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Zalon: Stilberatung von Zalando eröffnet PopUp-Store in Berlin
| Kategorie: Allgemein

Die Vorschriften, die Amazon Händlern auferlegt, um überhaupt auf dem Amazon-Marktplatz handeln zu dürfen, sind wahrlich komplex und weitreichend. Nicht immer fällt es da leicht, alle Richtlinien zu wahren. Dies musste auch ein Händler erfahren, der mit unterschiedlichen Händlerkonten verschiedene Markenprodukte vertreiben wollte. Eine Kontensperrung und massive Umsatzeinbrüche waren die Folge.

Verschlossenes Tor mit einem Schloss
© Gilmanshin – shutterstock.com

Die Ausgangslage: Zwei Marken, zwei Amazon-Accounts

Es gibt viele Händler, die sich mit ihren Geschäften nicht nur auf eine einzige Marke stützen, sondern zwei- oder gar mehrgleisig fahren. Das Prinzip hinter einer solchen Strategie ist klar: Mit unterschiedlichen Marken, die verschiedene Qualitäten haben und auch abweichenden Preisstrukturen folgen, kann man einen größeren Kundenkreis erreichen als mit einer einzigen Marke.

Ein Händler aus dem Food-Bereich, der sich jüngst in der Redaktion von OnlinehändlerNews gemeldet hat, berichtete über eine solche Konstellation: Eine Marke platzierte er im Premiumsegment, die andere eher im preiswerten Sektor. Die Markenprodukte hatten grundsätzlich ein unterschiedliches Branding und ein klar getrenntes Design. Um diese Produkte zielgruppengerecht bewerben und verkaufen zu können, legte der Unternehmer bei Amazon zwei Firmenkonten an, wobei derselbe Geschäftsführer bei beiden Firmen hinterlegt wurde. Auch nahmen beide Firmen am FBA-Programm teil. Nach einiger Zeit sperrte Amazon beide Konten und die Umsätze brachen empfindlich ein.

Warum sperrte Amazon die Händlerkonten?

Die Sperrung der beiden Konten begründete Amazon nicht im Einzelnen, sondern teilte dem Händler lediglich mit, dass gegen die Richtlinien von Amazon verstoßen wurde. Der betroffene Händler sieht hier eine Willkür durch Amazon, unter der die Händler leiden. Hinzu kommt, dass er keinen konkreten Ansprechpartner hatte, der in der Lage war, zu helfen oder helfende Informationen zur Verfügung zu stellen. Auch ein anwaltliches Schreiben ließ Amazon nach Informationen des Händlers unbeantwortet.

Ein Blick in die sehr komplexen, verzweigten und vielschichtigen Richtlinien von Amazon zeigt, dass es durchaus mehrere mögliche Begründungen für einen Richtlinienverstoß gäbe: Die naheliegende Begründung findet sich im Abschnitt „Verbotene Handlungen und Verkaufsaktivitäten“. Hier schreibt Amazon:

„Es ist verboten, mehrere Konten in Seller Central anzulegen und zu verwenden. Wenn Sie ein berechtigtes geschäftliches Interesse daran haben, ein zweites Verkäuferkonto einzurichten, können Sie eine Ausnahmeregelung beantragen […]. Erklären Sie bitte in Ihrem Antrag, warum Sie aus geschäftlichen Gründen ein zweites Verkäuferkonto benötigen.“

Grundvoraussetzung für eine solche Genehmigung ist dabei, dass die beiden Händler-Accounts unterschiedliche Bankkonten, unterschiedliche E-Mail-Adressen sowie verschiedene Produkte und Services aufweisen. Wenn eine solche separate Erlaubnis nicht vorliegt, müssen Händler also mit einer Kontensperrung rechnen.

Ein Händler, der mit sich selbst konkurriert?

