So landest du mit dem Online-Shop direkt im Knast

Veröffentlicht: 21.02.2020
imgAktualisierung: 24.05.2024
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 9 Min.
21.02.2020
img 24.05.2024
ca. 9 Min.
Geschäftsmann, der siegessicher im Gefängnis steht
© Erstellt mit DALL-E
Wollten Sie schon immer mal wissen, wie Sie mit Ihrem Shop ins Gefängnis kommen? Wir haben die Lösung.

Tipp #1: Eröffne einfach einen Fake-Shop

Einer der sichersten Wege in Gefängnis führt über das Betreiben eines Fake-Shops. Unter einem Fake-Shop versteht man einen Shop, der zwar Waren (vorzugsweise gegen Vorkasse) anbietet, allerdings nie wirklich vorhat, diese auszuliefern. Im strafrechtlichen Sinne handelt es sich dabei um einen Betrug, für den es eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe gibt. Etwas schärfer wird da schon der gewerbsmäßige Betrug geahndet: Hier gibt es direkt eine Mindeststrafe von einem halben Jahr.

Wer also auf Nummer sicher gehen und nicht nur mit einem blauen Auge in Form einer Geldstrafe davon kommen will, sollte dafür sorgen, dass der Schaden bis zum Moment des Erwischtwerdens besonders hoch ist. Hier bieten sich zwei Wege an: Du könntest besonders hochpreisige, beliebte Ware, wie beispielsweise das neueste Smartphone, zu unschlagbaren Konditionen anbieten. Allerdings sind die durchschnittlichen Kund:innen bereits durch die vielen Berichte über Internetbetrügereien gewarnt. Daher werden sich eher wenige darauf einlassen, hunderte von Euro per Vorkasse für ein Produkt zu zahlen. Bei kleinen, günstigen, aber notwendigen Produkten ist daher die Chance höher, dass sich viele Personen auf den Deal einlassen.

Weiterhin empfiehlt es sich, nicht einfach drauf los zu betrügen. Auch hier will ein Geschäftskonzept her und dieses sollte zumindest Vorkehrungen beinhalten, um nicht gleich entdeckt zu werden – sonst kommst du noch mit einer Geldstrafe davon oder das Verfahren wird schlimmstenfalls sogar eingestellt!

Schritt 1: Ein wenig Ehrlichkeit zum Anfang

Das erste Ziel sollte daher sein, den Eindruck der Ehrlichkeit zu erwecken. Es gilt also erst einmal, Ware zu verkaufen, über die du tatsächlich verfügst. Dafür können im Shop dann eben auch mal Käufe auf Rechnung angeboten werden. Das stärkt das Vertrauen der Kundschaft in dein Business. Die ein oder andere gute Rezension solltest du dabei schon mal erhalten. Ist ein gewisses Vertrauen als Basis geschaffen, kann es dann so richtig losgehen. Praktisch ist es an der Stelle übrigens, Verbrauchsgüter im Angebot zu haben, die die Kundschaft immer wieder nachkaufen muss. Aus der Praxis sind erfolgreiche Beispiele mit dem Verkauf von Alkohol bekannt.

Schritt 2: Dreist ist geil!

Jetzt geht es los mit dem Betrug. Von Vorteil kann es sein, hier eine Strategie zu entwickeln, mit der du in kurzer Zeit möglichst viel Schaden anrichten kannst. Die Angebote müssen also so gut sein, dass die Kundschaft gar nicht erst lange nachdenkt. Künstliche Verknappung lautet das Stichwort. Wettbewerbsvorschriften sollten an dieser Stelle keinerlei Rolle mehr für dich spielen. Schließlich geht es ja darum, die Regeln zu brechen. Kund:innen mit zeitlich begrenzten Rabatten unter Druck zu setzen, ist ein Mittel, welches Plattformen wie Wish oder Temu bereits zur Perfektion beherrschen. Ein Counter zählt die Minuten runter, dann ist der 50-Prozent-Rabatt weg. Übrigens müssen diese 50 Prozent nicht echt sein. Falsche Streichpreise sind ein vollkommen legitimes Mittel, um Personen so richtig schön zu verar… zum Kauf zu verlocken. So können auch von Natur aus misstrauische Käufer darüber hinwegsehen, dass sie plötzlich nur noch per Vorkasse zahlen können. Fomo (Fear of mssing out, zu Deutsch: Die Angst, etwas zu verpassen) ist die Zauberformel zum Erfolg.

