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Paukenschlag: DaWanda macht dicht – Händler sollen zu Etsy wechseln

Veröffentlicht: 02.07.2018 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 02.07.2018

Der DIY-Marktplatz DaWanda schließt zum 30. August 2018 überraschend seine Pforten. Händlern rät der Anbieter zum Wechsel zu Etsy – dafür wird eigens ein Import-Tool entwickelt.

Claudia Helming, DaWanda
© DaWanda

Paukenschlag in der deutschen E-Commerce-Landschaft: DaWanda hat zum Wochenende – scheinbar nicht ganz freiwillig – verkündet, den Betrieb zum 30. August 2018 einzustellen. „Geplant war, Euch alle in Ruhe am Montag zu informieren. Wir sind sehr betroffen darüber, dass es nun anders gekommen ist“, heißt es in der Facebook-Mitteilung des Unternehmens. Gründerin und Geschäftsführerin Claudia Helming sieht sich zur Einstellung von DaWanda gezwungen. Man musste sich „in den letzten Jahren zunehmend eingestehen, dass es uns alleine nicht gelingen wird, das Wachstum weiter voran zu treiben.“

Zuletzt ansteigende Tendenz

Die Nachricht vom Ende kommt auch deswegen überraschend, weil es bei DaWanda zuletzt eigentlich zufriedenstellend lief. Seit Herbst 2017 habe man kostendeckend gearbeitet, der Umsatz im vergangenen Jahr stieg um 21,4 Prozent auf 15,4 Millionen Euro. Der operative Verlust lag 2017 bei knapp einer Million Euro, wo es im Vorjahr noch minus 4 Millionen Euro waren. Im vergangenen Jahr wurde viel in Marketing, Personal und Technologie investiert, man wollte technologiegetriebener und nachhaltiger werden.

Kooperation mit Etsy

Doch all das hat offenbar nichts genützt. „Der Außenhandelsumsatz ist nicht mehr in dem erforderlichen Maße gewachsen", zitiert die Süddeutsche Helming. Man habe daher schon seit dem Herbst des vergangenen Jahres nach Partnern gesucht. Den hat man nun in gewisser Weise in Etsy gefunden. DaWanda und der bisherige Konkurrent aus den USA haben eine Vereinbarung getroffen. Danach wird aktuell ein Tool entwickelt – das im Laufe dieser Woche verfügbar gemacht werden soll – mit dem DaWanda-Händler ihre Shops kostenfrei zu Etsy umsiedeln können. Dabei sollen alle aktuellen Angebote und auch Shop-Bewertungen erhalten bleiben.

Man teile eine „gemeinsame Vision sowie gleiche Ziele und Werte“, so Helming. „Durch unsere Vereinbarung mit Etsy bekommen unsere Verkäufer Zugang zu potentiellen Käufern auf der ganzen Welt.“ Nach aktuellen Stand sind das etwa 35 Millionen potenzielle Käufer. „In den kommenden Monaten wollen wir nicht nur den Umzug der DaWanda-Nutzer auf unsere Plattform so reibungslos wie möglich gestalten, sondern auch weiterhin in unser deutsches Geschäft investieren, um kreative Unternehmer zu stärken und den Käufern ein einzigartiges und einnehmendes Einkaufserlebnis bieten zu können“, kommentiert Linda Findley Kozlowski, COO von Etsy. Bis Ende August können Kunden noch bei DaWanda kaufen, ab dem 30. August wird man automatisch zu Etsy weitergeleitet.

Die Mitarbeiter von DaWanda wissen freilich schon eine Weile Bescheid. Mit dem Ende von DaWanda verschwinden auch die Jobs: Die meisten Mitarbeiter wurden bereits freigestellt, einige sollen noch den Übergang zu Etsy in den kommenden Monaten begleiten. Alle Mitarbeiter erhalten ein Abfindungspaket. Auch die Händler wurden in einer Mitteilung bereits über das Ende von DaWanda unterrichtet. Das Unternehmen hat eine FAQ-Seite eingerichtet, die alle Fragen zu Wechsel zu Etsy beantworten soll.

Nur noch Etsy

Etsy ist mit dem Ende von DaWanda im Do-It-Yourself-Bereich vorerst weitgehend konkurrenzlos auf dem deutschen Markt. Der Marktführer – der DaWanda hierzulande bisher war – hört auf, die weitere Konkurrenz ist aktuell, was die reinen Zahlen angeht, kaum der Rede wert. Auch Amazon konnte hier mit seinem Handmade-Marktplatz bislang kaum für Furore sorgen. Für Etsy ist der Weg in Deutschland nun frei, traurig über den Ausstieg von DaWanda wird man beim US-Anbieter nicht sein. „Das Umsatzwachstum in Deutschland ist höher als das von Etsy insgesamt. Im ersten Quartal 2018 betrug es sogar weit mehr als doppelt so viel", so Linda Findley Kozlowski. Von einem solchen Wachstum konnte man bei DaWanda nur träumen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#2 KArl 2020-09-12 21:36
Wer glaubt den den Kram? Die Amis erpressen schlicht weg jeden, der im Wege steht. Man muss sich doch nur die plötzliche Abmahnwelle, damals, kurz vor dem DaWanda Ende ansehen.
2020 macht man gar keinen Hehl mehr daraus. Das nennt sich Räuberische Erpressung.

Auch wenn Sie diesen Kommentar nicht freischalten, ist die Wahrheit bekannt.
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#1 Tanja 2018-07-19 19:52
@Redaktion:
"Welche Gebühren kommen bei Etsy auf mich zu?
Wenn Du für den Umzug zu Etsy das Import-Tool benutzt, fallen für Dich für den Umzug keine Gebühren an. für jedes transferierte Angebot (nicht die Anzahl der verfügbaren Produkte) erhältst Du eine Gutschrift der Einstellgebühre n. "
Ihr verlinkt doch auf die FAQ-Seite - lest sie durch.....

Wir haben heute den 19.07. - unsere Kunden werden über die beendeten Produkte, über Anzeigen, Prämien etc. bereits heute zu Etsy gelotst. Die beendeten Produkte, die älter sind als 2 Monate sind sogar bereits zu Etsy verlinkt - nicht, wie angekündigt ab dem 30.08.
Endkunden erhalten Mails, sie sollen ab sofort bei Etsy einkaufen, man winkt mit einem Einkaufgutschei n von 20€
Wir "Top-Verkäufer" werden mit einem Beratungsgesprä ch und einem 50€-Gutschein zum baldigen Umzug fast schon genötigt.
Das alles ist schon traurig genug - kann man nicht in Würde untergehen?
Und die Abmahn-Mafia steht schon bereit, um die Händler für nicht rechtskonforme Button-Lösungen abzumahnen.
Hier wäre das Geld in die rechtliche Verbesserung besser investiert, als uns täglich auf die Nerven zu gehen. Viele von uns haben zur Zeit besseres zu tun, als sich täglich zuspammen zu lassen.
Je mehr ich mich genötigt fühle, desto eher bin ich bereit, mir einfach mal eine Auszeit zu gönnen, bis sich eine passable Plattform auftut, bei der ich mich besser aufgehoben fühle
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