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Bitkom-Studie

Nur ein Viertel der deutschen Unternehmen hat die DSGVO vollständig umgesetzt

Veröffentlicht: 17.09.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 17.09.2019
DSGVO auf Tafel

Die Datenschutzgrundverordnung ist seit dem 25. Mai 2018 verpflichtend, bleibt aber auch über ein Jahr danach noch ein Dauerthema. Nicht nur, weil sie dafür gesorgt hat, dass mehr Datenschutzvergehen gemeldet werden, sondern auch, weil ihre Umsetzung offenbar nach wie vor kein ganz einfaches Unterfangen ist. Gut zwei Drittel (67 Prozent) der deutschen Unternehmen haben einer Bitkom-Studie zufolge die DSGVO mittlerweile zu großen Teilen umgesetzt. Vollständig abgeschlossen hat die Umsetzung bislang aber nur ein Viertel.

In der Befragung unter mehr als 500 deutschen Unternehmen geben 24 Prozent an, die Verordnung teilweise umgesetzt zu haben, sechs Prozent stünden gerade am Anfang. „Nach wie vor bestehen große Unsicherheiten bei der Auslegung der neuen Regeln. Eine vollständige Umsetzung der DS-GVO scheint vielen Unternehmen unmöglich“, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) würde die DSGVO hart treffen. Die größten Herausforderungen seien der Studie zufolge Rechtsunsicherheit und ein schwer abzuschätzender Umsetzungsaufwand (jeweils 68 Prozent). Darüberhinaus beklagen 53 Prozent fehlende Umsetzungshilfen und 37 Prozent sehen fehlendes Fachpersonal als größte Herausforderung – ein Problem, dem große Konzerne besser entgegen wirken können. Nicht zu unterschätzen ist die Wahrnehmung von drei Viertel der Befragten, dass die Kunden durch zusätzliche Hinweise und Infoblätter genervt seien.

Nicht vollständig umsetzbar?

Die Unternehmen, die bereits mit der Umsetzung begonnen haben, berichten fast übereinstimmend, dass vor allem der Aufwand für die Erfüllung der Dokumentations- und Informationspflichten sehr hoch sei (97 Prozent). Abgesehen vom hohen Aufwand wird aber vor allem beklagt, dass die neuen Datenschutzregeln Innovationen verhindern würden. 14 Prozent geben an, dass innovative Projekte aufgrund der DSGVO gescheitert sind.

Daher fordern fast alle befragten Unternehmen (98 Prozent) Nachbesserungen. Denn – und dieser Ansicht sind immer noch 95 Prozent der Unternehmen – in ihrer aktuellen Form sei die DSGVO nicht vollständig umsetzbar. „Die EU-Kommission wird die DS-GVO im nächsten Jahr genau prüfen. Sie sollte Erleichterungen für KMUs vorsehen und auch die Datennutzung im Forschungsumfeld erleichtern“, fordert Dehmel. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber regte im Mai gegenüber OnlinehändlerNews an, die Dokumentations- und Informationspflichten für KMU zu lockern.

Brexit bringt neue Unsicherheit

Für ganz neue Probleme könnte der Brexit sorgen, sofern er irgendwann tatsächlich durchgeführt wird. 53 Prozent der deutschen Unternehmen lässt Personendaten von ausländischen Dienstleistern bearbeiten, elf Prozent davon in Großbritannien. 84 Prozent der Unternehmen, die aktuell britische Dienstleister nutzen, wollen dies im Falle eines Brexits nicht mehr tun. Susanne Dehmel erklärt: „Nach dem Brexit dürfen personenbezogene Daten nicht mehr ohne Weiteres nach Großbritannien übermittelt werden. Ohne Brexit-Deal müssen viele betroffene Unternehmen ihre Prozesse umgehend anpassen und neu aufsetzen. Das kann sich unmittelbar auf den Geschäftserfolg auswirken und die Wirtschaft in Deutschland insgesamt empfindlich treffen.“

Für die Studie befragte der Digitalverband Bitkom 503 für den Datenschutz in deutschen Unternehmen (ab 20 Mitarbeitern) beauftragte Personen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 Heidemann 2019-09-18 11:26
schon interessant 95 % halten Sie für nicht komplett umsetzbar - 20 % von haben Sie aber dennoch komplett umgesetzt ?
da möchte man dann lieber nicht in´s kleingedruckte schauen ,
und 67 % hätten Sie zu ""großen Teilen" umgesetzt - verklagt bis zum Ruin wirst Du dann aber auf den kleinen nicht erledigten Teil.
............. den Rest spare ich mir lieber !
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