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Erste Kunden wenden sich ab

Die Bafin verdächtigt Wirecard jetzt der Marktmanipulation

Veröffentlicht: 24.06.2020 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 24.06.2020
Wirecard-Logo auf einemSmartphone auf Geldscheinen

Der Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard zieht weitere Kreise. Wie nun bekannt wurde, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ihre Strafanzeige gegen das Unternehmen erweitert. „Wir haben heute eine Nachtragsanzeige bei der Staatsanwaltschaft München I wegen des Verdachts der Marktmanipulation erstattet“, erklärte eine Bafin-Sprecherin laut FAZ. Der Verdacht habe sich erhärtet, nachdem Wirecard in einer Ad-hoc-Mitteilung am Montag erklärt hatte, dass die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ gar nicht existieren.

Damit habe sich der Verdacht verstärkt, dass die bilanzielle Darstellung zu Umsatzerlösen und Vermögensgegenständen unrichtig war, führt die Bafin-Sprecherin weiter aus. Die Aufsicht hatte bereits Anfang Juni Strafanzeige gegen den gesamten damaligen Wirecard-Vorstand erstattet. Zum damaligen Zeitpunkt ging es aber nur um mutmaßlich irreführende Aussagen in zwei Pflichtmitteilungen. Die Bafin ermittelt bereits seit Anfang 2019 gegen den Konzern.

Erste Kunden wenden sich offenbar ab

Der Skandal um den Zahlungsdienstleister hat nun auch offenbar erste Konsequenzen für die Geschäftsbeziehungen. Ein Bloomberg-Bericht spricht der FAZ zufolge davon, dass sich erste Kunden und Geschäftspartner von dem Unternehmen abwenden. Unter anderem habe der Fahrdienstleister Grab in Singapur mitgeteilt, nicht mit der geplanten Integrationsvorbereitung zu beginnen. Der französische Telekomkonzern Orange soll sich für seine Tochter Orange Bank nach einem neuen Zahlungsdienstleister umschauen, berichten Insider. Eine Stellungnahme dazu gab es von dem Konzern nicht. 

„Ohne sie haben sie kein Geschäft mehr“

Wirecard muss sich aber nicht nur um seine Kundenbasis kümmern: James Freis, der nach dem Rücktritt Brauns zum Interims-Vorstandschef berufen wurde, muss auch die Zusammenarbeit mit den Kreditkarten-Anbietern sichern. Die Wirecard Bank gibt über Mastercard, Visa und JCB International ihre Karten aus. Sollte der Konzern die verschwundenen 1,9 Milliarden Euro aber nicht auffinden können, könnten die Kreditkartenfirmen ihre Lizenzen widerrufen, so die Einschätzung von Bloomberg. 

Der Mirabaud-Analyst Neil Campling stellte ernste Konsequenzen für Wirecard in den Raum, sollte das Unternehmen die Lizenzen der Kreditkartenanbieter nicht halten können: „Ohne sie haben sie kein Geschäft mehr“, so Campling. Die Kreditkartenanbieter beobachten derweil die Entwicklung bei Wirecard, wie Sprecher von Mastercard und Visa erklärt hätten. 

Markus Braun verkauft großes Aktienpaket

Unterdessen hat der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun, der derzeit gegen Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro auf freiem Fuß ist, einen Großteil seiner Aktien verkauft. Braun, der bislang der größte Aktionär des Unternehmens war, musste aufgrund sogenannter Margengeschäfte rund 5,5 Millionen seiner 8,7 Millionen Aktien verkaufen – für insgesamt rund 155 Millionen Euro. Vor dem Kurssturz von rund 100 auf etwa 17 Euro wären diese Aktien noch deutlich mehr wert gewesen.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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