Express-Lieferdienst

Gorillas will schnelle Fahrer bei der Schichtvergabe bevorzugen

Veröffentlicht: 25.07.2022 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 25.07.2022
Gorillas-Kurier

Der Express-Lieferdienst Gorillas will offenbar ein neues Belohnungsmodell für die eigenen Fahrerinnen und Fahrer einführen: So sollen Arbeitsschichten in Abhängigkeit von der jeweiligen Leistung und Schnelligkeit vergeben werden, berichtet Spiegel Online

Geplant sei eine Art „Zweiklassensystem“: Die Angestellten sollen in verschiedene Performance-Gruppen eingeteilt werden, wie es in einem Entwurf einer Betriebsvereinbarung heißt, den Gorillas kürzlich dem eigenen Betriebsrat übergeben hat und der dem Spiegel vorliegt. 

Leistungsstarke Angestellte könnten sich Arbeitszeiten selbst aussuchen

Die Schichten würden dem Bericht zufolge nicht mehr von einer zentralen Leitung vergeben werden, sondern könnten durch die Belegschaft selbst gewählt werden. Dabei müssen lediglich feste Zeitfenster beachtet werden. 

Allerdings erfolgt die Schichtvergabe nach einem System, bei dem vor allem jene Beschäftigte profitieren, die zu den schnellsten 25 Prozent gehören. Diese als „High Performer“ bezeichneten Kurierinnen und Kuriere werden bei der Schichtplanung bevorzugt, da sie in dem Prozess Warteschlangen umgehen und so bessere Termine für die Planung ihrer Arbeitszeiten erhalten können. 

Betriebsrat-Anwalt: Vorschlag ist „asozial“

Der Rechtsanwalt Martin Bechert, der die Mitglieder des Betriebsrats vertritt, bezeichnete die Idee als „asozial“. Das Vorgehen sei zudem symptomatisch für den Zustand des Lieferdienstes. „Wer seinen Fahrern keine höheren Gehälter bieten kann, führt eben eine Zweiklassengesellschaft ein“, so Bechert. Dadurch würden dem Unternehmen auch keine weiteren Kosten entstehen, kritisiert er.

Gorillas erklärte indes, dass es sich bei dem Vorschlag lediglich um einen Entwurf und noch keinen finalen Beschluss handele. 

Der Lebensmittellieferdienst war in der Vergangenheit häufig wegen der Arbeitsbedingungen seiner Angestellten in der Kritik: Erst kürzlich wurde bekannt, dass rund 300 Jobs in der Unternehmenszentrale gestrichen wurden. Wegen Streiks von Beschäftigten im vergangenen Herbst, bei denen u. a. höhere Löhne gefordert wurden, hatte die Firma teils fristlose Kündigungen ausgesprochen. Einem im März dieses Jahres veröffentlichten Ranking von Fairwork zufolge, in dem die Fairness von Arbeitsbedingungen von Lieferdiensten und Plattformen ausgewertet wurden, rangiert Gorillas im unteren Drittel.

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Über die Autorin

Hanna Behn
Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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