Interview zum Google Page Experience Update

„Gute Rankings für wichtige Suchanfragen zu erzielen ist ein Marathon, kein Sprint“

Veröffentlicht: 27.05.2021 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 27.05.2021
Google Analytics

Google führt regelmäßig Updates durch, die sich auf die Suchergebnisse auswirken. Doch mit dem Page Experience Update steht eines der größten Updates in den Startlöchern, die das Ranking nachhaltig verändern werden. Doch was genau steckt hinter dieser Änderung und was bedeutet sie für Webseitenbetreiber? Darüber haben wir mit Vera Scheuering, Head of Marketing bei Eology, gesprochen. 

Das ändert sich mit dem Page Experience Update

OnlinehändlerNews: Welche Änderungen umfasst das sogenannte Page Experience Update?

Vera Scheuering: Mit dem Page Experience Update möchte Google vor allem nutzerfreundliche Websites belohnen und die Optimierung in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit fördern. Ab Mitte Juni wird das Update schrittweise ausgerollt und soll dann ab Ende August in vollem Umfang zum Tragen kommen. 

Um die Page Experience einer Seite zu bewerten, prüft Google folgende bereits bekannte Signale:

  • Ist die Website mobile friendly?
  • Sind auf der Website schadhafter Code oder Phishing Inhalte zu finden?
  • Wird auf der Website HTTPS genutzt?
  • Sind auf der Website aufdringliche Pop-up Elemente zu finden?

Zusätzlich werden nun aber auch noch die Core Web Vitals zur Bewertung herangezogen:

  • Wie schnell lädt die Website? – Messwert: LCP
  • Wie steht es mit der Interaktivität der Website? – Messwert: FID
  • Ist die Website visuell stabil? – Messwert: CLS

Eine weitere Änderung, die mit dem Update kommt: Es wird neue Kriterien für das Schlagzeilenkarussell in den Suchergebnissen geben. Hier werden künftig auf Mobilgeräten nicht nur Seiten, die die AMP Technologie nutzen, ausgespielt, sondern die Nutzung soll für alle Seiten möglich sein. 

Google will die Core Web Vitals als neue Faktoren im Ranking einführen. Worum handelt es sich dabei genau?

Die Nutzererfahrung auf einer Website zu messen, ist nicht einfach. Google hat deshalb versucht, mit den Core Web Vitals drei Metriken zu finden, die für alle Web-Erlebnisse entscheidend sind. Laut Google sind das die Ladeerfahrung, die Interaktivität und die visuelle Stabilität einer Website. 

  • Der LCP (Largest Contentful Paint) soll die wahrgenommene Seitenladezeit messen. Hier wird die Zeit betrachtet, nach der der Hauptinhalt der Seite geladen wurde.
  • Der FID (First Input Delay) misst die Zeit, bis die erste Interaktion mit der Website erfolgen kann. So wird die Reaktionsfähigkeit einer Website messbar.
  • Der CLS (Cumulative Layout Shift) misst, wie stark sich das Layout einer Website noch verschiebt und damit, wie stabil diese bleibt. Solche Verschiebungen können zum Beispiel durch nachgeladene Inhalte wie Werbeblöcke zustande kommen. 

Wie genau die Core Web Vitals analysiert werden können und wie man die eigene Website dann im Hinblick auf diese Werte optimiert, kann man nicht pauschal beantworten. Das Thema ist relativ komplex und zum Teil durch Google auch noch eher schwammig angekündigt. Wer jedoch mehr Hintergrundwissen und Tipps für Ansatzpunkte bei der Optimierung sucht, der kann sich gerne zu unserem kostenlosen Core-Web-Vitals-Crashkurs anmelden.

SEO ist ein komplexes Unterfangen

97 Prozent der Websites in der deutschen Desktop-Suche und 85 Prozent in der mobilen Suche erfüllen die Core Web Vitals nicht. Woran liegt das?

Die Core Web Vitals sind KPIs, die Google zur besseren Messbarkeit der Page Experience eingeführt hat. Wenn also so viele Websites die Richtwerte von Google nicht einhalten können, wartet noch eine Menge Arbeit auf die Webmaster. 

Die Ursachen für die nicht erfüllten Werte muss sich jeder Website-Betreiber natürlich individuell ansehen. Häufige Gründe für eine schlechte Web Performance sind aber technische Probleme beim Aufbau der Webseiten oder dynamische Inhalte, wie zum Beispiel Anzeigen, die zu Layout-Verschiebungen führen. 

Was sind die größten Herausforderungen, die deutsche Website-Betreiber heutzutage bei der SEO-Optimierung haben und wie können sie diese meistern?

Suchmaschinenoptimierung wird immer komplexer. Das liegt daran, dass die Ranking-Algorithmen von Google und Co. sich immer weiterentwickeln. Dadurch ist SEO ein umfangreiches Unterfangen geworden, bei dem verschiedene Maßnahmen ineinandergreifen.

Website-Betreiber brauchen für gute Rankings natürlich eine technisch einwandfreie Website. Dabei gibt es viele Kniffe, um der Suchmaschine das Crawling so einfach wie möglich zu machen. Das ist alles andere als trivial und erfordert neben Programmierkenntnissen eben auch das Wissen darüber, welche Techniken Google bevorzugt.

Daneben verlangt Google aber auch eine durchdachte Struktur und Content, der den Nutzern wirklich weiterhilft und ihre Bedürfnisse befriedigt. Die Inhalte müssen aber auch für die Suchmaschine klar verständlich sein. Für viele Website-Betreiber scheint das ein Spagat zu sein, jedoch lassen sich die Themen SEO und hochwertiger Content eigentlich perfekt verbinden. Über Keyword-Recherchen lässt sich nämlich herausfinden, was die Nutzer eigentlich wissen wollen und mithilfe der Erkenntnisse aus der Recherche können wir Texte dann auch suchmaschinenfreundlich gestalten.

Als dritten Punkt würde ich noch die Reputation der eigenen Website nennen. Auch das ist für Google enorm wichtig, wenn es um gute Rankings geht. Es wird schwierig mit einer unbekannten Seite, die technisch sauber läuft und guten Inhalt für die Nutzer bereitstellt, sofort auf Top-Positionen zu landen. Denn die Suchmaschine möchte den Nutzern natürlich nur vertrauenswürdige Ergebnisse zeigen. Um diese Vertrauenswürdigkeit der eigenen Seite zu stärken ist es also auch wichtig, die eigene Marke bekannt zu machen und im Idealfall sogar Empfehlungen im Netz zu sammeln.

Die Anforderungen ändern sich stetig

Was müssen Website-Betreiber bei der SEO-Optimierung in Zukunft beachten?

Wie die Suche und damit auch SEO sich in der Zukunft verändert, kann man nicht so einfach vorhersagen. Das Wichtigste ist es, am Zahn der Zeit zu bleiben. Suchmaschinen entwickeln sich weiter. Die Art der Suchergebnisse ändert sich und es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, die eigene Seite dort zu präsentieren. In der Vergangenheit waren das zum Beispiel die Rich-Suchergebnisse für FAQs, bei denen Google Fragen und Antworten direkt in den Suchergebnissen anzeigt. Auf solche Neuerungen muss man entsprechend reagieren und kann man sich damit Wettbewerbsvorteile sichern. SEO ist auch künftig eine langfristige Sache. Gute Rankings für wichtige Suchanfragen zu erzielen ist ein Marathon, kein Sprint. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Michael Pohlgeers
Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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