Schritt 3: Impressum nicht vergessen!

Eine Regel sollten Sie als frisch gebackener Fake-Shop-Händler allerdings nicht verletzen: Die Impressumspflicht. Wie sollen die geprellten Käufer:innen denn sonst wissen, wen sie bei der Staatsanwaltschaft anzeigen und hinter Gitter bringen sollen?

Praktisches Fallbeispiel: Mit dieser Taktik sind Fake-Shop-Betreiber im Oktober 2019 zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Auch diese erweckten zunächst einen seriösen Eindruck, in dem sie die bestellten Waren zunächst auch tatsächlich lieferten. Dabei gingen sie ganz schön clever vor: Statt die Ware aufwendig selbst zu besorgen, bestellten sie diese einfach in anderen Shops und ließen sie direkt an die Kundschaft weiterleiten. Dropshipping mal anders.  

Tipp #2: Werde zum Drogen- und Waffenlieferanten

Ins Gefängnis kann auch der Online-Handel mit Drogen und Waffen führen. Doch Achtung: Das Ziel ist es, mit dem eigenen Online-Shop ins Gefängnis zu kommen. Das solltest du auf keinen Fall aus den Augen verlieren! Es ist also nicht sonderlich hilfreich, sich bereits beim Beschaffen der Ware erwischen zu lassen. Der unerlaubte Drogenhandel wird in der Regel mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe geahndet. Um ohne über Los zu gehen direkt im Gefängnis landen zu können, muss der Drogen- und Waffenhändler also zunächst erfolgreich sein.

Übrigens: Der Handel mit illegalen Waren gilt als sittenwidrig. Das ist für dich ein wirklich gutes Zeichen! Aufgrund der Sittenwidrigkeit kann sich die Kundschaft nämlich nicht auf irgendwelche lästigen Gewährleistungs- oder Widerrufsrechte berufen.

Aus der Praxis: Wichtig ist an dieser Stelle natürlich die Frage, wo man die illegale Ware anbieten soll. Schließlich soll der Laden auch erstmal eine Weile laufen, bevor man erwischt wird. Sonst gibt es nur eine Geldstrafe. Nicht empfehlenswert ist an dieser Stelle der Handel auf Instagram. Das musste auch eine selbsternannte Cannabis-Influencerin feststellen. Ihr Studio in Berlin wurde noch gestürmt, während sie in einem Live-Video Cannabis zum Kauf anbot. 

Tipp #3: Kombination aus #1 und #2? Lieber nicht

Der künftige Häftling, der sich noch nicht vertieft mit der Materie beschäftigt hat, wird jetzt vielleicht auf die fixe Idee kommen, #1 und #2 miteinander zu kombinieren. Doch Vorsicht: Dabei handelt es sich um einen Anfängerfehler!

Das Anbieten illegaler Produkte in einem Fake-Shop ist nämlich nicht strafbar. Eine Strafbarkeit wegen Betruges scheitert daran, dass ein Rechtsgeschäft mit illegaler Ware sittenwidrig wäre. Der Gesetzgeber möchte an dieser Stelle Käufer:innen illegaler Ware nicht noch besonders durch das Strafrecht schützen. Anders als beim gängigen Fake-Shop könnte man also nicht einmal sein Geld herausklagen. 

Da du beim Fake-Shop mit illegaler Ware nie vorhattest, die Ware zu versenden, kannst du auch hier nicht belangt werden. Du hättest dir die ganze Mühe also umsonst gemacht.

Tipp #4: Pfeif auf Unterlassungserklärungen!

Der eine oder andere hat schon häufiger die Frage gestellt, ob man denn wegen wettbewerbsrechtlicher Verstöße in das Gefängnis gehen kann. Schließlich werde man bei einem kleinen Verstoß gleich behandelt wie ein Schwerverbrecher oder eine Schwerverbrecherin.

Nun ja: Vor dem Strafgericht landest du damit vielleicht nicht unbedingt, aber ins Gefängnis kannst du es dennoch schaffen – über einen kleinen Umweg. Dafür verstößt man eben im Online-Shop einfach gegen wettbewerbsrechtliche Vorschriften,, ignoriert die Abmahnung, lässt sich verklagen, verliert und verstößt dann gegen das Urteil.

