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Stripe-Studie

Digitaler Binnenmarkt scheitert vor allem an gesetzlichem Flickenteppich

Veröffentlicht: 16.07.2020 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 17.07.2020
EU-Geld-Aktien

Gesetze, Regularien und Normen sind von Land zu Land unterschiedlich – auch innerhalb der EU. Uneinheitliche internationale Regulierungen sind das Haupthindernis für die Umsetzung des digitalen Binnenmarktes in Europa. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Payment-Dienstleisters Stripe. Immer komplexer werdende Anforderungen seien mittlerweile ein großes Problem für Online-Unternehmen. Demnach ist gerade einmal ein Drittel der Firmen davon überzeugt, die gesetzlichen Normen überall einzuhalten. Ganze 76 Prozent räumen ein, nicht vollständig zu verstehen, welche Normen das eigene Unternehmen in verschiedenen Ländern betreffen.

Wachstum wird ausgebremst

„Wir müssen mehr tun, um die versteckten Hindernisse im Alltag abzubauen, die innovative europäische Technologieunternehmen davon abhalten, größere und schnellere Skaleneffekte in der gesamten EU zu erzielen“, fordert Tom Wehmeier, Partner und Head of Insights bei Atomico. 72 Prozent der befragten Führungskräfte sind der Ansicht, das Unternehmenswachstum werde durch übermäßig komplexe internationale Vorschriften gebremst, knapp die Hälfte der 500 befragten europäischen Führungskräfte denkt zudem, dass die Einhaltung aller Vorschriften immer schwieriger werde. In Deutschland finden dies sogar 82 Prozent der Befragten.

Die Ansichten haben direkten Einfluss auf den grenzüberschreitenden Handel: 41 Prozent derjenigen Unternehmen, die sich international zurückziehen, tun dies deshalb, weil die Komplexität der Vorschriften zugenommen habe.

Milliardenpotenzial

Einheitliche EU-Regelungen würden das Problem abfedern und umgekehrt Potenziale freisetzen. 64 Prozent der Unternehmen würden in mindestens zehn Ländern aktiv sein, wenn die Vorschriften und Steuersysteme in der EU besser harmonisiert wären – ihren Umsatz würden sie nach eigenen Angaben im Schnitt um 30 Prozent steigern. „Rechnet man diese Zahl auf alle B2C-E-Commerce-Unternehmen in der EU hoch, könnte die europäische Online-Wirtschaft allein in diesem Segment um mehr als 100 Milliarden Euro wachsen“, heißt es in der Mitteilung von Stripe.

„Um das volle Potenzial des digitalen Binnenmarkts freizusetzen, müssen die Themen Compliance und grenzüberschreitendes Steuermanagement für Online-Unternehmen erleichtert werden“, so Marcos Raiser do Ó, Head of DACH & CEE bei Stripe. „Dies ist nicht nur eine Aufgabe für politische Entscheidungsträger, sondern auch Technologieunternehmen sind gefragt.“ Tom Wehmeier von Atomico ergänzt: „Die europäische Technologieinnovation blüht bereits von alleine auf, aber oft nicht wegen, sondern trotz der Bedingungen, unter denen sie in ganz Europa tätig sind“.

Es benötige eine bessere Verfügbarkeit von internetbasierten Technologien und Tools, insbesondere solchen, welche die Einhaltung von Vorschriften unterstützen. Zudem müsse Europa innovationsfreundlicher werden: Deutsche und französische Führungskräfte sehen zu 42 Prozent Innovation als Herausforderung an.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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