Bundestagswahl 2021

Online-Händler verlangen mehr Fairness und Vereinfachungen

Veröffentlicht: 19.07.2021 | Geschrieben von: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 19.07.2021
Reichstagsgebäude in Berlin

Noch etwas mehr als zwei Monate, dann findet am 26. September die Wahl zum bereits 20. Deutschen Bundestag statt. Schon lange war der Ausgang einer Bundestagswahl nicht mehr so offen wie in diesem Jahr und zum ersten Mal seit 2005 wird die neue Regierungschefin oder der neue Regierungschef nicht Angela Merkel heißen. 

Vor diesem Hintergrund hat der Händlerbund von Juni bis Anfang Juli insgesamt 229 Online-Händler dazu befragt, welche Themen sie vor der Bundestagswahl bewegen und wo die nächste Regierung tätig werden muss. Als Ergebnis der Bundestagswahl-Umfrage stellt der Verband fest, dass sich Online-Händler insgesamt mehr Fairness bei Steuerzahlungen, Retouren, Abmahnungen und im Verhältnis zu Marktplätzen wünschen. Außerdem wollen sie mehr Zeit für ihr eigentliches Geschäft haben, und wünschen sich deutliche Vereinfachungen bei den bürokratischen Pflichten. 

FDP, CDU und Grüne führen das Parteienfeld an

Der Händlerbund fragte die Online-Händler drei Monate im Vorfeld der Wahl, welche Partei ihre Stimme aus aktueller Sicht erhalten würde. Dabei liegt die FDP deutlich vorne, während CDU und Grüne sich fast auf Augenhöhe auf den Plätzen zwei und drei befinden. Gerade das gute Abschneiden der Grünen dürfte hierbei einige überraschen, schließlich dürfte ein grüner Wahlerfolg zu mehr Sorgfaltspflichten im Bereich Umweltschutz für Online-Händler bedeuten. Doch auch in vergangenen Händlerbund-Umfragen zeigte sich, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch für Händler immer wichtiger wird. 

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Klassische Themen im Online-Handel stehen im Fokus

Bei der Frage, welches die entscheidenden Wahlkampfthemen aus Sicht des Online-Handels sind, sind die oberen Plätze jedoch kaum überraschend. Am relevantesten ist für Online-Händler bei der Wahlentscheidung demnach ein fairer Wettbewerb, Abmahnungen, Steuern und die Rechte von Händlern in der Lieferkette und vis-à-vis Marktplätzen. 

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Händler fordern mehr Fairness

Außerdem konnten Online-Händler in der Umfrage darauf eingehen, welches Problem für sie am dringlichsten von der neuen Regierung angegangen werden muss. Der Händlerbund fasst die dabei herauskommenden Ergebnisse so zusammen: Mehr Fairness und Erleichterungen seien die entscheidenden Forderungen der Händler. 

Mehr Fairness wollen Händler etwa bei den Abmahnungen. Den berühmt-berüchtigten Abmahnvereinen- und anwälten solle in der nächsten Legislaturperiode das Abmahnen zur Generierung von Gebühren und Profit untersagt werden. Für 27 Prozent der Händler liegt hier der absolut dringendste Handlungsbedarf.

Weiterhin soll mehr Fairness zwischen kleinen und mittelständischen Händlern und den großen Marktplätzen entstehen. Dazu gehört nicht nur, dass die Marktplätze nicht mehr ihre Marktmacht ausnutzen und etwa willkürliche Maßnahmen anordnen können, gegen die kein Einspruch eingelegt werden kann. Sondern auch die Steuergerechtigkeit ist den befragten Online-Händlern wichtig. Auch große Plattformen sollen in Deutschland und Europa gerecht und fair besteuert werden. Steuervermeidung soll keinen Wettbewerbsvorteil darstellen.

Weniger Bürokratie und weniger Retouren

Weiterhin wünschen sich die Händler deutliche bürokratische Erleichterungen. Egal ob Verpackungsgesetz, Elektrogesetz, Umsatzsteuer oder Verbraucherschutz – viele Händler sagen, dass sie fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit nutzen müssen, um die unzähligen Regelungen zu lesen, zu verstehen und zu befolgen. 

Und auch bei den Retouren sehen die Online-Händler ein großes Problem. Die Menge der Retouren steige beständig und werde von einem verantwortungslosen Verhalten der Käufer angetrieben. „Der Käufer muss für sein Retourenverhalten in die Verantwortung genommen werden”, wird ein Händler aus der Umfrage zitiert. Andere fordern sogar explizit, dass kostenlose Retouren verboten werden sollen.

Händlerbund plant zweite Runde der Umfrage ab Ende August

Die Antworten aus der Umfrage zur Bundestagswahl 2021 hat der Händlerbund auch genutzt, um Wahlprüfsteine an die Parteien zu erstellen. Solche Wahlprüfsteine können von Verbänden an Parteien verschickt werden, um deren Position zu wichtigen Themen zu erfragen. Von Ende August an bis kurz vor die Wahl will der Händlerbund seine Umfrage unter Online-Händlern erneut führen, um zu schauen, welche Veränderungen sich ergeben und welchen Einfluss der laufende Wahlkampf darauf hat.

Über den Autor

Patrick Schwalger
Patrick Schwalger Experte für: EU- und Bundespolitik

Patrick ist Politik-Experte beim Händlerbund und schreibt regelmäßig als Gastautor auf OHN. Er hat in verschiedenen politischen Kontexten in Brüssel und Köln gearbeitet und kennt die Politik von allen Seiten. Für den Händlerbund bearbeitet er die politischen Entwicklungen, die den Online-Handel bewegen und informiert darüber auf OHN.

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Kommentare  

#1 Karl Ranseier 2021-07-21 15:09
die Lächerlichkeite n der Coronahilfen sollten auch dringen angepasst werden. Wenn mand en Bürokratieaufwa nd mal zusammenzählt kommenda zig Stsunden zusammen und man bekommt trotz horrender Verluste dann nur ein Taschengeld. Das der Inhaber nicht als erster udn letzter Angestellter gehen wird, der eine Krankenversiche rung braucht und seine Miete bezahlen muss ist eine Unverschämtheit . Man muss keine Coronahilfen machen, aber dann sollte man nicht von einer Bazooka reden, sondern einfach die Klappe halten. Was man verspricht muss man eben auch halten und nicht ein Jahr später die Geschenke zurück haben wollen!
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