Studie deutscher Medienanstalten

YouTube-Algorithmus zeigt nur wenig Desinformation zu Krisenthemen

Veröffentlicht: 25.02.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 25.02.2021
Tablet mit vielen Videos im Umfeld

Für viele – vor allem junge Nutzer – ist das Videoportal YouTube längst eine veritable Informationsquelle. Das Portal wird jedoch auch für seine zweifelhafte Rolle und seine große Massenwirkung etwa beim US-Wahlkampf kritisiert, zuletzt musste YouTube zehntausende Videos von Verschwörungstheoretikern löschen.

Was für Videos empfiehlt der YouTube-Algorithmus – und wie gut sind diese? Deutsche Medienanstalten sind der Sache auf den Grund gegangen und haben empfohlene Videos zu den kontroversen Themen Covid-19, Klimawandel und Flüchtlinge auf YouTube analysiert, wie der Informationsdienst Wissenschaft berichtet. Das Ergebnis: Licht und Schatten. 

YouTube: Kaum Empfehlungen zu Fake-Info-Videos

Ein Lichtblick: Zu den untersuchten Themen fanden die Forscher fast keine Videos mit desinformierenden Inhalten – nur sechs Prozent zeigten derartige Inhalte, die von YouTube nach Eingabe des jeweiligen Stichwortes empfohlen wurden. Allerdings verwies der Algorithmus auch kaum auf tiefergehende Informationen: Nur elf Prozent der erfassten Empfehlungen offerierten Videos zu den als Startpunkt gewählten Themen.

Darüber hinaus zeigt sich eine für YouTube relative Eintönigkeit: Zwei Drittel der Video-Empfehlungen stammten von nur 61 Kanälen, darunter viele öffentlich-rechtliche und etablierte private Medienanbieter. Für kleine Nischen-Anbieter oder Neustarter würde es also demnach schwerer sein, über den Algorithmus zu Reichweite zu kommen. 

„YouTube-Empfehlungsalgorithmus ist kein Desinformations-Katalysator“

„Die gute Nachricht ist: Der YouTube-Empfehlungsalgorithmus ist kein Desinformations-Katalysator“, fasst Dr. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg die Ergebnisse zusammen. „Gleichzeitig deutet unsere Studie darauf hin, dass der Algorithmus selten Nischenangebote oder Themen vertiefende Inhalte empfiehlt. Etablierte Medienanbieter werden überdurchschnittlich oft sichtbar gemacht.“ Die Empfehlung der Studienmacher: Die Meinungsvielfalt bei YouTube und Co. müsse noch mehr diskutiert und gefördert werden, in den Plattformen stecke noch deutliches Potenzial für mehr Vielfalt. „Die Herausforderung ist, den Nutzerinnen und Nutzern die Vielfalt der Informationsangebote und Perspektiven besser zu präsentieren. Und dabei noch weniger Desinformation zu empfehlen.“

YouTube erreicht allein in Deutschland täglich rund 7,2 Millionen Nutzer.

Die Studie „Empfehlungen in Krisenzeiten - Welche Inhalte machen die Empfehlungsalgorithmen von YouTube sichtbar?“ wurde von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), der Senatskanzlei Berlin, der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), der Landesanstalt für Medien NRW und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben und von Kantar, Public Division und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) durchgeführt. Interessierte Nutzer können die Studie hier (PDF, 66 Seiten) runterladen.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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