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Werbekodex

Schürt angeblich Angst vorm Klimawandel: Fahrradwerbung darf in Frankreich nicht gezeigt werden

Veröffentlicht: 03.07.2020 | Autor: Melvin Louis Dreyer | Letzte Aktualisierung: 03.07.2020
Rauch aus Schornstein

Werbung eckt an, das ist nichts neues und oft auch ihr Zweck, schließlich erregt es Aufmerksamkeit. Manchmal aber kann es auch zu weit gehen, mit der Folge, dass Werbung nicht gezeigt oder gesendet werden darf. Das ist nun dem niederländischen Fahrradhersteller Vanmoof passiert. Ein Werbespot, in dessen Zentrum ein Auto, der Klimawandel, das Thema Mobilität und E-Bikes stehen, hat die Aufmerksamkeit der französischen Werbeaufsicht auf sich gezogen.

Während er in Deutschland und den Niederlanden bisher ohne Zwischenfälle ausgestrahlt wird, ist der Spot dort auf dem Index gelandet: Der Automobilsektor werde durch bestimmte Aufnahmen diskreditiert, und es werde ein „Klima der Angst“ geschaffen. Vanmoof hingegen sieht sich als Opfer von Zensur. 

Werbung für Klimaschutz und Fahrräder

Das Werbevideo des niederländischen Fahrradherstellers beginnt mit einem Auto, einem modernen Sportwagen. Während die Kamera über den Wagen fliegt, erscheinen in den Reflexionen der Oberfläche des Wagens verschiedene Bilder und kurze Filmsequenzen von rauchenden Fabrikschornsteinen, Staus, Menschenansammlungen und ein schemenhaft angedeuteter Unfall samt Martinshorn und Blaulicht.

Schließlich schmilzt der Wagen wie Wasser dahin. „Time to ride the future“ erscheint im Bild, im Anschluss ein Fahrrad. Die Musik ist eher melancholisch, gesungen wird „There is a new day dawning“ – ein neuer Tag bricht an. 

Verstoß gegen Marketing-Kodex? Der Werbespot spiele mit Angst

Über die Reaktion der französischen Regierungsorganisation ARPP (Autorité de Régulation Professionnelle de la Publicité) berichtete zunächst Business Insider. Die ARPP prüft, quasi im Wege der Selbstregulierung, im Auftrag der französischen Werbebranche Spots, bevor sie ausgestrahlt werden. In diesem Fall wurde die Ausstrahlung abgelehnt. Dabei berufe sich die Organisation auf den Marketing-Kodex der Internationalen Handelskammer ICC: „Marketingkommunikation sollte nicht ohne vertretbaren Grund mit Angst spielen oder sich Unglück oder Leiden zunutze machen“ heißt es dort in Artikel 2 zu sozialer Verantwortung. 

Vanmoof erhebt Zensurvorwürfe

„Es ist unverständlich, dass Autofirmen ihre Umweltprobleme beschönigen dürfen, aber wenn jemand diese Situation in Frage stellt, wird sie zensiert“ äußert sich Ties Carlier, Mitgründer von Vanmoof zu der Angelegenheit. Ziel des Werbespots sei es, Menschen zum Nachdenken über ihre Weise der Mobilität anzuregen, und sekundär auch die neuen Fahrradmodelle vorzuführen.

Laut der Pressemitteilung des Fahrradherstellers sei es nicht das erste mal, dass die ARPP mit Kontroversen in Verbindung gebracht werde. Auch Organisationen wie Greenpeace oder Médecins du Monde (Ärzte der Welt) hätten hier bereits fehlende Neutralität kritisiert.

Über den Autor

Melvin Louis Dreyer Experte für IT- und Verbraucherrecht

Melvin ist seit Mitte 2018 Teil des juristischen Redaktionsteams. Er hat schon während seines Rechtswissenschaft-Studiums leidenschaftlich gerne Beiträge verfasst und Fachwissen vermittelt. Jetzt berichtet er als Redakteur regelmäßig zu rechtlichen Neuigkeiten und Fragestellungen in der Welt des E-Commerce und verwirklicht damit nebenbei auch noch seine Interessen an Gesellschaft und Wirtschaft. 

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