Geleakte Dokumente

Facebook weiß nicht, was mit den Nutzerdaten passiert

Veröffentlicht: 27.04.2022 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 27.04.2022
Person hinter Daten

Wer jemals seine bei Facebook gespeicherten Informationen angefordert hat, weiß, wie viele Daten sich dort über die Jahre ansammeln können. Wenn man das der Nutzerzahl entsprechend milliardenfach multipliziert, kann man versuchen zu erahnen, wie unermesslich viel Datenmaterial auf Facebooks Servern liegt. Diese gigantische Datenmenge soll nun dazu geführt haben, dass das soziale Netzwerk selbst die Übersicht verloren hat, wie das Portal vice.com berichtet, das sich dabei auf interne geleakte Dokumente aus dem Jahr 2021 beruft.

Persönliche Daten bei Facebook – wie Tinte in einen See

„Wir haben kein angemessenes Maß an Kontrolle und Erklärbarkeit darüber, wie unsere Systeme Daten verwenden (...)“, heißt es in dem Dokument, das von Facebook-Datenschutzingenieuren stammen soll. Die Autoren benutzen eine Metapher, um das Problem zu verdeutlichen: „Stellen Sie sich vor, Sie halten eine Flasche Tinte in der Hand. Diese Tintenflasche ist eine Mischung aus allen Arten von Benutzerdaten (...). Sie gießen diese Tinte in einen See … und sie fließt … überall hin. Wie füllt man die Tinte wieder in die Flasche? Wie organisiert man es wieder, dass es nur zu den erlaubten Stellen in den See fließt?“.

Facebook könnte auch Probleme mit der DSGVO bekommen

Das Problem ist aber nicht nur ein möglicher Umsatz- und Imageschaden, sondern könnte noch viel größer werden. Unter anderem durch den Start der DSGVO im Jahr 2018 ist der Umgang mit Nutzerdaten deutlich reglementiert worden. Das könnte heißen: Facebook kann aufgrund seines Kontrollverlustes im schlechtesten Fall gesetzlichen Vorgaben gar nicht nachkommen, wie die Autoren andeuten: „(...) daher können wir keine kontrollierten Richtlinienänderungen oder externe Verpflichtungen wie ‚Wir werden X-Daten nicht für Y-Zwecke verwenden' vornehmen. Und doch erwarten die Aufsichtsbehörden genau das von uns, was unser Risiko von Fehlern und Falschdarstellungen erhöht“.

In dem geleakten Papier habe das Team dazu geraten, Facebooks Umgang mit Nutzerdaten zu ändern, um rechtliche Probleme mit Aufsichtsbehörden in Europa, den USA, Indien und anderen Ländern zu vermeiden. 

Ein Facebook-Sprecher bestritt laut Vice, dass das Dokument zeige, dass das Unternehmen die Datenschutzbestimmungen nicht einhalte. „Wenn man bedenkt, dass dieses Dokument unsere umfangreichen Prozesse und Kontrollen zur Einhaltung der Datenschutzbestimmungen nicht beschreibt, ist es einfach ungenau, daraus den Schluss zu ziehen, dass es die Nichteinhaltung nachweist. Neue Datenschutzbestimmungen auf der ganzen Welt führen zu unterschiedlichen Anforderungen und dieses Dokument spiegelt die technischen Lösungen wider, die wir entwickeln, um die aktuellen Maßnahmen zu skalieren, die wir zur Verwaltung von Daten und zur Erfüllung unserer Verpflichtungen haben“, sagte der Facebook-Sprecher in einer Erklärung.

Sie wollen immer über die neuesten Entwicklungen im Online-Handel informiert sein? Mit unseren Newslettern erhalten Sie die wichtigsten Top-News und spannende Hintergründe direkt in Ihr E-Mail-Postfach – Jetzt abonnieren!

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Markus Gärtner

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.