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Kolumne

Axel Voss hat (mal wieder) das Internet nicht verstanden

Veröffentlicht: 15.03.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 15.03.2019 | Gelesen: 988 mal
Politiker im EU-Parlament

Das Chaos um den geplanten Uploadfilter geht weiter. Axel Voss, seines Zeichens CDU-Politiker und seit 2009 im Europäischen Parlament tätig, ist das Gesicht der bei der Netzgemeinde unbeliebten Reformänderung. Dass er dabei in augenscheinlicher Unwissenheit über die Thematik sich für Uploadfilter und Leistungsschutzrecht ausspricht, ist für die Internet-Nutzer ein gefundenes Fressen.

Jetzt hat Voss abermals gezeigt, dass er mit dem Internet nur so semi auf einer Linie steht. Wie er laut t3n.de gegenüber der Deutschen Welle erklärte, habe YouTube ein Geschäftsmodell auf dem Eigentum anderer Menschen aufgebaut. „Wenn es die Absicht der Plattform ist, Leuten Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken zu geben, dann sollten wir darüber nachdenken, ob diese Art von Geschäft existieren sollte“, so Voss.

YouTube als Plattform ist keine ganz neue Erscheinung

Aber was genau soll das bitte bedeuten? Wenn Herr Voss sich einmal in seinem Leben umschauen würde, könnte er nämlich zahlreiche Geschäftsmodelle entdecken, die Menschen Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken geben. Radiosender beispielsweise. Oder Bibliotheken. Oder Museen und Kunstgalerien. Oder halt eben Streaming-Plattformen sowie Bild- und Videoportale. Das Problem ist nicht, wenn eine Plattform Zugang zu urheberrechtlich geschütztem Material bietet, sondern wenn das Urheberrecht verletzt wird. Zumal YouTube mit dem Gedanken gegründet wurde, Nutzern einen Kanal zu bieten, um eigene Videos ins Netz zu stellen.

Natürlich muss YouTube dafür sorgen, dass Urheberrechtsverletzungen auf der Plattform vermieden werden. Dass die technische Lösung dafür (Uploadfilter) aber zu einem willkürlichen Zensurwerkzeug verkommen könnte, scheint den Politikern einfach nicht klar zu werden. Da können noch so viele Experten und Internetnutzer auf die Straße gehen – die haben doch eh alle keine Ahnung.

Mehr Follower = mehr Kompetenz?

In diese Nesseln setzte sich auch Voss’ CDU-Kollege Heribert Hirte, der in einer Twitter-Diskussion auf die Aussage, dass er „keinerlei Ahnung“ von dem Thema habe, schlagfertig antwortete: „Nur dass ich mehr Follower habe als Sie…“. Für dieses Totschlagargument erntete der durch seine Followerzahl derart in der Kompetenz auf Gott-Level erhobene Politiker dann einen solchen Gegenwind, dass er seinen Tweet wieder löschte. Doch in der Zwischenzeit hatte er es – eben wie sein Kollege Voss auch – bereits zu einem Meme geschafft.

Und inzwischen wird auch klar: Die Regierung findet laut t3n.de ihren eigenen Kompromiss, der derzeit auf EU-Ebene verhandelt wird, gar nicht sooo gut. CDU und SPD haben so ihre Probleme mit Artikel 13, aber das Kind ist jetzt halt in den Brunnen gefallen. Ordentlich Gegenfeuer kommt dabei von den anderen Parteien, die den Uploadfilter beispielsweise als „innovationsschädigend ohne Ende“ (Manuel Höferlein, FDP-Netzpolitiker) bezeichnen. Aber vielleicht wollen die Politiker den Uploadfilter inzwischen auch nur noch deshalb durchdrücken, um die Memes über sich selbst endlich aus dem Netz zu tilgen.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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