Da die Amazon Richtlinien für Händler – wie gesagt – sehr komplex sind, lassen sich auch andere Gründe für die Kontensperrung vermuten: Zum Beispiel schreibt Amazon im Abschnitt „Verkaufsrichtlinien und Verhaltenskodex für Verkäufer“, dass Unternehmer Aktivitäten unterlassen müssen, „die als Versuch wahrgenommen werden könnten, die Suchergebnisse oder Verkaufsranglisten von Amazon zu manipulieren“. Da ein Geschäftsführer mit zwei angemeldeten Accounts und Produkten aus der gleichen Kategorie mit sich selbst konkurriert, könnte dies möglicherweise als eine Art Eingriff in das Suchergebnis-Ranking oder in die Verkaufsranglisten ausgelegt werden.

Amazon darf selbst entscheiden, wer auf dem Marktplatz handeln darf

Es mag dem ein oder anderen Händler vielleicht nicht fair erscheinen und in manchen Fällen sind die Entscheidungen von Amazon tatsächlich mehr als fraglich – doch alles in allem muss eines grundsätzlich festgehalten werden: Amazon stellt Händlern seinen Marktplatz freiwillig zur Verfügung. Und der Konzern kann selbst entscheiden, mit wem er einen Vertrag eingeht und mit wem nicht. Das betrifft übrigens sowohl Händler als auch Kunden.

Natürlich müsste unter Umständen auch eine Frist für die Schließung eines Kontos eingehalten werden. Es sei denn, die Richtlinien werden vom Nutzer gebrochen, sodass Amazon einen begründeten Anlass zur sofortigen Kontenschließung sieht.

Auch muss betont werden, dass Amazon seinen europäischen Sitz in Luxemburg hat. Amazon stützt sich somit auf luxemburgisches Recht – dieser Fakt hat noch ganz andere Folgen und für potenzielle Kläger aus Deutschland einen entscheidenden Nachteil: Denn wer sich veranlasst sieht, gegen Maßnahmen, Kontenschließungen oder sonstige Schritte von Amazon rechtlich vorzugehen, muss dies vor luxemburgischen Gerichten und mithilfe eines Anwalts tun, der eine dortige Zulassung hat.

Für hiesige Händler dürfte es also ziemlich schwierig werden, gerichtlich gegen Amazon anzukommen. Es ist daher unbedingt anzuraten, sich im Rahmen von Umstrukturierungen, Kontenanlegungen, Umfirmierungen oder sonstigen Fragen zu Seller-Konten vorher mit Amazon in Verbindung zu setzen und um Rat zu fragen. Auch ein gelegentlicher Blick in die Richtlinien sollte – selbst von erfahrenen Hasen – immer mal wieder riskiert werden. Denn die Erfahrung zeigt: Bei Richtlinienverstößen kennt Amazon keine Entschuldigung.

 

Geschrieben von Tina Plewinski
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KOMMENTARE  
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Sabine
2017-08-29 19:05 | #17
und mir fällt noch was ein. Warum bietet Amazon mit Verdi keine Versicherung bei Accountsperre an? Eine Verifkation muss vor der Benutzung der Amazonplattform erfolgen. Heute in einer Zeit in der immer mehr Menschen in die Soloselbständig keit gedrängt werden, muss eine Firma wie Amazon ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und auch für die Sicherheit der Händler sorgen. Amazon ist für niemanden mehr sicher, weder für Käufer und Händler. Es ist keine gute Arbeit, die Amazon da leistet!
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Sabine
2017-08-29 19:01 | #16
Amazon ist rücksichtslos und verantwortungsl os. Ein Ziel von Amazon ist die vernichtung des deutschen Handels - dieses Ziel wird höher bewertet als, Kundenfreundlic hkeit.

Wenn man die Umsätze von Amazon mit Alibaba vergleicht - ist Amazon nicht erfolgreich oder riesengroß. Das Potential ist groß, aber Amazon schöpft es nicht aus. Das hat viele Gründe.

Amazon hat laut Kölner OLG die kundenfeindlich sten AGBs. Auch die Händlerverträge sind extrem kundenfeindlich . Die Verifikation auf Amazon ist zwar eine Auflage von Europa, aber die geheimnisvolle Art und Weise der Durführung kommt von Amazon.

Die Verifikation ist ein Händlergrab. Hier erkennt man die wahre hässliche Fratze von Amazon, die mittlerweile das Internet und die Zeitungen füllt.

