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Die Redaktion diskutiert

Corona-Warn-App: Fluch oder Segen?

Veröffentlicht: 19.06.2020 | Autor: Redaktion | Letzte Aktualisierung: 22.06.2020
Corona-Warn-App

Die Gesellschaft ist mal wieder zweigeteilt: Nach Toten Hosen vs. Die Ärzte und Bayern München vs. Borussia Dortmund gibt es nun wieder zwei Gruppen: Die Corona-App-Befürworter und die Gegner. Auch in der Redaktion der OnlinehändlerNews gibt es diese zwei Lager. Hier kommen beide zu Wort.

Sandra meint: Die Büchse der Pandora

Sandra May

Ich stehe dazu: Die Warn-App habe ich mir derzeit nicht installiert. Das liegt nicht daran, dass ich irgendwie asozial bin und die Gefahren der Pandemie verkenne. Es liegt auch nicht daran, dass ich datenschutzrechtliche Bedenken habe. Rein technisch gesehen haben die Macher der App das mit den personenbezogenen Daten meiner Ansicht nach vorbildlich gelöst. Nein, meine Bauchschmerzen rühren eher daher, dass man mit dieser App die Büchse der Pandora zumindest ein Stück weit öffnet.

Was ich an der App vermisse ist eine Regelung, die den Umgang mit eben dieser klar regelt. Es kann nämlich nicht angehen, dass Personen von ihrem Arbeitgeber, vom Schankwirt oder dem stationären Händler, der Eintritt verwehrt wird, wenn diese App nicht auf dem Handy installiert ist.

Jetzt werden sich einige denken: Die soll sich nicht so haben, tut ja nicht weh. Und wenn sie die App nicht will, kann sie halt nicht Essen gehen.

Ja, stimmt ja auch, irgendwo ist das dann mein Problem. Allerdings ist dieser Gedanke sehr kurz gegriffen. Um die App zu installieren, benötigt man ein relativ aktuelles Betriebssystem auf seinem Smartphone. Im Radio gestern habe ich gehört, dass Menschen, mit einem Smartphone, welches älter ist als fünf Jahre, die App nicht verwenden können.

Eine gesellschaftliche Kluft 

Ich weiß, vielen war bei der Homeschooling-Sache schon nicht klar, dass nicht jeder Haushalt über ein Notebook für seine Kinder, geschweige denn überhaupt über so ein Endgerät verfügt, deswegen offenbare ich hier gern eine einfache Realität: Es gibt Bevölkerungsgruppen, die können und wollen sich kein aktuelles Smartphone leisten. Es gibt sogar Menschen (Grüße an dieser Stelle an meine liebe Freundin Sarah), die aus Prinzip kein solches Gerät ihr Eigen nennen und denen ein einfaches Tastenhandy reicht, um unterwegs erreichbar zu sein. Und dazu kommt noch die Personengruppe, die häufig mit der Bedienung eines solchen Gerätes überfordert, gleichzeitig aber auch mit am meisten von Vereinsamung betroffen ist: ältere Menschen. 

Das heißt, dass das Fehlen einer Regelung, die eindeutig das Diskriminieren von Personen ohne diese App verbietet, dazu führen kann, dass ein ganzer Teil der Gesellschaft vom normalen sozialen Leben ausgeschlossen wird. Es trifft, wie bereits während der Schließung von Schulen, vor allem die Leute aus sozial-schwachen Umfeldern. 

Die Frage ist: Wollen wir diesen Teil der Gesellschaft weiterhin an den Rand drängen? Die Antwort hierauf sollte ein entschiedenes „Nein“ sein. Die App ist gut und schön. Ich empfinde es als begrüßenswert, dass Deutschland die Krise nutzt und endlich mal das Thema Digitalisierung in Angriff nimmt. Hier haben wir nämlich so einiges aufzuholen. Allerdings sollte die Regierung auch mal einen Gedanken daran verschwenden, dass das lange Schlampen in Sachen Digitalisierung dazu geführt hat, dass es auch hier eine riesen Kluft zwischen arm und reich, jung und alt entstanden ist. Entsprechend müssen natürlich Regeln her, die verhindern, dass dieser Teil der Gesellschaft nicht komplett abgehängt wird.

Corinna sieht: Licht am Ende des Tunnels

Corinna Flemming

Es war der 17. März 2020. An diesem Dienstag wurde die gesamte Firma zum Schutz vor dem Coronavirus ins Homeoffice geschickt und schlagartig änderte sich das Leben. Es folgten drei Monate, in denen sich das öffentliche Leben erst komplett auf Sparflamme befand, um dann langsam und mit deutlichen Einschränkungen den Weg wieder in eine neue Normalität zu finden. Seit Dienstag gibt es nun die Corona-App, die helfen soll, den Verlauf des Virus nachzuvollziehen und es hoffentlich, soweit es geht, einzudämmen. Die Bekanntgabe der App ging natürlich mit einer hitzigen Debatte einher, die immer noch anhält: Lade ich sie mir runter, ja oder nein? Ich bin ein klarer Befürworter der App und habe sie auf meinem Handy! 

Der Deutsche und sein Gemeckere 

Das Wetter, die Fußballergebnisse, dass Grün das neue Pink sein soll – wir Deutsche haben ja diese zweifelhafte Gabe über wirklich noch so jede Kleinigkeit zu meckern und das Schlechte zu finden. Das war natürlich auch in der Coronazeit nicht anders. Als die Geschäfte, Schulen, Kitas, Restaurants etc. geschlossen wurden, war der Aufschrei groß. Dann kam die Maskenpflicht, die Bundesliga nahm ihren Betrieb wieder auf und nun also die Corona-App. Scheinbar ist auch hier bei einem Teil der Bevölkerung die Grundeinstellung „anti”. 