In so einem Fall kann auf Antrag der gegnerischen Partei ein Ordnungsmittel durch das Gericht festgesetzt werden. Dabei wird ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro festgesetzt. Gute Nachricht: Hat man dieses Ordnungsgeld gerade nicht parat, gibt es ersatzweise Ordnungshaft. Diese beträgt allerdings maximal sechs Monate. Der Tipp ist daher eher was für Anfänger, die das mit dem Gefängnis erstmal testen wollen.

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Tipp #5: Klau einfach Produktbilder!

Wer anderen Leuten mal so richtig auf den Keks gehen und dazu noch im Gefängnis landen will, der verwendet einfach geklaute Produktbilder. Das Urhebergesetz regelt nämlich neben den zivilrechtlichen Möglichkeiten des Rechteinhabers auch Strafvorschriften. Wer Produktbilder verwendet, ohne die Rechte zu haben, wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft. Wer hingegen fremde Bilder ohne Erlaubnis nutzt, diese beispielsweise auf T-Shirts oder Tassen druckt, um sie dann zu verkaufen, kann sogar wegen der gewerbsmäßigen Verwendung fremder Bilder bis zu fünf Jahre im Gefängnis landen.

Allerdings ist dieses Vorgehen eher mühsam. Bei der Recherche sind wir auf keinen Fall gestoßen, wo der Bilderdieb am Ende wirklich im Gefängnis saß. Aber vielleicht liegt hierin ja die besondere Herausforderung. 

Tipp #6: Gewerbeanmeldung vergessen und Steuern hinterziehen

Wer Geld verdient, muss das auch beim Finanzamt angeben. Das ist bekannt. Dafür ist es notwendig, ein Gewerbe anzumelden und entsprechende Erklärungen beim Finanzamt abzugeben. Unterlässt man dies, kommt man ganz schnell in den Verdacht, Steuern zu hinterziehen. Steuersündern drohen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe. Die Gewerbeanmeldung zu vergessen, kann also das Ticket ins Gefängnis sein. Allerdings muss man sich als Online-Händler hier schon viel Mühe geben. Wer dem Staat bis 100.000 Euro schuldet, darf auf eine Freiheitsstrafe hoffen. Allerdings dürfte diese Hoffnung eher vergebens sein: So wurde beispielsweise Uli Hoeneß zu gerade einmal dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er schuldete dem Staat rund 30 Millionen Euro.

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Tipp #7: Geschichten über die Konkurrenz erfinden

„Der macht doch krumme Geschäfte!“ – so, nur vielleicht etwas ausgefeilter, können die Geschichten, die man über die Konkurrenz verbreitet, aussehen. Handelt es sich um falsche Geschichten, ist man im Tatbestand der üblen Nachrede und kann dafür bis zu zwei Jahre im Gefängnis sitzen. Geht man bei den Geschichten dazu noch unter die Gürtellinie, könnte zusätzlich noch der Tatbestand der Beleidigung erfüllt sein. Hier droht immerhin ein Jahr Freiheitsstrafe. Wenn Sie also ins Gefängnis wollen, lügen Sie, bis sich die Balken biegen! 

Tipp #8: Ignoriere Geldstrafen

Wenn es dann endlich soweit ist und du von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurdest, kann es trotzdem sein, dass das Gericht dir lediglich eine Geldstrafe aufgebrummt. Das ist zwar schade, aber noch kein Grund, den Plan als gescheitert anzusehen. 

Geldstrafen werden nicht umsonst in Form von Tagessätzen verhängt. Wenn du also die Geldstrafe nicht zahlen, gehst du ersatzweise ins Gefängnis.

Fazit: Der sicherste Weg in den Knast

Wer es wirklich darauf anlegen möchte, der schafft es mit seinem Online-Shop bis hinter Gitter. Wie dieser Beitrag zeigt, ist dabei die erfolgversprechendste Methode der gute alte Fake-Shop.

Sandra May

Sandra May

Expert/in für: IT- und Strafrecht

Veröffentlicht: 21.02.2020
img Letzte Aktualisierung: 24.05.2024
Lesezeit: ca. 9 Min.
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KOMMENTARE
1 Kommentare
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Rumland
23.02.2020

Antworten

Eine hervorragende Anleitung die man in sozialen Brennpunkten für gutes Geld verkaufen könnte.
grins