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Unklarheit über Kontensperrungen

Suspendiert Amazon weiter Händler ohne Vorwarnung?

Veröffentlicht: 25.09.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 25.09.2019
Amazon Seller App

Im Sommer kündigte Amazon einige weitreichende Änderungen auf dem Marktplatz an. Unter anderem gewährt der Konzern seit dem 16. August eine 30-Tage-Frist, wenn das Händlerkonto suspendiert wurde. Das heißt, dass der Händler – in bestimmten Fällen – einen Monat Zeit hat, etwaige Probleme zu beheben, um die endgültige Löschung des Kontos zu verhindert. So weit, so gut. Doch scheinbar hält sich Amazon nur unzureichend an die eigenen Versprechungen. Offenbar fand sich in den Formulierungen von Amazon ein Haken, auf den niemand vorbereitet war.

Zunächst einmal sind bestimmte, besonders schwere Fälle ohnehin von der Gnadenfrist ausgeschlossen, etwa wenn es um illegale Aktivitäten oder gefährliche Produkte geht. Bis zum 16. August aber konnte Amazon laut der eigenen Geschäftsbedingungen auch andere, weniger schwere Fälle ohne Vorwarnung vom Marktplatz „entfernen“. Das sollte nun eigentlich nicht mehr funktionieren und wurde weitgehend wohlwollend aufgenommen.

Löschung ohne Vorwarnung?

Die neue Regelung betrifft aber nun offenbar nicht solche Konten, die suspendiert werden, sondern nur solche, die endgültig gelöscht werden sollten. Das überraschte Insider. Gegenüber Business Insider äußert etwa Jason Boyce, ehemalige Händler und heute Berater für Amazon-Händler: „Zunächst dachte ich: 30 Tage sind ein guter Start, auch wenn 60 oder 90 Tage besser wären. Nun aber zu hören, dass es nicht um Account-Suspendierungen geht, sondern nur um Account-Löschungen, wirkt wie ein bloßes Lippenbekenntnis in den Geschäftsbedingungen.“

Die große Verwirrung, so Business Insider, stamme daher, dass Amazon sehr „flexibel“ darin ist, wie es Suspendierung und Terminierung definiere. Auch die Blockierung eines Accounts werde genannt, was nun aber als zeitweise und was als endgültige Aktion deklariert wird, sei nicht klar. Für Chris McCabe, der sich mit seiner Agentur darauf spezialisiert hat, suspendierten Händlern zu helfen, ist die flexible Sprache kein Zufall. Amazon bleibe oft bewusst vage, um nicht festgenagelt zu werden. „Sie bleiben vage, um Dinge ihren Vorstellungen entsprechend auslegen zu können.“

Peter Kaerns, der vier Jahre lang Business Development Manager bei Amazon war und heute ebenfalls suspendierte Seller berät, gibt gegenüber Business Insider an, in den vergangenen Wochen von mehreren suspendierten Händlern kontaktiert worden zu sein, die sich darüber wunderten, dass sie vor der Suspendierung keine 30-Tage-Frist erhalten hätten. Business Insider skizziert Fälle aus Großbritannien, aus den USA und aus Indien, in denen Händlerkonten ohne Vorwarnung suspendiert wurden. Amazon selbst verweist auf Anfrage des Magazins auf den Seller Support und die Möglichkeit, das Konto wieder freischalten zu lassen – vor allem mithilfe eines Maßnahmenplans. Die Verwirrung um die 30-Tage-Frist bleibt aber.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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