Journalisten bedroht

Ex-Ebay-Manager muss ins Gefängnis

Veröffentlicht: 29.07.2021 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 29.07.2021
Ebay

Der Fall sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen: Sechs ehemalige hochrangige Mitarbeiter von Ebay mussten sich vor Gericht verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, zwei kritische Journalisten des Portals EcommerceBytes bedroht und eingeschüchtert zu haben. Einer der sechs Angeklagten wurde nun schuldig gesprochen. Ein Bundesgericht in Boston verurteilte 56-Jährigen zur einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren, wie die FAZ berichtet.

Die Vorwürfe sind schwer: Die Ebay-Mitarbeiter sollen dem Ehepaar Pakete mit lebenden Kakerlaken geschickt haben, lebende Spinnen, Fliegenlarven, außerdem eine blutige Schweinemaske, ein Buch über das „Überleben des Verlustes eines Ehepartners“ und einen Trauerkranz. Zudem sollen sie das Paar in seinem Zuhause überwacht und in Chatnachrichten bedroht haben. Bei der Verkündung des Strafmaßes sagte die Richterin: „Die Vorstellung, dass all diese erwachsenen Menschen zusammensitzen und sich diesen Plan ausdenken, ist für mich unbegreiflich“. Das Verhalten der Angeklagten sei „irre“.

Geplantes Vorgehen

Die Angeklagten sind bei ihren Einschüchterungsversuchen offenbar geplant vorgegangen. Es habe etwa eine Besprechung gegeben, in der Maßnahmen gegen die Journalisten geplant wurden. Der verurteilte Manager, der in Ebays Sicherheitsbereich arbeitete, gab zu, an der Besprechung teilgenommen zu haben. Er habe allerdings ausgesagt, sich die gegen die Ausführung ausgesprochen zu haben und habe nicht erwartet, dass die Maßnahmen tatsächlich durchgeführt werden. Zudem habe er ein Alkoholproblem gehabt, welches, so seine Aussage, von der Arbeitskultur bei Ebay in den USA verursacht wurde.

Die Einschüchterungskampagne soll sich „bis in höchste Führungszirkel“ gezogen haben, wie die FAZ schreibt. Ebays ehemaliger Sicherheitsdirektor sei der maßgebliche Planer gewesen, dieser bestreitet aber die Vorwürfe. In die Kritik geriet auch der damalige Ebay-CEO Devin Wenig, der in einer Textnachricht an den Sicherheitschef geschrieben haben soll: „Zeit, sie unschädlich zu machen“. Im September 2019 legte Wenig sein Amt nieder, erklärte sich aber nie zu den Vorgängen.

Alle beteiligten Mitarbeiter wurden von Ebay entlassen, eine interne Untersuchung von Ebay zu einer möglichen Beteiligung von Wenig sei dem Unternehmen zufolge ergebnislos geblieben. Ebay erklärte damals, dass man die Vorwürfe sehr ernst genommen habe und ein derartiges Verhalten nicht toleriere. Der damalige Ebay-Deutschland-Chef Eben Sermon zeigte sich damals „zutiefst erschüttert“.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 brrrrr 2021-07-30 13:42
Wie oft wurde in den vergangenen 20 Jahren eigentlich die Position des Deutschland-Che fs an einen anderen übergeben ? Das wäre doch schon mal ein "Qualitätsmerkmal"
ganz unabhängig von den wirklichen Umständen, die in derartigen Fällen transparent werden.
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