Dr. Oetker will den Anschluss nicht verlieren

Veröffentlicht: 22.03.2018 | Geschrieben von: Anna Chumachenko | Letzte Aktualisierung: 22.03.2018

Tradition spielt für das Familienunternehmen, das nun seit mehr als 125 Jahren Marktführer bei Backartikeln, Backmischungen, Dessertprodukten und Pizza in ganz Europa ist, eine große Rolle. Jedoch muss sich Dr. Oetker immer wieder auf die Verbraucherbedürfnisse einstellen, sei es durch neue Sortimente oder moderne Strategien.

Rosa Torte mit rosa Cupcakes
© voloshin311 / Shutterstock.com

Der Familienkonzern Dr. Oetker will sich neu positionieren und verfolgt schon seit einiger Zeit eine Digitalisierungsstrategie, die vor allem die jüngere Generation ansprechen soll. Die Meerjungfrau-Backmischung, blau, glitzernd und mit schimmernden Dekor-Perlen, oder die lustigen Minions für Muffins und Torten, sind ein guter Versuch, um die sogenannten Millennials auf der sonst eher konservativen Website anzusprechen. Und die wollen nicht einfach nur einen Apfelkuchen backen. In Zeiten von Instagram und Pinterest geht es ums Auffallen und Kreativität, sei es durch Motto-Partys oder ausgefallene Torten aus Kitkat, Oreo oder Kinderriegel.

Digitallabor arbeitet gezielt an Zukunftsplänen

Wie NginFood schreibt, werden die Zukunftspläne dafür in einem Berliner Innovationsbüro, welches Anfang 2017 aufgebaut wurde, geschmiedet. Aus dieser Digitaleinheit sollen demnach auch der Tortenlieferdienst Kuchenfreude.de und das Rezeptportal Backen.de entstanden sein.

Schon im Sommer letzten Jahres betonte der neue Oetker-Chef, Albert Christmann, in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass das Unternehmen dem digitalen Wandel entgegenkommen will. „Wichtig sind starke Marken im digitalen Umfeld, weil schwache Marken einfach aussortiert werden. Im digitalen Zukunftswettbewerb müssen wir zudem mit neuen Ideen dabei sein“, sagte Christmann damals. Keinesfalls wolle er als “old-fashioned” eingestuft werden.

Meerjungfrauen Backmischung
© Screenshot Dr.Oetker.de

StartUps können besser auf Kundenwünsche eingehen

Das will er wohl auch auf das mittelständische Unternehmen übertragen, wobei ihm vor allem StartUps unter die Arme greifen sollen. Erst vor einigen Wochen investierte der Lebensmittelkonzern in das Kölner Backwarenunternehmen DeineTorte.de. Dr. Oetker hat sich 49 Prozent an dem Tortenspezialisten InterNestor GmbH gesichert, der sich vor allem auf individualisierbare und exklusive Torten und Desserts spezialisiert. Denn Motivtorten dürfen mittlerweile auf keinem Kindergeburtstag, keiner Baby-Shower oder sonstiger Feier fehlen. „Wir wollen dem Verbraucher genau das Stück Kuchen anbieten, was er sich wünscht“, so Christmann. Dabei soll der Online-Einkauf für den Kunden schnell und bequem sein, beispielsweise liefert DeineTorte.de mit UPS Express schon am nächsten Tag.

Dr. Oetker Pizza löscht Facebook-Account und wird im Netz gefeiert

Auch will sich das Familienunternehmen in Sachen Marketing neu orientieren. Laut Christmann müsse der Kontakt zum Verbraucher nur zeitgemäß interpretiert werden, damit auch die nächste Generation wieder erreicht wird. Das geht seiner Meinung nach „mit digitalen Mitteln leichter als auf dem klassischen Weg“.

So hatte Dr. Oetker Pizza erst neulich seinen Facebook-Account wegen des jüngsten Skandals rund um Facebook und die Datenfirma Cambridge Analytica gelöscht. Dr. Oetker ging dabei auf das kursierende Hashtag #DeleteFacebook ein und nutzte die Aufforderung gleichzeitig für einen wahrscheinlichen Marketing-Gag.

Screenshot Twitter
© Screenshot Twitter

In der Vergangenheit wurde das Social-Media-Team des Konzerns im Netz gefeiert, weil es auf Twitter einen hässlichen Kommentar über die Schokopizza besonders souverän und schlagfertig kontern konnte. Das kommt natürlich nicht nur bei vielen jungen Nutzern gut an, sondern bringt dem Unternehmen auch gleichzeitig die nötige Publicity, um sich auch als alter Hase gegen die vielen StartUps durchzusetzen.

Screenshot Twitter
© Screenshot Twitter

Kommentare  

#1 Tim 2018-03-23 00:14
Wahrscheinlich ist es ein Marketing Gag, ja. Schöner wäre es, wenn sich weitere Unternehmen anschließen würden.
Wie kann ich, obwohl bekannt ist, wie zwielichtig manchmal geradezu Illegal sich die Datensammelei bewegt, als 'gutes' Unternehmen sich bei FB zu präsentieren? Die Sozial Media Button sind ja noch da und bestimmt auch das FB Pixel. Dieses ja eigentlich auch einen Graubereich beim Datenschutz darstellt. OK, die Marketer wissen darum Bescheid. In Seminaren wird darauf hingewiesen, das der Pixel Quasi ein Muss darstellt. Aber die Beteiligten wissen auch. . . das die Methode Fraglich ist.

Für mich ist es kein Gag, für mich ist es die Konsequenz, die eigentlich jedes Unternehmen so handhaben muss.
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