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Produktpiraterie

In der EU wird immer weniger raubkopiert, aber…

Veröffentlicht: 28.11.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 28.11.2019
Mandalorian

Der Konsum raubkopierter Medieninhalte im Netz geht in der EU zurück. Einem aktuellen Bericht des Amts der EU für geistiges Eigentum (EUIPO) zufolge hat der Zugriff auf entsprechende Inhalte zwischen 2017 und 2018 um gut 15 Prozent abgenommen. Vor allem Musik wird erheblich weniger raubkopiert, hier beträgt der Rückgang sogar 32 Prozent. Bei Filmen sinkt die Rate um 19,2 Prozent, bei Fernsehinhalten um 7,7 Prozent. Das heißt allerdings nicht, dass das Problem aus der Welt ist. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres griff der durchschnittliche Internetnutzer in der EU noch immer 9,7 Mal pro Monat auf raubkopierte Inhalte im Internet zu.

Deutsche greifen sieben Mal pro Monat auf Raubkopien zu

In Deutschland ist der Rückgang stärker als im EU-Schnitt. 6,8 Mal pro Monat griff der durchschnittliche deutsche Nutzer auf entsprechende Inhalte zu, der hiesige Rückgang liegt bei über einem Viertel (25,7 Prozent). Die illegale Nutzung von Musik ging sogar fast um die Hälfte zurück (46,1 Prozent). Bei Filmen sind es 28,9 Prozent und bei Fernsehinhalten knapp 20 Prozent. Der Bericht stützt sich auf einen Datensatz von mehr als 70 Milliarden Internetverbindungen über einen Zeitraum von 21 Monaten zwischen Januar 2017 und September 2018.

Netflix und Spotify schlagen Warez

„Trotz des Rückgangs beim Konsum raubkopierter Inhalte, den wir in unserer Studie festgestellt haben, ist immer noch viel zu tun, um dieses Problem zu bewältigen. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse der Studie Entscheidungsträgern bei der Entwicklung von politischen Maßnahmen und Lösungen helfen“, erklärt der Exekutivdirektor des EUIPO, Christian Archambeau. Auch das Streaming über illegales IPTV (Internet Protocol Television) bleibt ein Problem. Bis zu 13,7 Millionen EU-Bürger streamen laut EUIPO illegal. Die Anbieter nehmen dadurch bis zu 941,7 Millionen Euro pro Jahr ein – über Einmalzahlungen, illegale Set-Top-Boxen oder Abos von nicht autorisierten Einzelhändlern. 5,74 Euro gibt der durchschnittliche Nutzer solcher Angebote durchschnittlich pro Monat aus.

„Streaming Wars“ zwischen legalen und illegalen Anbietern

Der stetige Rückgang der Nutzung illegaler Inhalte liegt vor allem im Siegeszug von legalen Streaming-Angeboten begründet. Die vergleichsweise günstigen Preise von Netflix (Filme und Serien), Spotify (Musik) oder Dazn (Sport) laufen den illegalen Angeboten den Rang ab. Die mittlerweile als „Streaming Wars“ betitelte Aufsplittung des Marktes sorgt allerdings wiederum für eine Zunahme der illegalen Streaming-Nutzung, zumindest bei ausgewählten Inhalten. Immer mehr Angebote wollen Netflix und Amazon Prime Konkurrenz machen, zuletzt starteten mit Apple TV+ und Disney+ zwei neue starke Herausforderer, im kommenden Jahr will HBO (u.a. „Game of Thrones“) nachziehen. Dies sorgt für mehr Exklusivinhalte auf den einzelnen Portalen. Aktuellstes Beispiel ist die „Star-Wars“-Serie „The Mandalorian“: Diese gibt es ausschließlich bei Disney+. Der Dienst wiederum ist in den USA bereits gestartet, kommt aber erst Ende März nach Deutschland und weite Teile von Europa. Das Ergebnis: Nur kurz nach dem Start war „The Mandalorian“ bereits die aktuell am häufigsten illegal gestreamte Serie, wie etwa Torrentfreak analysiert.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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