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Online-Handel: Zahlungsmoral der Deutschen schwächelt leicht

Veröffentlicht: 20.01.2017 | Autor: Julia Ptock | Letzte Aktualisierung: 20.01.2017 | Gelesen: 3188 mal

Wie ist es um die Zahlungsmoral der Deutschen bestellt? Die neusten Daten des Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen zeichnen ein düsteres Bild. 78.200 Privatpersonen mussten 2016 Privatinsolvenz anmelden. Ein unkontrolliertes Konsumverhalten ist oft der Hauptgrund. Besonders der Online-Handel hat Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden.

Mann mit Kreditkarten in der Hand bedient Taschenrechner
© peang – shutterstock.com

Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) hat analysiert, wie es um die Zahlungsmoral der Deutschen bestellt ist. Das Resultat: Im Großen und Ganzen gut. 65 Prozent der 560 Mitglieder des BDIU berichten, dass Rechnungen jetzt genauso gut wie auch vor sechs Monaten beglichen werden. 21 Prozent beobachten sogar eine bessere Zahlungsmoral. Damit sind die Werte im Vergleich zum Sommer 2016 nur schwach gesunken – 90 Prozent der Inkassounternehmen beobachten eine gleichbleibende bis bessere Zahlungsmoral.

Mehr als die Hälfte wollen die Rechnung vorsätzlich nicht bezahlen

Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt. Nach wie vor haben einige Branchen extrem mit einer schlechten Zahlungsmoral der Verbraucher zu kämpfen. Gerade auf Grund der großen Konsumfreude müssen sich Unternehmen vor Risiken wappnen.

Betroffen von einer schlechten Rechnungstreue ist vor allem der Online-Handel bzw. die Konsumbranche im Allgemeinen. 48 Prozent der Inkassounternehmen melden, dass der Online- beziehungsweise der Versandhandel Schwierigkeiten mit unzuverlässigen Zahlern auf der Kundenseite hat.

„Wir beobachten durchaus eine gewisse Nachlässigkeit bei einigen Verbrauchern, was das Einhalten von vertraglichen Verpflichtungen angeht“, erklärt BDIU-Präsidentin Pedd. „Gerade im Onlinehandel lassen es manche Kunden gerne mal auf die erste oder zweite Mahnung ankommen.“

Besonders alarmierend: 54 Prozent der Inkassounternehmen berichten von einem vorsätzlichen Nichtbezahlen. Pedd: „Mancher Kunde denkt: Mir wird schon nichts passieren, wenn ich nicht bezahle. Das ist purer Egoismus, für den der Gläubiger die Zeche zahlen muss. Kleine Onlineshops und Start-ups kann das hart treffen, sie müssen knapp kalkulieren und sind dazu gezwungen, die Kosten, die die Zahlungsmuffel verursachen, auf die Preise für alle Kunden umzulegen. So zahlt der redliche Kunde den Preis für den unehrlichen mit.“

Unkontrolliertes Konsumverhalten als relevanten Nichtzahlgrund

Auch in puncto Verbraucherinsolvenzen gibt es alarmierende Nachrichten. Zwar ist die Zahl der Insolvenzen von Privatpersonen im letzten Jahr leicht um zwei Prozent auf 78.200 gesunken, doch stehen diesen 6,8 Millionen verschuldeten Verbrauchern gegenüber. „Es scheint, als gäbe es hier einen Sockel an harter Überschuldung, der sich auch durch eine optimal laufende Konjunktur nicht abbauen lässt“, erklärt Marion Kremer, Vizepräsidentin des BDIU.

Dabei hat sich der Hauptgrund für das Nicht-Bezahlen von Rechnungen in den letzten Jahren gewandelt. 2009 gaben 80 Prozent der Inkassounternehmen an, dass der Jobverlust und damit fehlende Einnahmen zur Verschuldung führten. 2016 waren das nur noch 42 Prozent. Mittlerweile bewerten die BDIU-Mitglieder ein unkontrolliertes Konsumverhalten als relevanten Nichtzahlgrund. Befragt nach den Gründen, warum junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren Schulden haben, sagen 85 Prozent der Inkassounternehmen, dass die Betroffenen generell zu hohe Konsumausgaben hätten.  

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