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Metro Group kauft Emmas Enkel: Fokus der Wachstumsstrategie liegt online

Veröffentlicht: 03.05.2016 | Autor: Julia Ptock | Letzte Aktualisierung: 03.05.2016

Der Multichannel-Händler Emmas Enkel gehört ab jetzt zur Metro. Der Handelskonzern hat die Mehrheit an dem StartUp übernommen und baut damit sein Engagement im E-Commerce weiter aus. Es ist Anzunehmen, dass durch die Übernahme, die Entwicklung der Lieferung von Lebensmitteln weiter vorangetrieben werden soll.

Emmas Enkel Multichannel

© Metro Group

Die Metro-Group hat sich mit dem E-Commerce eine lange Zeit sehr schwer getan. Mit Blick auf die Elektro-Sparte – also Media Markt und Saturn – zeigte sich, wie schwer es war, die an die Konkurrenz verlorenen Marktanteile zurückzuerobern. Mittlerweile ist Media-Saturn im E-Commerce angekommen und verbuchte im Geschäftsjahr 14/15 einen soliden Umsatz in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Online wurden allein 1,4 Milliarden Euro eingenommen.

Während die Media-Saturn-Tochter auf dem richtigen Weg ist, ist der Punkt E-Food noch weit davon entfernt. Und auch hier ist die Konkurrenz groß – gerade Rewe konnte in den letzten Monaten mit seinem Lebensmittellieferdienst punkten. Und immer mehr Marktteilnehmer ziehen nach.  

Gründer behalten nur sieben Prozent

Entsprechend ist die Übernahme von Emmas Enkel durch die Metro Group keine besonders große Überraschung und eher als konsequente Weiterentwicklung der E-Commerce Strategie des Handelsriesen zu betrachten. Schon 2015 erwarb die Metro AG eine 15-prozentige Beteiligung an Emmas Enkel und wie es bei pr-online.de heißt, war Metro-Chef Olaf Koch voll des Lobes für das Jungunternehmen: „Das sind absolut kreative Köpfe. Das werden wir weiter ausbauen.“

Nun hat die Metro Nägel mit Köpfen gemacht und sich die Mehrheit an dem Multichannel-Händler gesichert. Mit 93 Prozent Beteiligung kann der Metro Konzern nun die weitere Entwicklung von Emmas Enkel bestimmen. Die beiden Gründer - Sebastian Diehl und Benjamin Brüser – ziehen sich hingegen aus dem operativen Geschäft zurück, bleiben jedoch als Gesellschafter an Bord. Allerdings halten sie zusammen nur noch sieben Prozent an dem Unternehmen. Wie viel Geld die Metro für die Anteile auf den Tisch gelegt hat, ist nicht bekannt.

Lokale Expansionspläne wurden bisher nicht umgesetzt

Aber warum investiert die Metro so stark in das 2011 gegründete Unternehmen? Die Frage ist einfach zu beantworten. Als Emmas Box vor fünf Jahren gegründet wurde, traten die Gründer mit dem Versprechen an, den Kunden beim Lebensmitteleinkauf ein „Maximum an Flexibilität, Komfort und Service“ zu bieten, ganz egal, welcher Bestellweg genutzt wird. Das heißt: Neben dem Online-Supermarkt gibt es auch einige Filialen vor Ort – bisher in Düsseldorf, Essen und Berlin. Die Kunden können sich die bestellten Lebensmittel entweder nach Hause liefern lassen oder in der Filiale abholen.

Mit der Beteiligung Ende 2014 von Metro an Emmas Enkel sollte die Expansion weiter vorangetrieben werden. In der Pressemeldung hieß es damals, dann man „in den kommenden Monaten die Expansion in Deutschland rapide beschleunigen“ wolle. Von Filialen in Dortmund, Köln und Düsseldorf war die Rede. Daraus ist bisher jedoch nichts geworden und scheinbar soll zukünftig eher der Bereich Online ausgebaut werden. Wie es heißt, soll Emmas Enkel „in seiner Wachstumsstrategie künftig noch stärker auf online“ setzen und sich „zu einem Format für digitale Innovationen innerhalb der Metro Group entwickeln.“

Aufspaltung der Metro Group geplant

Gerade die Punkte Online und Lebensmittellieferung dürften für Metro-Group besonders wichtig sein. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz scheint die Metro Group den Start im E-Food-Bereich zu verschlafen. Durch die Übernahme von Emmas Enkel könnte dies nun stärker fokussiert werden. Diese Entwicklung passt sehr gut zu den in den letzten Jahren stattfindenden Veränderungen bei Metro. Im Dezember 2015 erklärte Konzernchef Olaf Koch, dass das Geld aus dem Kaufhof-Verkauf unter anderem dafür genutzt werden soll, die 2.000 Metro-Filialen „attraktiver zu gestalten“ und schließlich auch in den E-Commerce zu investieren. Aber auch die kürzlich Übernahme des Online-Marktplatzes Hitmeister durch Real passt in diese Strategie.

Ohnehin ist bei der Metro Group aktuell viel in Bewegung. Wie Ende März bekannt wurde, bereite man aktuell eine Aufspaltung des Konzerns in zwei leistungsstarke Handelsgruppen vor. So soll es auf der einen Seite einen Spezialisten für den Großhandel und für Lebensmittel geben und auf der anderen Seite ein auf den Verkauf von Elektronik-Produkten spezialisiertes Unternehmen. Hintergrund der möglichen Teilung: Die beiden Sparten haben wenig miteinander gemein, weswegen es nur zu wenig Synergieeffekten kommen kann und gemeinsame Investitionen sich kaum lohnen. Eine entsprechende Trennung könnte die beste Möglichkeit für „beschleunigtes profitables Wachstum“ sein – so zumindest Jürgen Steinemann, Aufsichtsratsvorsitzender der Metro AG. Ob die Trennung jedoch stattfindet, steht bisher noch nicht fest, da der Aufsichtsrat den Plänen erst noch zustimmen muss.

 

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