schreiben, aber Ritter Sport fühlt sich durch dieses Gesetz gerade ordentlich durch den Kakao gezogen. 

Neue Schokolade ohne Zucker

Ritter Sport hat eine neue Tafel auf den Markt gebracht, die komplett ohne Zucker auskommt. Damit liegt der Hersteller voll im Trend. Schon seit Jahren wird versucht, Produkten mit einem eher ungesunden Image ein zuckerfreies Ettikett zu verpassen. Das neue Produkt, welches den Namen Cacao y Nada trägt, ist stattdessen mit Kakaosaft gesüßt. Und es besteht zu 100 Prozent aus Kakao, dem Sinnbild für Schokolade überhaupt. Dennoch darf sie eben nicht so genannt werden. 

Laut dem deutschen Lebensmittelrecht darf das Produkt nicht so genannt werden, weil nun einmal vorgeschrieben ist, dass Zuckerarten auf der Zutatenliste zu stehen haben. Es muss also zumindest ein bisschen was wie Zucker enthalten sein. Das Unternehmen empfindet diese Regel als veraltet. „Wenn Wurst aus Erbsen sein darf, braucht Schokolade auch keinen Zucker. Aufwachen!“, wird der Firmenchef Andreas Ronken vom Tagesspiegel zitiert. Man wolle sich nun für eine Überarbeitung des veralteten Rechts einsetzen.

Gleiches Problem wie Lemonaid

Wer jetzt denkt, dass schon mal so ähnlich gelesen zu haben, hat Recht: Im vergangenen Jahr war es der Limonadenhersteller Lemonaid, der über eine ähnliche Hürde im deutschen Lebensmittelrecht stolperte. Statt der wie vorgeschrieben mindestens sieben Prozent Zucker wies die Sorte Maracuja ganze 1,5 Prozent zu wenig Zucker aus

Nach dem eine Hamburger Behörde wollte, dass Lemonaid sein Produkt aufgrund des nicht ausreichenden Zuckergehalte nicht mehr als Limonade bezeichnet, hagelte es Kritik von allen Seiten. Die Behörde ruderte erstmal zurück; es wurde angekündigt, eine Überarbeitung der Vorschriften in die Wege zu leiten. Statt der Modernisierung kam erneuter Ärger. Lemonaid lässt sich aber nicht unter kriegen: Mittlerweile gibt es sogar eine Limo, die ganz ohne Zucker auskommt. 

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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