Ja natürlich hat Amazon auch Hausrecht. Aber warum lässt Amazon alle auf seine Plattform ohne Qualifikationsn achweis und Pflichtnachschu lung? Das finde ich merkwürdig. Das altgediente Händler aufgrund der Verifikation aufeinmal fristlos gekündigt werden, finde ich noch merkwürdiger. Das hat Gründe, jedoch nicht die, die wir annehmen.

Kann es sein, dass die Amazon Academy nur rentabel ist, weil sie pro Person/Tag 1000 Euro kostet? Muss man so eine Art Schutzgeld jetzt bei Amazon zahlen, um mehr vertragssicherh eit zu erhalten?

Amazon stellt Fallen aus, um seine Händler ruinieren zu können. Kann Amazon nicht auch mal von sich aus Händler kontaktieren und Probleme durchsprechen? Auch die nichtvorhandene Trennung zwischen Handel und Geschäftskunde ist eher eine arglistige Täuschung zum Nachteil des Händlers.

Warum führt Amazon das Fulfillment nicht weiter, wenn ein Händler nicht mehr verkaufen darf? Eine Auflösung des Lagers ist eine unzumutbare Härte. Warum gibt Amazon die Gründe nicht Preis, die zu einer fristlosen Kündigung geführt haben und kommt damit durch?

Das mit den 2 Händlerkonten ist auch relativ bei Amazon. Ich hatte ein 10 Jähriges Händlerkonto und die Sofware war veraltet. Ich wurde von Amazon gezwungen ein zweites Händlerkonto zu eröffnen. Das hat mich überhaupt nicht erfreut, und zwar wegen der zweiten Gebühr und all meiner tollen Händlerbewertun gen.

Dürfen wir kleinen Händler über 20 Jahre gewinnlos Handel betreiben? Hat Amazon erst mit den 600 Millionen von der CIA Gewinn gemacht? Von wem soll die Schwarzgeldgefa hr ausgehen? Vom deutschen Umsatzsteuerpfl ichtigen Händler? Ganz bestimmt nicht!
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DavKi
2017-08-26 07:49 | #15
Mit tun alle leid die auf amazon angewiesen sind.
Im übrigen ist es amazon egal ob ihr dort verkauft oder nicht, die verdienen auch ohne euch genug um für den Rest der Menschheitsgedc hichte TOP seller zu sein.
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Hans
2017-08-24 15:23 | #14
Amazon ist eine Katastrophe für Händler. Einige Händler sind es aber auch und in diesem Fall war die Sperre mehr als gerechtfertigt.

Zum einen steht das ja klar in den Richtlinien, wenn ich auf Amazon als Hersteller / Händler beginne zu verkaufen sollten die Richtlinien eine tägliche Lektüre sein. Durch Amazon erhält man je nach Produkt vor allem als Hersteller direkt mal einen Boost von 70-80%. man kann noch so weit verstreut sein, nach Amazon kommt lange lange nichts irgendwann einmal Ebay und für die letzten paar % kann man sich die Mühe gleich sparen.

Auf jeden Fall bedeutet der Einstieg in Amazon viel mehr Arbeit, viel mehr Umsatz und sehr viel Verantwortung. Der komplette Betrieb, sollte das nicht schon Standard sein, muss wie ein perfektes Uhrwerk laufen, für Fehler gibt es kein Pardon. Man stellt mehr Leute ein und für diese Leute ist man dann auch verantwortlich.
Du bist ab dem Moment ein Gefangener von Amazon und musst "brav" sein, vor allem darfst du deinen Mund nicht zu weit aufmachen und jeglicher Forderung in Sekunden nachkommen.

Mir ist schon klar wieso gerade junge Start-Ups ohne Bindung zum eben neu gegründeten Unternehmen, für jeden Staubkorn eine Marke registrieren wollen und dafür nach Außen auch als eigenständiges anderes Unternehmen auftreten wollen.