Hinterfragen und nicht alles wortlos hinnehmen ist richtig und wichtig, aber muss man alles direkt in der Luft zerreißen? Vielleicht können wir nur ab und zu mal versuchen, das Positive an einer Sache zu sehen und die Vorteile hervorzuheben. Die App könnte dafür sorgen, das Virus einzudämmen, Tausenden das Leben zu retten, unseren Alltag so gut es geht wieder aufzunehmen, unsere Familie und Freunde hoffentlich bald wieder zu sehen und in den Urlaub fahren zu können. All das sind gute Gründe für mich, die App zu unterstützen.

Datenschutz? Das ich nicht lache

Eine Reihe der App-Gegner könnte jetzt natürlich die Datenschutz-Keule rausholen. Dazu fällt mir nur folgendes ein: Es war vor einem Jahr, als gefühlt jeder Bilder gepostet und per WhatsApp rumgeschickt hat, in denen er oder sie als Rentner zu sehen war. Das war mal kurz lustig, bei dem Quatsch hab ich mich allerdings rausgehalten. Ich seh mich noch zeitig genug als alte Frau, dass muss ich nicht künstlich beschleunigen. Dass es sich dabei um eine App handelte, die Daten en masse offenbar auf russischen Servern gespeichert und alles andere als DSGVO-konform gehandelt hat, wurde natürlich erst nachher bekannt. Sobald die ersten Bilder auf Facebook, Twitter und Instagram aufgetaucht sind, haben sich Tausende diese ach so lustige App heruntergeladen. Damals wurde nicht ein Gedanke daran verschwendet, ob es sicher ist, die App auf dem eigenen Handy zu haben. Fragen nach dem Datenschutz? Gab es eigentlich nicht.

Von Lieferdiensten, bei denen wir, ohne mit der Wimper zu zucken, unsere Adressdaten angeben, will ich gar nicht erst anfangen. Auch nicht von Twitter, Facebook, WhatsApp, Instagram, TikTok und all den ganzen anderen sozialen Kanälen, auf denen praktisch das ganze Leben für jeden zugänglich dokumentiert wird.

Sich keine Gedanken darüber machen, bei Ebay Kleinanzeigen einem potenziellen Käufer die eigene Adresse mitzuteilen und vielleicht noch dazuzuschreiben, ab wann man erst wieder zuhause ist, um für 3 Euro ein altes Playstation-Spiel zu verkaufen, aber aus Datenschutzgründen sich eine App nicht runterladen wollen, die Leben retten kann und unseren Alltag wieder normal werden lässt? Genau mein Humor!

Vielleicht bin ich ja naiv, aber ...

Ich bin kein Technik-Experte und mache mir um solche Sachen auch weniger Gedanken, als manch anderer. Aber natürlich hab ich mir vor der Installation ein paar Reviews der App eingeholt, um auch wirklich auf der sicheren Seite zu sein. Und wenn mir Experten wie der Chaos Computer Club oder Frank Thelen sagen, bei der Corona-App sieht es mit dem Datenschutz gut aus, dann glaub ich das auch. Außerdem ist mein technisches Verständnis einfach zu gering, um fachkundig dagegen zu argumentieren. Nennen Sie mich naiv und leichtgläubig, aber so ist es halt. 

Und wenn das Robert-Koch-Institut und die Bundesregierung nun wissen, dass Corinna Flemming aus Leipzig jeden Montagabend im Kaufland ihren Wocheneinkauf erledigt, dann habe ich damit auch keine wahnsinnig großen Probleme. Wenn es dabei hilft, das Virus einzudämmen und wir, gerne auch mit Maske, wieder ein Stück weit zur Normalität zurückfinden, dann ist es mir das wert.

Kommentare  

#3 Alexander 2020-06-22 08:30
War mir dann doch ein Bedürfnis:::: [Anm.: Link von der Redaktion entfernt]
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#2 Alexander 2020-06-20 08:56
Also ich habe noch in keiner Weise irgendwo den Ansatz gespürt, es würde jemand diskriminiert. Das wäre fatal und kontraproduktiv . Ich bin überzeugt, daß wir als Gesellschaft reif genug sind nicht auch noch technisch zu diskriminieren. Nein wenn wir jetzt gerade beginnen die zahlreichen Felder der Diskrimierung zu bekämpfen, eine Corona-Warn Diskriminierung darf es nicht geben. Ich fände es schön wenn der Teil der Gesellschaft der mit seinem mobilen Endgerät die technischen Möglichkeiten mitbringt die App auch installiert. Die App wird ihren Beitrag die Gesellschaft zu schützen auch leisten wenn nur diejenigen die App installieren die ein moderneres Betriebssystem haben.
Was mich schockiert ist, wie schlecht jeder einzelne informiert ist, wie die App funktioniert. Ich konnte bis jetzt jeden Zweifler im Gespräch überzeugen.
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#1 Axel Jasper 2020-06-19 22:41
Die Frage ist doch bei dieser App. Ist die App überhaupt interessant?
Wahrscheinlich lange nicht so wie Fatzebook und Co.
Da die meisten zum Glück vom Virus nicht betroffen sind werden sie diese App leider
nicht herunterladen. Dann gibt es noch einige (meiner Kollegen) die haben von dieser
App noch nicht einmal gehört. Da war ich dann doch fassungslos.
Wir, meine Familie und ich, waren mit die Ersten die diese App heruntergeladen haben.
Mal sehen was so passiert denn der Urlaub steht an.

BLEIBT GESUND
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