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Studie von Algorithmwatch

Instagram bevorzugt Bilder mit nackter Haut

Veröffentlicht: 17.06.2020 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 18.06.2020
Frau am See

Eine aktuelle Studie des European Data Journalism Network und der Organisation Algorithmwatch legt nahe, dass der Algorithmus, der bei Instagram dafür sorgt, welche Bilder im Feed des Nutzers landen, nicht ganz objektiv vorgeht. Offenbar werden Fotos, die viel nackte Haut zeigen – also etwa Frauen im Bikini oder Männer mit freiem Oberkörper – bevorzugt angezeigt.

Bei den 26 Testpersonen, die 37 Instagrammern aus zwölf Ländern folgen, waren fast ein Drittel (30 Prozent) der angezeigten Bilder solche von Frauen in Bikinis oder oberkörperfreien Männern – obwohl insgesamt nur 21 Prozent der geteilten Fotos solche zeigten. Insgesamt wurden 2.400 Bilder analysiert. Den Studienmachern zufolge war die Wahrscheinlichkeit, dass Bikinibilder angezeigt werden, um 54 Prozent höher, die Wahrscheinlichkeit für halbnackte Männer war 28 Prozent höher. Essen oder Landschaften wurden um 60 Prozent seltener angezeigt.

Instagram hält Ergebnisse für fehlerhaft

Die Facebook-Tochter Instagram kann die Ergebnisse, gelinde gesagt, nicht nachvollziehen: „Diese Forschungsergebnisse sind in vielerlei Hinsicht fehlerhaft und zeigen ein Missverständnis der Funktionsweise von Instagram“, zitiert T3n aus einem Statement des Unternehmens. Die Beiträge im Feed würden nach Inhalt und den Konten, für die sich die Nutzer interessieren, geordnet, „und nicht nach willkürlichen Faktoren wie dem Vorhandensein von Badebekleidung“.

Die Studienautoren räumen ein, dass die Priorisierung von nackter Haut nicht bei allen Testpersonen beobachtet wurde. Sie vermuten dennoch, dass der Algorithmus diese Bilder bevorzuge, aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Ohne Einblick in den Instagram-Algorithmus sei es ohnehin nicht möglich, dessen Funktionsweise komplett zu verstehen. Algorithmwatch zeigt sich trotzdem in der Vorstellung der Studie sehr kritisch gegenüber Facebook und seiner Tochter. Der Algorithmus beeinflusse das Verhalten von Instagrammern und die Weltsicht von 140 Millionen Europäern. Es handele sich um einen blinden Fleck in den Regularien der EU, den es zu beseitigen gelte.

Mutterkonzern Facebook geht mit Nacktheit strikt um

Die Ergebnisse sorgen auch deshalb für Aufsehen, weil Facebook bezüglich Darstellungen nackter Menschen sehr strikte Regeln hat, die dem Konzern auch schon Kritik einbrachten. Oberkörperfreie Darstellungen von Männern sind auf den Facebook-Portalen kein Problem, während nackte Brüste von Frauen sehr schnell zur Löschung des Bildes führen. Auf der anderen Seite wird Facebook regelmäßig vorgeworfen, bei Gewaltdarstellungen weniger pingelig zu sein. Dass ausgerechnet nackte Haut nun bei Instagram offenbar für bessere Reichweite sorgt, dürfte Facebook kaum gefallen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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