So ist doch die Strategie von vielen Topsellerproduk ten, günstig von China ins FBA Lager. Dem deutschen Kunden suggeriert man eine deutsche, bekannte Firma mit naturverbundene n Fotos welche mit der Realität nichts zu tun haben.

Viele Aktionen von Amazon gegenüber Händlern sind nicht in Ordnung. Die Sperre von Unternehmen welche sich hinten rum ein unnötiges Täuschungskonst rukt aufbauen war aber längst überfällig.
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H. Ostermann
2017-08-24 13:29 | #13
Tatsächlich ist Amazon da rigoros. Sofern der "wirtschaftlich berechtigte" zweier Accounts identisch ist definieren die das als eine Firma.
Ein Teilhaber einer GmbH hat noch ein zweites Einzelunternehm en. Für mich, das deutsche Finanzamt, die Stadt und jeden anderen sind das zwei Unternehmen. Aber nicht für Amazon..... ein Account musst geschlossen werden.
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Gertraud Gruber
2017-08-24 12:18 | #12
Eine Firma mit zwei Amazon Konten ist ein bisschen verdächtigt! Dann muss so was zustande kommen.
http://gertraud-gruber.online
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St. Glaser
2017-08-24 11:29 | #11
> Fragen zu Seller-Konten vorher mit Amazon in Verbindung zu setzen und um Rat zu fragen.

Da kann ich der Schreiberin des Artikel nur sagen, das können Sie gerne mal versuchen, bis Sie jemanden an der Leitung haben der nur ansatzweise Kompetent ist - sind wir alle alt und grau. (wir hatten mal einen direkt Ansprechpartner - diese hat amazon vor 5-6 Jahren? abgeschafft)

> Amazon stellt Händlern seinen Marktplatz freiwillig zur Verfügung.

Das sehe ich nicht so. Bei der "erst Zulassung" (und wir wollen festhalten amazon ist keine Behörde) .. würde ich diesen Satz noch akzeptieren.
Ansonsten habe ich einen Vertrag zwischen (in der Regel) 2 Firmen, wo eine angemessene Kommunikation zu erwarten wäre! Diese findet (und ich kann sagen wir haben hier ausreichend Erfahrungen) nie statt.

* das kann nur der xy Support
* da kann ich jetzt nicht rein sehen
* das kann ich nicht ändern
* laden Sie mal Dokument xy hoch (das geht auch noch wenn man das schon 3mal gemacht hat)

usw.

Noch wein Wort zum "Regelwerk", wo sich 1. amazon selbst nicht dran hält, Händler aber sperrt. 2. Kein Mensch den quatsch sich durchlesen kann, bringt auch nicht´s amazon ändert und ergänzest ihn sowieso ständig.

Fazit: Wenn wir amazon abschießen könnten würden wir es sofort tun.

Mfg.
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Ralf
2017-08-24 10:37 | #10
Macht den Großen doch nicht noch Größer. Ich stehe nicht gerne auf einem Bein. Es gibt in der Tat noch viele andere Verkaufskanäle. Wie Amazon arbeitet ist hinlänglich bekannt. Dieser Willkür würde ich mich nicht aussetzen und wohlmöglich mit meiner Existenz spielen lassen. Bei 70% Umsatzeinbruch wüsste ich, was ich machen würde.
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Andree
2017-08-24 10:11 | #9
Darum verkaufen wir auch nichts mehr bei Amazon, nur Ebay (die sind auch nicht das gelbe vom Ei aber bei weitem nicht so schlimm wie Amazon), eigener Webshop und inzwischen auch einige Großhändler.

Auf Amazon werden wir definitiv nicht verkaufen.
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Peter
2017-08-24 09:26 | #8
Man sollte generell über mehrere Marktplätze seine Artikel streuen und auf diese Art und Weise kann man dann seinen Kundenkreis erweitern. Ebay, Rakuten, Smartvie, Real etc. und wie sie noch alle heißen die verschiedenen Marktplätze in Deutschland.

Das würde ich empfehlen, anstatt alles auf eine Karte zu setzen. Man hat ja gesehen was dabei rauskam -> empfindlicher Umsatzeinbruch
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